03. Juli 2009 Im Gleichschritt mit den meisten anderen großen Weltbörsen ist auch der deutsche Aktienmarkt zuletzt wieder etwas ins Trudeln geraten. So hat sich der Dax mit aktuell 4.688 Punkten wieder etwas deutlicher von dem Anfang Juni aufgestellten Jahreshoch bei 5.144 Punkten verabschiedet.
Charttechnisch gesehen ist der Markt damit in gefährliches Terrain vorgedrungen. Denn im Bereich von 4.681 Punkten befinden sich neben der 200-Tage-Linie auf noch andere wichtige Unterstützungen. Sollten diese unterschritten werden, könnte dies als Schulter-Kopf-Schulter-Formation interpretiert werden. Laut den Analysten von HSBC Trinkaus würde daraus dann ein kalkulatorisches Abschlagspotential von rund 500 Punkten resultieren.
Ifo-Uhr im Rezessionsbereich rät zum Aktienkauf …
Dieser prekären charttechnischen Bestandsaufnahme steht ein ermutigendes fundamentales Kriterium in Form des ifo-Index gegenüber. Denn wie die Analysten von Commerzbank Corporates & Markets in einer historischen Rückbetrachtung herausgefunden haben, zahlte es sich in früheren Konjunkturzyklen regelmäßig aus, deutsche Aktien zu kaufen, wenn die Ifo-Konjunktur-Uhr eine Rezession anzeigte. Und genau das ist noch immer der Fall. Die Ifo-Erwartungen sind zwar bereits sechsmal in Folge von 77,0 auf zuletzt 89,5 gestiegen, liegen aber weiterhin unter dem 15-Jahres-Durchschnitt von 96,4.
Wie Commerzbank-Analyst Andreas Hürkamp in einer Untersuchung herausgearbeitet hat, fielen die Ifo-Erwartungen im Juni 2009 unter ihren 15-Jahresdurchschnitt von 96,4, und die Ifo-Konjunkturuhr sprang auf Abschwung. Fünf Monate später, im November 2008, sank dann auch die Einschatzung der aktuellen Lage unter den 15-Jahresdurchschnitt von 96,1, womit die Ifo-Uhr eine Rezession signalisierte (siehe Grafiken).
Hürkamp kommentiert dazu: Der Ifo-Investor ist ein antizyklischer Investor, da die 12-Monatsperformance des Dax im Bereich Rezession deutlich besser war als im Bereich Boom. Von Januar 1996 bis Mai 2008 signalisierte die Ifo-Uhr 166 Monate und somit in 33 Prozent der Fälle eine Rezession. Kaufte man in diesen Monaten den Dax, erzielte man im Durchschnitt auf Sicht von sechs Monaten ein Plus von 6,5 Prozent und nach zwölf Monaten einen Gewinn von 16,4 Prozent.
… Konsolidierungen deshalb zum Kauf nutzen
In 83 Prozent der Rezessions-Monate folgte für den Dax eine positive 12-Monatsperformance. Dagegen war die Ifo-Konjunktur-Uhr seit 1966 in 169 Monaten oder 33 Prozent der Zeit im Bereich Boom. In diesem Bereich konnte der DAX durchschnittlich lediglich 2,4 Prozent in sechs Monaten und 2,6 Prozent in zwölf Monaten zulegen. Nur in 53 Prozent der Boom-Monate folgte für den Dax eine positive 12-Monatsperformance.
Wie Hürkamp weiter erläutert, kauft der Ifo-Investor im aktuellen Zyklus seit Ende November 2008 den Dax, als die Ifo-Konjunktur-Uhr in den Rezessionsbereich fiel. Ende November kaufte der Investor den Dax bei 4.669 Punkten, im Dezember bei 4.810 Punkten, im Januar bei 4.338 Punkten, im Februar bei 3.844 Punkten, im März bei 4.085 Punkten, im April bei 4.769 Punkten, im Mai bei 4.941 Punkten und im Juni bei 4.808 Punkten. Der durchschnittliche Dax-Einstiegskurs des Ifo-Investors liegt damit derzeit bei 4.533 Indexpunkten.
Damit spricht die Erfahrung dafür, inmitten schlechter Realdaten und Gewinnwarnungen Aktienpositionen aufzustocken, solange die Ifo-Konjunkturuhr im Rezessionsbereich liegt, fasst Hürkamp die historische Datenlage zusammen. Er rät deshalb dazu, in den kommenden Monaten weiterhin Dax-Konsolidierungen von fünf bis zehn Prozent zum Kauf deutscher Aktien zu nutzen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: Commerzbank