25. Juni 2009 Der Blick auf die Rendite verdeckt leicht das Gefühl für das Risiko, das Anleger mit einer Geldanlage eingehen. Dabei ist es eine Grundregel: Jede Rendite, die über die Verzinsung einer zehnjährigen Bundesanleihe hinausgeht, birgt größere Risiken als diese festverzinsliche Geldanlage.
Derzeit werfen zehnjährige Schuldtitel der Bundesregierung eine Rendite von 3,4 Prozent ab. Aktienfonds sollten deshalb zurzeit jährlich mehr abwerfen als 3,4 Prozent, um das höhere Risiko zu rechtfertigen, das diese Produkte zwangsläufig mit sich bringen.
Beachtliche Wertentwicklung
Unter den besten 15 Fonds in unserer Rangliste finden sich fast ausschließlich Fonds, die ihren Anlageschwerpunkt auf China, den Fernen Osten oder allgemein auf Schwellenländer legen. Zwar haben sich die großen Schwellenbörsen wie Schanghai in dieser Krise erstaunlich gut geschlagen.
Doch gehen Anleger auf diesen Märkten recht hohe Risiken ein. Auf Drei-Jahres-Sicht, die unserer Auswahl zugrunde liegt, erzielen die 15 besten Fonds Renditen von mehr als 10 Prozent, was angesichts des heftigen Kurssturzes im vergangenen Jahr ein beachtliches Ergebnis ist. Doch sagt diese Betrachtung nichts über die Entwicklung in der Zukunft aus.
Die Kunst der Risikomessung
Das Risiko wird an den Finanzmärkten anhand der Volatilität gemessen. Dieses Konzept hat Nachteile, denn es misst nur die Anfälligkeit eines Fonds - oder auch eines anderen Finanzinstruments - im Hinblick auf Preisschwankungen. Somit schlägt sich auch ein rasanter Kursanstieg in einer höheren Volatilität und somit als erhöhtes Risiko nieder. Vielen Anlegern wäre es lieber, direkt die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes zu erfassen. Doch solche Konzepte basieren zwangsläufig auf Hypothesen über die künftige Entwicklung, während die Betrachtung der Volatilität allein vergangene und somit gesicherte Daten berücksichtigt.
Das Risiko wird anhand der Standardabweichung gemessen. Diese statistische Größe hatte der englische Naturforscher und Verwandte Charles Darwins, Sir Francis Galton, Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Die in unserer Tabelle genannte Standardabweichung misst die Streuung der einzelnen Preise eines Fonds um ihren Mittelwert. Je höher die Standardabweichung, desto stärker sind die beobachteten Fondspreise um ihren Mittelwert gestreut - nach oben und nach unten. Eine solche Schwankungsanfälligkeit gilt in der Finanzmathematik als Signal für eine erhöhte Rückschlagsgefahr.
Die geheimnisvolle Sharpe-Ratio
Noch genauer lässt sich das Risiko einer Fondsanlage anhand der Sharpe-Ratio erfassen. Sie geht von der Rendite aus, die mit einem Fonds über die Rendite einer risikolosen Geldanlage in Bundesanleihen hinaus erzielt wurde. Diese durchschnittliche Überrendite wird dann in Verhältnis zur Schwankungsanfälligkeit eines Fondspreises, gemessen anhand der Standardabweichung, gesetzt.
Je höher die Sharpe-Ratio, die in unserer Rangliste angegeben wird, desto besser hat sich der betreffende Fonds in Bezug auf das eingegangene Risiko entwickelt. Im negativen Bereich jedoch ist die Sharpe-Ratio nicht aussagekräftig, da dann ein höheres Risiko zu einer weniger negativen, heißt: besseren Sharpe-Ratio führte.
Wäre unsere Rangliste nach der Sharpe-Ratio sortiert, ergäbe sich eine völlig andere Rangfolge. Dies zeigt, wie wenig ein Blick auf die Rendite allein genügt, um kluge Anlageentscheidungen zu treffen. Der Traum vieler Anleger von risikolosen Höchstrenditen hat sich jedenfalls bisher noch nie erfüllt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.