24. März 2003 Während der Absatz von Aktienfonds austrocknet, suchen immer mehr Investmentgesellschaften ihr Heil im Vertrieb von Euro-Unternehmensanleihefonds. In den vergangenen Monaten war zu beobachten, daß zahlreiche Anbieter ihre Vermarktungsaktivitäten auf diesem Gebiet deutlich ausgebaut haben.
Die Argumentation, die diese Fonds dem Anleger schmackhaft machen soll, dreht sich dabei immer wieder um den einen Punkt: Das Engagement in Unternehmensanleihen ist weniger riskant als die Aktienanlage und bietet dabei eine höhere Rendite als Staatsanleihen. Den Verkäufern kommt dabei eine seit dem vergangenen Oktober ungewöhnliche Entwicklung an den Märkten entgegen. Lautete einst der Lehrsatz "Fallen die Aktienkurse, verlieren auch Unternehmensanleihen an Wert", haben sich seither die Anleihen von der Aktienmarktentwicklung abgekoppelt.
Anlageklasse bietet noch enormes Wachstumspotential
Die ersten im Vertrieb gesammelten Erfahrungen scheinen vielversprechend gewesen zu sein. Die 35 derzeit in der Statistik des deutschen Branchenverbands BVI geführten Unternehmensanleihefonds verzeichneten im vergangenen Jahr einen stetigen Mittelzufluß. Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres kamen 244 Millionen Euro an zusätzlichem Geld herein. Das derzeit in diesen Fonds verwaltete Vermögen von überschaubaren fünf Milliarden Euro macht aber auch deutlich, daß in dieser Anlageklasse noch ein enormes Wachstumspotential schlummert.
Der Markt für Unternehmensanleihen ist in Europa noch recht jung. Den entscheidenden Schub bekam er letztlich durch die Einführung des Euro, der den Konzernen auf dem alten Kontinent bei der Kapitalbeschaffung über die Ausgabe von Anleihen eine völlig neue Dimension erschloß. Stimulierend wirkte zusätzlich die zunehmende Zurückhaltung von Banken bei der klassischen Kreditvergabe und die anhaltende Baisse am Aktienmarkt, womit dieser als Kapitalaufnahmestelle weitgehend ausfällt. Nach Angaben des Vermögensverwalters WestAM wuchs das Marktvolumen für Unternehmensanleihen mit einer guten Bonitätseinstufung (Investment Grade) von Ratingagenturen wie Standard & Poor's und Moody's zwischen 1995 und 2002 von 25 Milliarden Euro auf 773,6 Milliarden Euro. Noch stürmischer verlief das Wachstum auf dem europäischen Markt für die sogenannten High Yield-Anleihen von Unternehmen, deren Bonität von den Ratingagenturen mit "BB" beziehungsweise "Ba" und schlechter eingestuft wird. Hier wuchs das Marktvolumen von 0,7 Milliarden Euro im Jahr 1997 auf mittlerweile 41,1 Milliarden Euro.
Höhere Renditen nur in Verbindung mit höheren Risiken möglich
Das Versprechen von Fondsverkäufern wie beispielsweise Fidelity, ihr neu aufgelegter "Euro Corporate Bond Fund" werde den Anlegern langfristig zu überzeugenden Gewinnen verhelfen und dabei stets das Risiko niedrig halten, sollte von Anlegern jedoch nicht allzu wörtlich genommen werden. Hinter der höheren Rendite gegenüber Staatsanleihen verbergen sich auch höhere Risiken. Bei einem Blick auf die Wertentwicklung von Unternehmensanleihefonds, die überwiegend in Papiere von Emittenten mit guter Bonität investieren, reicht die Spannbreite in den vergangenen zwölf Monaten von zehn Prozent Gewinn bis vier Prozent Verlust. Die Wertentwicklung ist also keine Einbahnstraße.
