14. Januar 2008 Da hat der brave Bürger jahrzehntelang für den Ruhestand gespart und bekommt dann umso weniger Rente: Diese Befürchtung hat ein Fernsehbericht in der vergangenen Woche geweckt. Er behauptete, dass schon ein Durchschnittsverdiener, der 32 Jahre lang in einen staatlich geförderten Riester-Vertrag eingezahlt hat und im Jahr 2030 in Rente geht, nichts von seiner Vorsorge hat.
Denn seine staatliche Rente wird dann so niedrig sein, dass er sogar mit den Erträgen aus der Riester-Rente nicht mehr bekommt als die monatliche Grundsicherung von derzeit durchschnittlich 627 Euro. Sie errechnet sich aus dem Grundbedarf von 347 Euro, eventuellen Zuschlägen für eine Behinderung und den Mietkosten. Das Problem: Alle eigenen Einkommen werden abgezogen, also auch die Riester-Rente (siehe Infografik Beispielrechnung).
Nicht alle Faktoren berücksichtigt
Nur das Geld der Kinder wird bis zu einem Vermögen von 100.000 Euro nicht berücksichtigt. Die Folge: Riestern scheint sich sogar für Durchschnittsverdiener nicht zu lohnen, denn trotz der ganzen Ersparnis scheinen sie nicht über die Grundsicherung hinauszukommen, die sie sowieso vom Staat erhalten.
In der Tat bekommt ein Durchschnittsverdiener derzeit nur dann eine höhere Rente als die Grundsicherung, wenn er 25 Jahre in die staatliche Rentenkasse eingezahlt hat. Im Jahr 2030 sind sogar 30 Jahre nötig. Durchschnittsverdiener sind derzeit Menschen mit einem durchschnittlichen Gehalt von 29 500 Euro brutto in einem Jahr.
Es wäre aber fahrlässig, aus diesen Zahlen zu schließen, dass sich eine Riester-Rente nicht lohnt. Denn die Rechnung unterschlägt, dass der Rentner weitere Einnahmen haben kann: zum Beispiel eine Betriebsrente, eine Witwenrente vom verstorbenen Partner, Zinsen oder Einkommen aus einer Nebentätigkeit. Nach einer Studie der deutschen Rentenversicherung werden von den heute 40- bis 4-jährigen nur ungefähr 15 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen ausschließlich die staatliche Rente beziehen.
Grundsicherung nur für die Wenigsten
Es ist daher nicht überraschend, dass Ende 2006 nur 371.000 Menschen oder 2,3 Prozent der Ruheständler so bedürftig waren, dass sie eine Grundsicherung erhielten. Gleichzeitig gab es aber 1,6 Millionen Rentner, die weniger als 150 Euro Rente im Monat bekamen. Ein Großteil dürften ehemalige Selbständige sein, die nur wenige Jahre als Angestellte gearbeitet und dabei in die Rentenkasse eingezahlt haben. Oder Mütter, die nach der Geburt der Kinder rasch aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind.
Für wen gilt also, dass sich die Riesterrente nicht lohnt? Nur für diejenigen, die im Alter keine Zusatzeinnahmen zu erwarten haben und ihr ganzes Berufsleben Geringverdiener sind. Das ist unwahrscheinlich. Wer arbeitslos ist und von Sozialhilfe lebt, muss das nicht ewig bleiben.
Das haben die Wirtschaftsweisen in ihrem aktuellen Gutachten belegt. In der Praxis war das zum Beispiel im vergangenen Jahr zu sehen, als die Langzeitarbeitslosigkeit zurückgegangen ist. Auch Alleinerziehende arbeiten oft später wieder voll, wenn sie entlastet werden - zum Beispiel durch einen neuen Partner oder dadurch, dass das Kind älter und damit selbständiger wird.
Nicht zu früh resignieren
Wer auf die Riester-Rente verzichtet, resigniert zu früh - er nimmt an, dass er bis zum Ruhestand kein höheres Einkommen mehr erreicht. Und verlässt sich darauf, dass die staatliche Grundsicherung so hoch bleibt wie heute. Das ist nicht garantiert.
Darum sollten auch Geringverdiener riestern, denn die staatliche Förderung ist gerade für Menschen mit geringem Einkommen sehr üppig. Besonders Verheiratete mit Kindern werden mit viel Geld unterstützt. Zu ihrem Eigenbeitrag bekommen sie fast die gleiche Summe vom Staat geschenkt, die Förderquoten erreichen also fast 90 Prozent (siehe InfogGrafik). Sparen können sie auch mit kleinen Beiträgen.
Ein Single, der den Minimalbeitrag von fünf Euro im Monat einzahlt, kann nach 35 Jahren und durchschnittlicher Verzinsung mit 50 Euro Monatsrente rechnen. Verheiratete mit Kind kommen sogar auf mehr als 100 Euro. Für Gutverdiener lohnt sich die staatliche Vorsorge auch. Sie profitieren von Steuervorteilen, die die Zulagen deutlich überschreiten. Darum lohnt es sich für fast jeden, privat zu sparen.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.01.2008, Nr. 2 / Seite 45
Bildmaterial: ddp, dpa, F.A.Z.
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