07. Mai 2008 Mit der Flucht der Anleger aus dem Risiko zu Beginn dieses Jahres ist nicht nur unter Aktienfonds ein Favoritenwechsel in Gang gekommen. Auch in unserer Rangliste mit Rentenfonds, die über die vergangenen drei Jahre die beste Wertentwicklung aufweisen, müssen die Gewinner der Vorjahre inzwischen Federn lassen.
Zahlreiche Spezialisten für Wandelanleihen wurden auf dem falschen Fuß erwischt. Fonds mit einer Ausrichtung auf Anleihen aus Schwellenländern konnten seit Jahresbeginn im besten Fall einen Verlust vermeiden.
Ungewöhnlich hohes Risiko gereicht zum Nachteil
Besonders hart erwischte der Richtungswechsel den Spitzenreiter ZZ 1. Lange schien es, als ob der Rentenfonds der österreichischen ZZ-Vermögensverwaltung ein Dauerabonnement auf diese Position hat. Noch Anfang März belief sich der Abstand zum Zweitplazierten auf 50 Prozentpunkte. Inzwischen ist dieser Vorsprung in der Drei-Jahres-Wertentwicklung jedoch auf 13 Prozentpunkte zusammengeschmolzen. Allein über das vergangene Halbjahr hat der Fonds mehr als ein Viertel seines Wertes verloren.
Zurückzuführen ist der starke Einbruch auf das für einen Rentenfonds ungewöhnlich hohe Risiko im Portfolio. Gemessen an der Schwankungsbreite des Fondspreises, stellt es selbst manchen Aktienfonds in den Schatten. Fondsmanager Peter Pühringer ist bekannt für seine Vorliebe für Hochzinsanleihen aus Schwellenländer, wobei er selbst vor den schlechtesten Bonitätseinstufungen nicht zurückschreckt. Seit 2003 hat dieses Vorgehen dem Wert der Fondsanteile zu einem ungeahnten Höhenflug verholfen. Ebenso ausgeprägte Gegenbewegungen sind mit dem Risikoprofil allerdings programmiert.
Nicht zu früh abschreiben
Zwar kann es sich Pühringer zugutehalten, dass Rückschläge in der Vergangenheit relativ rasch wieder ausgebügelt waren - weshalb etwa Detlef Glow vom Fondsanalysehaus Lipper davor warnt, den Fonds zu früh abzuschreiben. In den vergangenen Jahren fiel aber noch nie ein Einbruch so ausgeprägt aus wie seit Jahresbeginn.
Anleger im ZZ1 werden es sich immerhin zweimal überlegen, ob sie rasch die Flucht ergreifen und ihre Fondsanteile einfach zurückgeben. Um genau solche Mittelschwankungen zu vermeiden, verlangt der österreichische Nischenanbieter einen Ausgabeaufschlag in der rekordverdächtigen Höhe von 10 Prozent. Kurzfristig orientierte Anleger werden damit automatisch von einem Engagement abgehalten.
Breite Rentenfonds profitieren
Während viele Gewinner aus der Vergangenheit allmählich nach unten durchgereicht werden, rücken breit aufgestellte Rentenfonds nach, die in den vergangenen beiden Jahren noch unter der Kursschwäche von Staatsanleihen aus den Industrieländern gelitten hatten. In den besonders schwankungsanfälligen Börsenwochen profitierten sie von der Flucht vieler Investoren in dieses vergleichsweise sichere Marktsegment.
Einen zusätzlichen Schub in ihrem Wertzuwachs verzeichneten dabei jene Fonds, die größere Positionen in inflationsindexierten Anleihen hielten. Immerhin sprang der Preisauftrieb im Euro-Raum zuletzt auf 3,6 Prozent.
Rohstoffe sorgen für mehr Rendite
Eine nahezu ideale Mischung hatte der strukturierte Rentenfonds DB Platinum Dynamic Bond Stabilität Plus der Deutschen Bank über die vergangenen Monate in seinem Portfolio. Er investiert passiv über Indizes in inflationsindexierte Anleihen und Rohstoffe. Der Schwerpunkt liegt dabei immer auf der Anleiheseite, die mindestens 70 Prozent im Portfolio ausmachen muss.
Diese Quote kann allerdings in schwierigen Zeiten an den Rohstoffmärkten bis auf 100 Prozent hochgefahren werden. Umgekehrt kann die Gewichtung des Rohstoffindex bis zu 30 Prozent betragen, wenn die Preise nach oben gehen. Da sich beide Anlageklassen in einem insgesamt schwierigen Marktumfeld seit dem vergangenen Sommer überdurchschnittlich entwickelten, gelang es dem Fonds beinahe mühelos, sich mit seiner Ausrichtung von der Konkurrenz abzuheben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.