18. Juni 2008 Fonds-Manager werden immer pessimistischer. Ihre Skepsis hat im Juni weiter zugenommen, lautet das Ergebnis der von Merrill Lynch (ML) weltweit erhobenen Umfrage. So hätten die Asset Allocators mit einer Netto-Untergewichtung von 27 Prozent die negativste Einstellung gegenüber Aktien seit einem Jahrzehnt eingenommen, zeigt sie.
Der Anteil der Befragten, der Aktien noch für unterbewertet hält, ist von 25 Prozent im März auf gerade noch einen Prozent im Juni gefallen. 81 Prozent denken, die Gewinnschätzungen, auf die manche Strategen so gerne verweisen, seien zu hoch und müssten nach unten revidiert werden.
Aktien nicht unterbewertet, Gewinnschätzungen zu hoch
Die institutionellen Anleger befürchten gleichzeitig, die Zinssätze könnten trotz einer schwächelnden Weltwirtschaft weiter angehoben werden müssen. 61 Prozent der befragten Fondsmanager gehen davon aus, das globale Wirtschaftswachstum werde in den kommenden zwölf Monaten zurückgehen. Die Fonds-Manager sprechen sich daher dafür aus, die Gewichtung in Aktien und Renten zugunsten einer höheren Liquiditätsquote zu reduzieren. Die durchschnittliche Liquiditätsquote der Fondsmanager ist von 4,1 auf 4,6 Prozent gestiegen. 42 Prozent der Befragten hält inzwischen mehr Liquidität als üblich.
Selbst der europäische Markt fällt in der Gunst der Manager. 32 Prozent der Befragten rechnen auf Zwölf-Monats-Sicht mit einer höheren Kerninflationsrate. Vor diesem Hintergrund nähmen auch die Befürchtungen zu, die Europäische Zentralbank werde bis Oktober die Leitzinsen in zwei Schritten und damit just in einem Moment erhöhen, in dem die Konjunktur abflaut. Nicht nur der Gewinnausblick der europäischen Unternehmen ist unterdurchschnittlich, auch die Qualität der Gewinne verschlechtert sich, so lautet die Quintessenz der Umfrage in diesem Punkt.
Euro überbewertet, Sorgen über geldpolitische Überraschungen
Mit Blick auf den Devisenmarkt halten 71 Prozent der Befragten den Euro für überbewertet, was insbesondere für eine vom Export abhängige Region wie den Euroraum eine Gefahr darstelle. In Europa sei darüber hinaus eine aggressive Übergewichtung von Öltiteln bei einer deutlichen Untergewichtung von Finanzaktien zu beobachten. Zudem erhöhten Investoren offenbar ihre Positionen im Telekom- sowie im Versorgersektor. Optische Schnäppchen seien zur Zeit dagegen insbesondere die britischen Bankenwerte. Allerdings sei mit einem dahingehenden Investment auch ein hohes Risiko verbunden, heißt es weiter.
Die Sorgen über die Folgen der Kreditkrise scheinen etwas abzuflauen. Nach 95 Prozent vor drei Monaten sehen nun nur noch 81 Prozent der befragten Fondsmanager besonders hohe Kreditrisiken. Beim Gegenparteienrisiko ging die Skepsis von 86 auf 69 Prozent der Befragten zurück. Dagegen verstärkt sich der kritische Blick auf geopolitische, Schwellenländer- und geldpolitische Risiken. Die Bedenken über geldpolitische Risiken haben um 42 Prozentpunkte zugenommen.
Link: ML-Fondsmanagerumfrage Juni 08
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: Merrill Lynch