Von Hanno Beck
15. August 2005 Früher war auch die Zukunft viel besser, pflegte der Komiker Karl Valentin zu sagen - wofür ihn die deutschen Sparer derzeit offenbar Lügen strafen: In einer Zeit, in der an jeder Ecke wahlweise ein Politiker, Finanzberater, Journalist oder Weltuntergangsprophet steht und vor dem Gespenst der Altersarmut warnt, sparen die Deutschen immer weniger, offenbar in dem Glauben, daß die Zukunft viel besser sein wird als früher.
Das zumindest legen die Daten einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nahe, die zum Thema Sparen 1.750 Haushalte befragte. Das Ergebnis: Die Deutschen wollen weniger sparen als noch im Vorjahr. Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Die meisten Arbeitnehmer in Deutschland unterschätzen ihre Versorgungslücke im Alter dramatisch und sorgen zuwenig privat vor.
Keine Frage - war das Thema Altersvorsorge bisher schon der Dauerbrenner der Branche, so ist in den vergangenen zwei Wochen noch einmal der Nachbrenner eingeschaltet worden. Hatte man sich bisher mit dem branchenüblichen Mantra "Die gesetzliche Rente reicht im Alter nicht aus" zufriedengegeben, so verlagert sich die Diskussion nunmehr zusätzlich darauf, daß die Deutschen nicht nur zuwenig, sondern auch falsch sparen. Natürlich stehen hinter dieser Debatte auch handfeste wirtschaftliche Interessen, so daß man sich zunächst einmal fragen muß, was denn überhaupt dran ist am Sparautismus der Deutschen.
Die Deutschen sparen zu wenig - wie paßt das zur hohen Sparquote?
Da wäre zunächst einmal die Vermutung, daß die Deutschen zuwenig sparen - gemessen an der deutschen Sparquote, läßt sich dieser Befund nicht so ganz nachvollziehen: Die Deutschen häufen jährlich Ersparnisse in Höhe von zehn Prozent des Sozialproduktes an - das ist im internationalen Vergleich ein recht hoher Wert. Allerdings sagt dieser Wert nichts über die Verteilung der Ersparnisse aus, hier gilt in etwa folgendes: Je reicher die Deutschen sind, um so mehr sparen sie, um so mehr können sie auch sparen. Für diejenigen, deren Geldbeutel aufgrund eines niedrigen Einkommens, hoher Steuern und hoher Rentenbeiträge zu schmal wird, dürfte die These vom Geringsparen schon wesentlich valider sein. Leider sind das auch genau die Kunden, die für die Finanzbranche nicht ganz so interessant sind: Der Beratungsaufwand und die administrativen Kosten sind genauso hoch wie bei den wohlhabenderen Kunden, aber die Sparsummen, an denen sich letztlich ein Großteil der Provisionen und Erträge festmacht, sind deutlich geringer.
Auch wenn es also nicht für alle Deutschen zutreffen dürfte, daß zuwenig gespart wird, dürfte angesichts der immer größer werdenden Löcher in den gesetzlichen Rentenkassen kein Zweifel daran bestehen, daß die Spardiskussion geführt werden muß. Wenn also viele Deutsche im Alter wohl eine Versorgungslücke haben werden, erhebt sich sofort die zweite Frage: Wie breit wird diese Lücke denn sein? Der BVI, die Interessenvertretung der Fondsbranche, rechnet beispielsweise vor, daß man mit 100 Euro, die man dreißig Jahre in einen Aktienfonds einzahlt, gemessen an den Erfahrungen der Vergangenheit beim Renteneintritt sich über 20 Jahre lang eine monatliche Rente von fast 900 Euro gönnen kann - damit lasse sich die Versorgungslücke bei zahlreichen Anlegern schon schließen, glaubt man beim BVI. Wer hingegen beispielsweise über die Homepage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge sich seine Versorgungslücke ausrechnen läßt, kann je nach Familienstand, Alter und bisherigem Vorsorgeniveau rasch auf eine Versorgungslücke von deutlich mehr als 50 Prozent des letzten Monatsentgelts kommen, was dann rasch mit notwendigen Vorsorgebeträgen von mehr als 200 bis 300 Euro korrespondiert, in ganz schlimmen Fällen allerdings werden da rasch mehr als 500 Euro pro Monat nötig, um die vielbeklagte Lücke zu schließen - wer hat denn so viel Geld am Ende des Monats? Allerdings muß man einschränkend dazu sagen, daß viele Lückenrechnungen eine der beliebtesten Sparformen der Deutschen vernachlässigen, nämlich die selbstgenutzte Immobilie. Nimmt man nun noch hinzu, daß in den kommenden Jahren auch beträchtliche Summen vererbt werden, so dürfte die Berechnung der deutschen Versorgungslücke noch schwieriger werden.