Schlüsselfaktoren für den Anlageerfolg sind die Erfahrung des Fondsmanagements in diesem Marktsegment und die vorhandene Analysequalität. Die Zahlungsausfälle von Enron und Worldcom haben im vergangenen Jahr eindrucksvoll die Risiken der Anlageklasse aufgezeigt. Insgesamt gab es von 2000 bis 2002 im Bereich der Investment-Grade-Anleihen 28 Zahlungsausfälle, mehr als dreimal soviel wie in den zehn Jahren zuvor. Die Fähigkeit eines Anbieters von Unternehmensanleihefonds muß deshalb vor allem darin bestehen, das Risiko eines Zahlungsausfalls im Fondsportfolio so weit wie möglich zu minimieren und dabei doch eine ansprechende Rendite zu erwirtschaften.
Währungsrisiko nicht zu unterschätzen
Doch selbst, wenn diese Faktoren gegeben sind, gibt es noch andere Fallstricke, die den Anlageerfolg verhageln können. So brachte beispielsweise ausgerechnet der größte europäische Unternehmensanleihefonds, der britische M&G Corporate Bond Fund mit einem verwalteten Volumen von über zwei Milliarden Euro, seinen deutschen Anlegern in den vergangenen zwölf Monaten einen Verlust von 3,4 Prozent. Dabei verfügt M&G Investments über eine der erfahrensten Analystenmannschaften und einen schlüssigen Investmentprozeß. Das Problem liegt in der Konzentration dieses Fonds auf in der britischen Währung Pfund denominierten Unternehmensanleihen. Der Kursverlust des Pfund gegenüber dem Euro in den vergangenen Monaten schlug, weil das Portfolio nicht gegen Währungsrisiken abgesichert ist, unmittelbar auf die Wertentwicklung durch.
Anleger sollten also auch das Währungsrisiko bei ihrer Anlageentscheidung mit einbeziehen. Wie schnell sich das Blatt an diesem Punkt wenden kann, macht ebenfalls das Beispiel M&G deutlich. Seit Anfang Januar hat die Investmentgesellschaft auch einen Fonds im Angebot, der auf Euro-Papiere fokussiert ist. Während der Pfundfonds nun weiter im Sinkflug ist, allein im vergangenen Monat verlor er noch einmal 3,9 Prozent an Wert, legte der neue Euro-Fonds gleichzeitig um 0,9 Prozent zu.
Das Angebot an Unternehmensanleihefonds wächst Monat für Monat - und ein Ende ist nicht in Sicht. Die Ziele der Vermögensverwalter mit diesen Produkten sind dabei durchaus ehrgeizig. So hat etwa die deutsche Vertriebsgesellschaft von Fidelity eine Strategieänderung vollzogen. Während bislang das Geschäft nahezu ausschließlich auf Aktienfonds beruhte, soll der Anteil von Rentenfonds von derzeit fünf bis zehn Prozent am insgesamt verwalteten Fondsvermögen auf 20 bis 30 Prozent anwachsen, verkündete Deutschland-Chef Klaus-Jürgen Baum. Die Hoffnungen ruhen dabei insbesondere auf dem neuen "Euro Corporate Bond Fund".
Das Angebot für den Anleger dürfte sich in naher Zukunft auch immer mehr differenzieren, ist von deutschen Anbietern zu hören. Nachdem bislang nur in Investment-Grade- und High-Yield-Fonds unterschieden wird, könnten schon bald erste Produkte auf den Markt kommen, die sich noch detaillierter an den Bonitätseinstufungen orientieren: Von "AAA"-Fonds für den absolut risikoscheuen Anleger bis zum "B"-Fonds für den Spekulanten.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2003, Nr. 71 / Seite 21
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 47,34 € | +218,15% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 46,67 € | +216,19% |
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| Hornet Renewable Energy Fund II | 45,49 € | −17,52% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,25 € | −20,87% |
| Gesamt- Index |
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1282,41 | 1364,32 | 1324,71 |
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286,19 | 301,34 | 291,99 |
Euro-Aktien-Index09.02.2010 17:35 |
133,58 | 142,56 | 135,37 |
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