Fondsgesellschaft Fidelity

Bonuszertifikat soll Fondsverkauf ankurbeln

Von Steffen Uttich

28. April 2007 Mit einem ungewöhnlichen Schritt will die amerikanische Fondsgesellschaft Fidelity den Verkauf ihrer Produkte in Deutschland ankurbeln. Als neuer Absatzkanal sollen Anlagezertifikate auf Fidelity-Aktienfonds mit einem teilweisen Kapitalschutz dienen. Das kommt dem Bedürfnis vieler Privatanleger nach Geldanlagen mit Risikopuffer entgegen. Den Anfang macht ein Bonuszertifikat auf den größten europäischen Aktienfonds Fidelity European Growth, das in Zusammenarbeit mit den Zertifikatespezialisten der Deutschen Bank konstruiert wurde und für eine Größenordnung von zunächst 40 Millionen Euro ausgelegt ist. Im vergangenen Jahr hatten deutsche Anleger aus dem Fonds noch 2,6 Milliarden Euro abgezogen.

Dass sich andere Fondsgesellschaften mit einem solchen Schritt bislang schwertun, hat einen guten Grund: Bonuszertifikate auf Fonds sind eine Gratwanderung zwischen den Interessen von kurz- und langfristig orientierten Anlegern. In bestimmten Marktphasen kann die Bank, die das Zertifikat emittiert hat, im Zuge von Absicherungsgeschäften größere Pakete von Fondsanteilen in kurzen Abständen kaufen beziehungsweise verkaufen. Die damit verbundenen Transaktionskosten im Investmentfonds trägt jedoch nicht die Bank, sondern die Gesamtheit der investierten Fondssparer. „Es besteht die Gefahr, dass langfristig orientierte Anleger gegenüber kurzfristig orientierten Anlegern benachteiligt werden“, sagt Wolfgang Schumann, der für einen Zertifikatefonds des Frankfurter Vermögensverwalters Gebser & Partner verantwortlich ist.

Die Differenz müsste die Deutsche Bank tragen

Der Extremfall tritt im Fidelity-Zertifikat ein, wenn wenige Tage vor dem Ende der Laufzeit am 23. März 2012 der Rücknahmepreis des Fidelity European Growth knapp über der Barriere von 7,68 Euro liegen sollte, ohne zuvor diese Marke berührt oder unterschritten zu haben. In einem solchen Szenario bekommt der Zertifikateinhaber den Referenzstand zu Laufzeitbeginn, der auf dem Wert eines Fondsanteils von 11,82 Euro basiert, ausgezahlt - er erleidet also keinen größeren Verlust. Die Differenz müsste die Deutsche Bank als Zertifikateemittent tragen. Diese wird sich jedoch dynamisch absichern. Bei den üblichen Bonuszertifikaten auf Aktien kann die Deutsche Bank dazu neben dem Handel von Aktienpaketen vor allem Terminkontrakte (Futures) nutzen. Bei Investmentfonds stehen normalerweise nur die Fondsanteile für die Absicherungsgeschäfte zur Verfügung.

Nach dem Modell eines größeren Zertifikateemittenten kann im schlimmsten Fall der Hebel, der für die Absicherung angesetzt wird, das Zehnfache des Zertifikatevolumens betragen. Das bedeutet: Liegen in dem Fidelity-Zertifikat 40 Millionen Euro, könnten innerhalb weniger Tage Fondsanteile bis zu 400 Millionen Euro umgehen. Selbst in einem Fonds mit einem verwalteten Vermögen von 18 Milliarden Euro wie dem European Growth würde eine solche Größenordnung spürbar sein und Handelsaktivitäten auslösen.

„Ich erwarte, dass da nicht noch mehr kommt“

Fidelity und die Deutsche Bank versichern zwar, dass kein Hebel in der genannten Größenordnung angesetzt wird. Nähere Angaben über die Absicherungsstrategie - ob beispielsweise Umwege über Aktienindizes vorgesehen sind - werden jedoch nicht gemacht. „Anlagen durch Zertifikate beziehungsweise strukturierte Produkte nimmt Fidelity nur dann entgegen, wenn dabei sichergestellt ist, dass es zu keinen negativen Auswirkungen auf die Wertentwicklung unserer Fonds kommt“, betont Fidelity-Deutschland-Chef Alfred Strebel. Das Bonuszertifikat sei deshalb mit der Deutschen Bank so konstruiert worden, dass die Interessen der langfristig orientierten Anleger geschützt blieben. Allerdings scheut Fidelity vor der konkreten Aussage zurück, dass die Mittelzu- und -abflüsse im Rahmen notwendiger Absicherungsstrategien der Deutschen Bank immer aus dem Bargeldbestand des Fonds bedient werden können. Damit wären Fondssparer tatsächlich vor unnötigen Transaktionskosten geschützt.

Vor diesem Hintergrund überwiegt zunächst einmal das Misstrauen, dass zwei Anlegergruppen unter einem Dach zusammenkommen, die überhaupt nicht zueinander passen. „Ich halte die Konstruktion für problematisch“, sagt Ulrich Stephan, verantwortlich für das Investmentgeschäft beim Finanzvertrieb MLP. Aus seiner Sicht wirft die Konstruktion zu viele Fragen auf, um einen klaren Vorteil für den Kunden zu erkennen. „Ich erwarte, dass da nicht noch mehr kommt.“

Verkaufsschlager Bonuszertifikate

Nach einer Erhebung des DerivateForums entfällt ein Fünftel des Zertifikatemarktes hierzulande auf Bonuszertifikate. Das Zielpublikum bilden Anleger, die einen Seitwärtstrend oder Kursgewinne an den Aktienmärkten erwarten, das unmittelbare Verlustrisiko einer Direktanlage in Aktien aber nicht eingehen wollen. Die wichtigsten Bestandteile eines Bonuszertifikats sind der zugrundeliegende Basiswert (eine Aktie oder im speziellen Fall ein Fonds), eine Kursschwelle, ein Bonusbetrag und eine festgelegte Laufzeit.

Wenn der Basiswert während der Laufzeit die festgelegte Kursschwelle niemals berührt, erhält ein Anleger am Ende der Laufzeit mindestens den festgelegten Bonusbetrag ausgezahlt beziehungsweise den Basiswert, wenn dieser über dem Bonusbetrag liegt. Wird dagegen die Kursbarriere während der Laufzeit gerissen, spielt der Bonusbetrag keine Rolle mehr. Dann wird am Ende zum aktuellen Kurs des Basiswertes zurückgezahlt.

Bei dem Fidelity-Zertifikat liegt die Kursschwelle bei 65 Prozent des Rücknahmepreises vom 14. März dieses Jahres. Zu diesem Zeitpunkt kostete der European Growth 11,82 Euro, so dass der Schwellenwert 7,68 Euro beträgt. Als Bonusbetrag wurde ebenfalls der Anteilspreis vom 14. März festgelegt. Fällt bis zum Laufzeitende am 23. März 2012 der Fondspreis nie unter 7,68 Euro, werden ihm also die Zertifikate zum Referenzstand von 11,82 Euro zurückgezahlt.



Text: F.A.Z., 28.04.2007, Nr. 99 / Seite 19
Bildmaterial: dpa

 
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Quelle: Morningstar
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