Indien

Hoffnung auf den Wiederaufschwung

23. Juli 2008 Die Erfolgsgeschichte der vergangene Jahre hieß zweifelsohne China. Indes war es nicht die einzige. Vor allem Skeptiker sahen den aufsteigenden Stern eher in Indien und die Entwicklung schien ihnen recht zu geben. Seit dem Frühjahr 2003 kletterte der Aktienindex Sensex bis zum Beginn diesen Jahres allen zwischenzeitlichen Einbrüchen zum Trotz um 460 Prozent.

Dies schien vielen erheblich gesünder als, das was sich in China abspielte, wo die Hausse vor nicht einmal zwei Jahren begann und dennoch hatte der chinesische Index im Sommer 2007 den indischen fast eingeholt.

Politisches Aufatmen

Seit Jahresbeginn aber scheinen diejenigen warnenden Stimmen recht behalten zu haben, die vor einer Überbewertung beider Märkte warnten. Der Schanghai-Index ist seitdem um 45 Prozent, der Sensex um rund 30 Prozent eingebrochen.

Am Mittwoch aber kommt zumindest für Indien wieder Hoffnung auf. Der Sensex legte 5,9 Prozent auf 14.942,28 Punkte zu und verzeichnet mithin den stärksten Anstieg seit Ende März. Dass nationale Gründe dafür ausschlaggebend sind, zeigt deutlich die Tatsache, dass es für den Schanghai-Index ein weiters Mal abwärts ging, wenn auch nur um 0,3 Prozent. Was die Anleger wieder zurückholte, ist die Tatsache, dass Ministerpräsident Manmohan Singh im Parlament eine Vertrauensfrage überstanden hat.

Spekulation auf Liberalisierung des Finanzsektors

Ausländische Investoren setzen ihre Hoffnungen auf den Politiker, von dem sie glauben, dass er sich stärker für ausländische Investitionen in die Finanzbranche einsetzen wird. So könnte er Investments in Versicherungsgesellschaften ankurbeln und Stimmrechtsbeschränkungen bei Banken abschaffen, die vom früheren kommunistischen Koalitionspartner aufrechterhalten wurden, erwartet die Citigroup. Positiv sei die Abwesenheit der Linken bei der Vertrauensfrage gewesen. Die Partei habe sich seit dem Amtsantritt der Regierung im Jahr 2004 als Stolperstein für Reformen erwiesen.

Die Regierung bemüht sich seit 2006, das Limit für ausländische Beteiligungen an Versicherungen von 26 auf 49 Prozent anzuheben. Die Citigroup erwartet, dass auch Gesetzesvorlagen für die Öffnung der Pensionsverwaltungs-Branche für ausländische Investoren und für die Abschaffung der Stimmrechtsbeschränkung von zehn Prozent für Ausländer bei nichtstaatlichen Banken wieder im Parlament beraten werden.

Naturgemäß waren vor allem Bankenwerte gefragt. Der 17 Kreditinstitute umfassende Bankenindex kletterte so stark wie zuletzt im Mai 2004. Branchenprimus State Bank of India verteuerte sich um zehn, ICICI um zwölf Prozent.

Auch Rupie und Anleihen profitieren

Neben den Bankenwerten gehörten auch Ausrüster für Kernkraftwerke zu den größten Gewinnern. Hier setzen die Anleger auf neue Aufträge für Turbinen und Generatoren für Kernreaktoren. Indiens größtes Maschinenbauunternehmen Larsen & Toubro verzeichnete einen Kursgewinn von 7,8 Prozent, die Aktie des größten indischen Stromausrüsters Bharat
Heavy Electricals von elf Prozent. Der Aktienkurs der indischen Tochter des weltgrößten Reaktorherstellers Areva legte 4,9 Prozent zu.

Die Rendite der zehnjährigen indischen Benchmarkanleihe fiel um acht Basispunkte auf 9,04 Prozent. In diesem Monat war sie zuletzt auf ein Siebenjahreshoch von 9,55 Prozent geklettert, nachdem sich zeigte, dass das starke Wirtschaftswachstum zunehmend die Inflation angeheizt hatte.

Auch die Rupie kletterte um 1,2 Prozent auf 42,2275 Rupien je Dollar und verzeichnete damit das stärkste Plus seit 15 Monaten. Sie war seit Jahresbeginn 7,8 Prozent gefallen, obwohl die indische Zentralbank seit Oktober 2004 die Leitzinsen elfmal angehoben hatte, um der Teuerung Herr zu werden.

Hoffen auf die Wende

„Das wird sowohl bei einheimischen als auch bei ausländischen Investoren eine Menge Vertrauen bringen“, würdigt Parthasarthi Mukherjee, Leiter der Abteilung Finanzen bei der Axis Bank in Mumbai die Entwicklung. „Die Kurse werden steigen, weil ein bisher eingepreister negativer Einfluss sich umkehren wird. Reformen werden wieder auf den Weg gebracht werden und dieses Mal wird die Entwicklung glatter und schneller verlaufen.“

Sanjiv Duggal, Fondsmanager des mit Abstand voluminösesten Indienfonds, des HSBC GIF Indian Equity riet schon vor einigen Tagen zum Wiedereinstieg, weil er die politischen Unsicherheiten und Risiken vor den anstehenden Parlamentswahlen als eingepreist ansah.

Die Inflation befindet sich nahe dem Scheitelpunkt bis Ende März 2009 werde es keine weitere Erhöhung der Leitzinsen um mehr als 100 Basispunkte geben. Dabei werde das Wachstum stabil bleiben: Nach der Rekordrate von 9,1 Prozent im laufenden Jahr rechnet der Fondsmanager in den beiden kommenden Jahren mit Raten von bis zu acht Prozent. Die Abwertung der Rupie sei für die exportorientierten Unternehmen positiv gewesen und die Aktienbewertungen nach der Korrekturphase wieder attraktiv.

Duggal ist in der Vergangenheit keineswegs immer positiv für den indischen markt gestimmt gewesen. Ende 2007 hatte er die negative Entwicklung bereits prognostiziert und kurzfristig zum Rückzug geraten. Aktuell besonders attraktiv seien Immobilien-, Technologie- und Automobilwerte.

Wiederaufschwung scheint möglich.

Die Rating-Agentur Fitch hatte Mitte des Monats dagegen erst ihren Ausblick für die Bonitätseinschätzung des Landes von „stabil“ auf „negativ“ zurückgenommen und nannte das steigende Budgetdefizit als Grund, das sich im laufenden Haushaltsjahr von 2,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 4,5 Prozent ausweiten könne.

Dahinter standen höhere Kosten infolge anziehender Löhne, steigender Subventionen und höhere Ausgaben für die Zinszahlungen. Immerhin aber die Subventionsproblematik könnte in der nächsten Zeit abnehmen. Zins- und Lohnniveau haben die Regierenden aber derzeit nicht in der Hand. Sollten sich die Inflationsprognosen nicht bewahrheiten und das Wachstum dabei Schaden nehmen, kann sich die Entwicklung auch rasch wieder umkehren.

Entwickeln sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse dagegen stabil, und das könnte durchaus der Fall sein, so sollte einem Wiederaufschwung nichts im Wege stehen. Doch ist der Markt stets volatil und

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

 
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Andere 5.504 +6,10 -2,68
Derivative 49 +0,25 -1,35
Geldmarkt-/nahe 226 +5,70 -2,42
Gemischte 246 +6,47 -0,54
Renten 1.330 +6,95 -2,91
Quelle: Morningstar
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