Asienfonds

Threadneedle setzt auf chinesische Nebenwerte

13. Juni 2007 Die chinesischen Börsen sind in den vergangenen Jahren prima gelaufen. Alle Welt spricht von einer Spekulationsblase an den Börsen in Schanghai und Shenzhen. Es scheint also keine gute Zeit zu sein für einen neuen China-Fonds.

Doch die Investmentgesellschaft Threadneedle, gerade von Feri als bestes Fondshaus ausgezeichnet (siehe
Die besten Fondshäuser) sieht das anders: Der „Treadneedle China Opportunities Fund“ soll Anfang Juli in Deutschland zum Vertrieb zugelassen werden. In Großbritannien hat der Fonds inzwischen 23,6 Millionen Pfund eingesammelt.

Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen

„Es gibt gar nicht so viele reine China-Fonds in Europa“, sagte Fondsmanagerin Gigi Chan in dieser Woche bei einem Pressegespräch in Frankfurt. „Viele Fonds setzen auf 'Greater China', also neben Festland-China auch auf Taiwan und Hongkong.“

Der „China Opportunities Fund“ macht einiges anders: Zum einen orientiert sich Chan an Investmentthemen. Der steigende Konsum spielt eine wichtige Rolle, außerdem die Infrastruktur, die Verstädterung oder der Trend zu mehr Outsourcing. Zum anderen setzt die gebürtige Hongkong-Chinesin stark auf kleine und mittelgroße Unternehmen des Festlandes - hier gibt es eine klare Übergewichtung im Vergleich zum MSCI China (siehe erste Grafik).

„Viele Nebenwerte mit Bewertungsabschlag“

Bei der Rally 2006 hätten vor allem die Standardwerte profitiert, weil internationale Investoren in erster Linie großkapitalisierte Werte gekauft hätten. „Viele Nebenwerte weisen deshalb einen Bewertungsabschlag auf“, ist Chan überzeugt. In diesem Segment gebe es noch viele „unentdeckte Unternehmen“. Besonders interessant findet sie Unternehmen, die Nischen gefunden haben, um nicht im starken Wettbewerb zerrieben zu werden.

Nun weisen einige chinesische Aktien bekanntlich extrem hohe Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) auf, besonders die A-Aktien an den Festlandsbörsen. Doch von einer generellen Überbewertung will Chan nicht sprechen: „Ein Blick auf das hohe Gewinnwachstum zeigt, dass die Bewertung nach dem Kurs-Gewinn-Verhältnis bei ausgewählten Nebenwerten noch nicht zu hoch ist. Wenn das KGV aber von 25 auf 50 hochschießt, weil der Kurs so stark gestiegen ist, verkaufe ich die Aktie sofort.“

Profitabel mit geringstem Absatz

Weitere Gründe sprechen ihrer Meinung nach für chinesische Nebenwerte. In etablierten Märkten gebe es viele kleine und mittlere Unternehmen schlechter Qualität. „Die sind aus gutem Grund nicht groß geworden“, sagt Chan. „Wenn sie besser wären, wären sie stärker gewachsen und keine 'Mid Caps' mehr.“ In China aber biete sich vielen zum ersten Mal die Chance, zu investieren. Die Small und Mid Caps seien noch klein, weil das Wachstum erst begonnen habe.

Ein Beispiel sei Ports Design, eine Luxuskleidermarke, die bereits von Hollywoodstars getragen würde. Das KGV beträgt zwar stolze 28, was bei einem erwarteten Gewinnwachstum von 30 Prozent jedoch vertretbar erscheint. Das Unternehmen sei sehr profitabel, obwohl es jeden Tag im Schnitt erst drei Kleidungsstücke pro Filiale verkaufe.

Kleinanleger setzen auf „Rubbish“

Viele chinesische Kleinanleger, die den jüngsten Börsenboom angefacht hätten, machten den Fehler, auf Unternehmen schlechter Qualität zu setzen, die Verluste erwirtschafteten. So sei auch zu erklären, dass diese Aktien in den vergangenen Monaten überproportional gewonnen hätten.

