Aktienmarkt-Analyse

HSBC hält indische Aktien nach der Korrektur wieder für einen Kauf

Optimistisch für indische Aktien: Sanjiv Duggal von HSBC

Optimistisch für indische Aktien: Sanjiv Duggal von HSBC

14. Juni 2006 Seit Ende April 2003 haben sich die Kurse am indischen Aktienmarkt in Form des Sensex-Index in der Spitze mehr als vervierfacht. Wirklich spürbar gestört wurde der Aufwärtstrend in dieser Zeit eigentlich nur im Frühjahr 2004, als der Märkt heftig korrigierten. Danach erlitt die Börse zwar auch immer wieder einmal den einen oder anderen Schwächeanfall, aber prozentual betrachtet hielten sich die Einbußen stets in Grenzen.

Doch in den vergangenen Wochen mußten die Anleger erkennen, daß auch am indischen Aktienmarkt die Gesetze der Schwerkraft nach wie vor gelten. Gemessen an dem am 10. Mai markierten Rekordhoch ist der Sensex fast um 30 Prozent eingebrochen. Das Chartbild hat durch diese Abwärtsbewegung eindeutig Schaden genommen und genau genommen ist dabei sogar der langfristige Aufwärtstrend verletzt worden.

Spekulative Übertreibungen wurden korrigiert

Die primär fundamental orientierten Fondsmanager des HSBC GIF Indian Equity Fund, Sanjiv Duggal, ficht das aber nicht an. Er vertritt die Ansicht, daß der indische Aktienmarkt nach den jüngsten Einbußen jetzt wieder ein Kauf ist. Mittelfristig betrachtet handelt es sich für ihn um eine Kaufgelegenheit, die er mit den Worten „zu schön um wahr zu sein“ umschreibt. Ähnlich hatte man bei HSBC im April eine Verkaufsempfehlung für indische Aktien formuliert. Damals wähnte man den Markt wegen überzogener Bewertungen, zu vielen Arbitrage-Geschäften und zunehmender Spekulation sowie allgemein zu beobachtenden Übertreibungen reif für eine Korrektur.

Doch jetzt, nachdem sich diese Korrektur eingestellt hat, sieht Duggal die Zeit gekommen für einen Meinungsumschwung. Zur Begründung verweist er auf die wieder attraktiv gewordenen Bewertungen, eine deutlich gesunkenen Risikoneigung, dem Abzug vieler spekulativer Marktteilnehmer, der anhaltenden Gewinndynamik auf Unternehmensebene und einem starken Wirtschaftswachstum. Im HSBC GIF BRIC Freestyle Fund hat diese veränderte Denkweise mit einer Anhebung der Gewichtung Indiens von zehn auf dreizehn Prozent bereits einen Niederschlag gefunden.

Unter Chance-Risiko-Aspekten wittert Duggal jetzt wieder gute Chancen auf Kursgewinne. „Es lassen sich deutliche Anzeichen von Kapitulation ausmachen und inzwischen werden sogar erst Short-Positionen aufgebaut“, erläutert er eine der entscheidenden Veränderungen im Vergleich zur noch vor wenigen Wochen vorherrschenden euphorischen Grundstimmung. Bei der Umsetzung seiner wieder zuversichtlicheren Grundhaltung setzt er vor allem auf Standardwerte mit einem etablierten und funktionierenden Geschäftskonzept und weniger auf Nebenwerte. Außerdem sieht er die Zeit gekommen, um von defensiveren Value-Werten auf Wachstumstitel umzuschichten.

Konjunkturaufschwung wird von inländischen Faktoren getragen

Keine großen Probleme hat er mit der kürzlich beschlossenen Zinserhöhung durch die indische Notenbank. Das sei in diesem Ausmaß zu erwarten gewesen und er könne sich sogar noch einen weiteren Zinsschritt in einer Größenordnung von 25 bis 50 Basispunkten nach oben vorstellen. Derartige Maßnahmen dürften dabei helfen, die Inflation in einer Bandbreite von vier bis sechs Prozent zu halten und damit könne der Markt dann ganz gut leben.

Das Wirtschaftswachstum habe sich den jüngsten Daten nach zu urteilen auf einem höheren Niveau als in früheren Jahren eingespielt. Und so, wie es momentan aussehe, könne sich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts nachhaltig im Bereich von sieben bis acht Prozent etablieren. Positiv hervorzuheben sei, daß es sich im Falle Indiens um eine stark von inländischen Faktoren angetriebene Volkswirtschaft handele. „Der Export steht nur für rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Viel wichtigere Wachstumsstützen als der Export sind der inländische Konsum sowie die im Aufschwung befindlichen Investitions- und Infrastrukturzyklen“, erläutert der HSBC-Fondsmanager.

Gemessen an den skizzierten Wachstumsaussichten sei das Kurs-Gewinn-Verhältnis der indischen Börse mit einem Niveau von rund dreizehn auf Basis der in den nächsten zwölf Monaten erwarteten Gewinne wieder attraktiv bewertet. Das gelte erst Recht für den Fonds, weise das eigene Portfolio doch sogar nur ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,5 auf, während das Gewinnwachstum dieser Titel auf 21 Prozent zu veranschlagen sei. Als Pluspunkt bei Bewertungsüberlegungen sei es auch zu werten, daß indische Firmen anders als früher inzwischen auf liquiden Mitteln und nicht mehr auf Schulden sitzen würden.

„Die Unternehmen stehen heute viel stärker da und das rechtfertigt im Grunde genommen sogar höhere Bewertungen. Wenn man die vorhandenen Barmitteln vom Börsenwert abzieht, dann würde sich das Markt-KGV noch einmal spürbar verringern“, gibt er zu bedenken. Zu den größten Risiken zählt Duggal die Politik für den Fall, daß sich die Verantwortlichen weigern sollten, die dringend erforderlichen Reformen nachhaltig anzuschieben und zudem auch nicht an einem Abbau der Bürokratie gearbeitet wird.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: HSBC, HSCB

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