Rohstoffe

Beim Silber sind die Zocker schwer am werkeln

10. März 2004 Mit einem Sprung über die Marke von sieben Dollar je Feinunze hat der Silberpreis am Dienstag ein weiteres Ausrufezeichen gesetzt. Bedeutet dieses Kursniveau doch den höchsten Stand seit über sechs Jahren.

Die charttechnische Ausgangslage des Edelmetalls gestaltet sich damit immer spannender (siehe Chart unten). Allerdings fällt es Händlern schwer, die im Oktober 2003 bei etwa 4,80 Dollar angebrochene Hausse am Silbermarkt mit fundamentalen Argumenten zu begründen.

So erklärt Dresdner Kleinwort Wasserstein, Silber befinde sich aus fundamentaler Sicht in einer anfälligen Situation, doch wachse das Interesse jener, die ihre Portfolios diversifizieren wollten und in diesem Edelmetall eine Alternative zu Gold sähen.

Andere Quellen berichten, das gegenwärtige Preisniveau werde vom physischen Geschäft nicht gestützt. Vielmehr spiele sich das Geschehen fast ausschließlich am Terminmarkt ab, wo spekulative Fonds mit anscheinend unablässiger Kaufbereitschaft den Ton angäben. Hier sei bereits eine spekulative Blase entstanden, die nur darauf warte, zu platzen.

Spannende Charttechnik

Doch bei allen diesen berechtigten Einwänden läßt sich aus Sicht eines Charttechnikers das wiedererwachte Interesse der Spekulanten dennoch gut nachvollziehen. Denn es fehlt nicht mehr viel, und Silber sendet nochmals ein weiteres massives Kaufsignal. Das wäre der Fall bei einem Sprung über die nächste wichtige Widerstandszone zwischen 7,50 und 7,95 Dollar je Feinunze.

Beim Blick auf den Chart kommen manche Beobachter, die sich vornehmlich auf die damit verbundenen Chancen konzentrieren, regelrecht ins Schwärmen. Es finden sich dabei sogar Marktteilnehmer, die langfristig von einer Rückkehr zum absoluten Rekordhoch bei fast 50 Dollar im Jahr 1980 träumen. Allerdings ist dabei zu bedenken, daß die genannte Widerstandszone auch eine hohe Hürde darstellt, die erst einmal geknackt sein will.

Die Unsicherheit darüber, ob das gelingt, führt zu polarisierten Meinungen. Während einige Händler einen weiteren Anstieg nicht ausschließen, sprechen andere von einem überkauften Markt, der nach einer technischen Korrektur verlange.

Risikoreiche Wette

Erklärt werden kann das von Hedge Fonds getragene wiedererwachte Interesse neben der aussichtsreichen Charttechnik auch über die Einschätzung, wonach Silber verglichen mit Gold und anderen Rohstoffen noch Nachholbedarf hat. „Silber sieht verglichen mit anderen Edel- und Basismetallen ziemlich günstig aus für Fonds, die in Rohstoffe investieren“, erklärt Alexander Zumpfe, Edelmetallanalyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. „Das treibt den Preis stärker als jede Art von fundamentaler Nachfrage. Fundamental betrachtet ist der Preisanstieg jedenfalls nicht gerechtfertigt. “

Damit ist klar, daß der Silberpreis vornehmlich von der Spekulation getragen wird. Das läßt sich auch ablesen an den Nettokaufpositionen, die so hoch sind wie mindestens seit dem Jahr 1986 nicht mehr.

Das macht Silber aus Anlegersicht zu einer risikoreichen Wette, bei der man noch mehr als sonst an den Finanzmärkten unbedingt die kurzfristige Entwicklung beobachten und bei Trendveränderungen entsprechend handeln muß. Droht beim möglichen Abebben der spekulativen Nachfrage doch eine scharfe Korrektur.

Wer sich dennoch angelockt fühlt, was wegen dem vielversprechenden Chartbild nachzuvollziehen ist, sollte wie im Vormonat beschrieben am besten über dem Kauf von physischen Silber oder über Silber-Zertifikate mitmischen. Denn gegen den Kauf von Silber-Aktien spricht deren ausgesprochen hohe Bewertung. Allerdings werden natürlich auch diese Titel im Falle eines steigenden Silberpreises trotzdem weiter zulegen.


Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: Lenz & Partner

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