Jetzt aber zählten diese Titel - Chan spricht von „Rubbish“ (wertloser Abfall) -zu den Verlierern: „Nach einer Korrektur, wie wir sie in diesem Jahr schon einige Male gesehen haben, sind die Aktien von Unternehmen guter Qualität am nächsten Tag wieder gestiegen. Die Titel von Unternehmen schlechter Qualität aber blieben unten.“

Das meiste Geld liegt an Hongkongs Börse

Derzeit ist gut ein Viertel des Fondsvermögens in P-Aktien investiert, die einen indirekten Zugang zu A-Aktien erlauben. A-Aktien sind nur Inländern und seit kurzem auch wenigen ausgewählten internationalen Investoren zugänglich. Sollte Threadneedle eines Tages zu diesem Kreis gehören, sollen auch direkt A-Aktien gekauft werden.

Das meiste Geld liegt freilich in H-Aktien an der Hongkonger Börse. Aktien, die gleichzeitig in Hongkong und an den Inlandsbörsen gelistet sind, kosten in Hongkong meist deutlich weniger als in Schanghai oder Shenzhen - schon aus diesem Grund wird den Inlandsbörsen eine Spekulationsblase attestiert. Für die „Rubbish“-Aktien rechnet Chan mit einem Platzen der Blase, die soliden Titel aber sieht sie weiter steigen.

Unternehmensführung verbessert sich

Chans Optimismus erklärt sich nicht nur mit dem starken Wirtschaftswachstum, sondern auch mit anderen Entwicklungen in der Volksrepublik. So sei die Korruption nicht mehr so schlimm wie noch vor wenigen Jahren: „Korruption gibt es dort, wo die Anreizstruktur nicht stimmt“, sagt die Fondsmanagerin.

Sie erinnere sich an korrupte Manager, die zum Tode verurteilt wurden, um an ihnen ein Exempel zu statuieren. Trotzdem hätten sie ihr Vorgehen nicht bereut, weil Korruption die einzige Möglichkeit gewesen sei, schnell an Geld zu kommen. „Jetzt aber kann man auch auf legale Weise reich werden.“ Insgesamt würden die Grundsätze guter Unternehmensführung heute eher berücksichtigt als früher. Das zeige sich auch an der Buchführung. „Trotzdem ist es häufig Detektivarbeit, einzelne Unternehmenszahlen zu überprüfen“, räumt Chan ein.

Die regelmäßigen Unternehmensbesuche sieht sie als großen Vorteil gegenüber konkurrierenden Fondsmanagern an. Eine weitere Stärke erklärt sich durch ihre Herkunft: „Ich spreche Mandarin und habe darum einen großen Vorteil: Bei Treffen mit chinesischen Managern bin ich nicht 'lost in translation'.“

Fonds nur für China-Optimisten geeignet

Der Vermögensverwalter Threadneedle hat mit vielen anderen Fonds bewiesen, dass er bei der Aktienauswahl ein gutes Händchen hat. Gigi Chan gehört zum Team des „Threadneedle Asia Fund“ (Isin GB0002770203), der zu den besten Fonds seiner Anlageklasse gehört.

Darum sollte es Fondsmanagerin und -gesellschaft zuzutrauen sein, mit dem „China Opportunities Fund“ ansehnliche Ergebnisse zu erzielen. Doch der Fonds ist selbstverständlich nur für Anleger geeignet, die an weitere Kapitel der Erfolgsgeschichte China glauben. Es gibt gute Gründe, den Boom der Volksrepublik kritisch zu bewerten (siehe etwa Wer bremst Chinas unausgeglichenes Wachstum?). Wenn der breite Markt an Wert verliert, muss die Aktienauswahl schon sehr gut sein, wenn der Fonds nicht deutlich an Wert einbüßen soll.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET, Threadneedle

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.150 +0,00 -24,38
Andere 5.688 +0,00 -8,10
Derivative 49 +0,00 -5,06
Geldmarkt-/nahe 229 +3,38 -3,81
Gemischte 265 +0,00 -13,66
Renten 1.366 +2,88 -5,57
Quelle: Morningstar
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NamePunkteProzent
Dax 5.387,01 -7,07
TecDax 604,17 -11,27
DowJones 9.955,50 -3,58
Nasdaq 1.862,96 -4,34
STOXX 50 2.872,38 -7,75
Nikkei 225 10.473,09 -4,25
S&P 500 Zert. 10,69 -5,15
Euro/Dollar 1,36 +0,59
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