Zwischspalt zwischen Sicherheit und Rendite
Noch komplizierter wird es, wenn man sich der Frage nähert, mit welchen Produkten man denn bitte schön die wie auch immer geartete Lücke schließen sollte: Fonds für die Renditehungrigen? Lebensversicherungen für die Vorsichtigen? Sparbriefe für die ganz Konservativen? Hier dürfte es mehr Meinungen als Produkte geben, der Befund vieler Befragungen und Studien deutet zumindest auf folgendes hin: Die Mehrheit der Deutschen sieht - ob das richtig ist oder nicht, sei dahingestellt - in einer Lebensversicherung die Basis ihrer Altersvorsorge, gefolgt von Bau- und Banksparplänen, erst mit zunehmendem Vermögen kommen dann auch Investmentfonds ins Spiel, erst dann kommt die Direktanlage in Aktien zum Zug. Mit anderen Worten: Am Anfang der Altersvorsorge hat bei den meisten Bürgern Sicherheit Priorität; erst mit steigendem Einkommen kommen auch Renditeüberlegungen mit ins Spiel.
Womit man bei der These vom falschen Sparen der Deutschen wäre - ist dieser Konservativismus in der Altersvorsorge falsch? Diese Frage gilt es sicherlich zu verneinen, wenn man unterstellt, daß die Bürger sich gut und umfassend über die verschiedenen Möglichkeiten und Risiken der Altersvorsorge angemessen informiert haben. Wem die Sicherheit wichtiger ist als die Rendite, dem kann man nicht vorwerfen, daß er in sicheren Produkten spart. Allerdings liegt für die Fondsbranche natürlich der Verdacht nahe, daß der Bürger eben nicht so ganz richtig in seiner Einschätzung der Risiken einer Fondsanlage liegt. Wer einen Blick auf die Sparplanstatistiken des BVI wirft, muß sich rasch fragen, ob denn die Deutschen das Risiko der Fondsanlage korrekt einschätzen: Nur in wenigen Zeiträumen, die vor allem der Jahrhundertkirmes der vergangenen Jahre geschuldet sind, haben Sparpläne in Investmentfonds Werte vernichtet. In den meisten Fällen haben Sparpläne auf Fonds ihren Anlegern stets positive Erträge erbracht - ohne daß dazu eine teure Garantie für den Kapitalerhalt notwendig gewesen wäre. Wer beispielsweise im März 2000 - auf dem Höhepunkt der Hausse - einen Sparplan mit dem DWS Akkumulat 100 Euro monatlich gespart hat, kann heute auf ein Plus von rund sieben Prozent blicken - trotz der bis März 2003 dauernden Baisse. Wer einen Sparplan also langfristig angeht und auch den Ausstieg aus selbigem behutsam vorbereitet, hat gute Chancen, mehr als den nominalen Kapitalerhalt und auch mehr als mit einer Lebensversicherung zu verdienen. Dann könnte die Zukunft auch in Zukunft wieder besser sein.
Text: F.A.Z., 16.08.2005, Nr. 189 / Seite 19
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21:48Das mit der Kontrolle an den Airports ist ueberhaupt eine
21:38Welch´ eine Anmaßung zu sagen, dass der Büger im konkreten Fall mehr Staat will!