Ökofonds im Test

Nicht alles ist grün

25. März 2008 Mit gutem Gewissen Geld verdienen: Ökofonds liegen im Trend. Doch viele Papiere setzen neben ökologischen auch soziale oder ethische Schwerpunkte. Selbst Unternehmen wie Lufthansa oder Toyota haben ihren Platz im Portfolio. Finanztest hat 62 Anlagekonzepte von internationalen Ökofonds untersucht und gibt einen Überblick.

Keine einheitliche Linie

Wind- und Wasserkraft oder Solarenergie - die meisten Anleger vermuten vor allem Unternehmen aus dieser Branche in einem Ökofonds. Doch damit liegen sie nicht immer richtig.

Denn Ökofonds haben ganz unterschiedliche Anlageziele. So landen auch Papiere von Unternehmen im Portfolio, die Wert auf ethische Prinzipien legen oder sozial verantwortlich handeln. Für Anleger ist es daher wichtig, sich vor einem Kauf genau über das Konzept des Fonds zu informieren.

Finanztest hat die Anlageziele von 62 Aktienfonds untersucht, die auch ethische, soziale oder ökologische Anlagegrundsätze berücksichtigen. Der Testkompass (siehe Infografik) zeigt die Top-Ten dieser Fonds mit Finanztest-Bewertung. Alle 62 untersuchten Öko-Aktienfonds mit Bewertungszahlen und detailliert aufgeführten Anlagekriterien finden Anleger in Finanztest 04/2008.

Automobilindustrie und Luftfahrt

In den meisten grünen Fonds haben Atomkraft und Gentechnik in der Landwirtschaft nichts zu suchen. Doch bei anderen Branchen sind die Fondsmanager nicht so streng. Aktien aus der Automobilindustrie und der Luftfahrt finden sich in vielen Ökofonds.

Dazu gehören beispielsweise die Dow Jones Sustainabilitiy Indizes (DJSI, siehe unten) der SAM Group aus Zürich. Sie wählt für ihre Nachhaltigkeitsindizes Unternehmen, die in ihrer Branche eine Vorreiterrolle spielen. So laste die Lufthansa ihre Maschinen besser aus als andere Fluggesellschaften und Toyota habe das erste serienmäßig verkaufte Hybridauto auf den Markt gebracht.

Selbst der französische Ölkonzern Total ist im Portfolio. Laut SAM entwickelt der Konzern saubere Treibstoffe, fördert neue Energien und nimmt eine Vorreiterrolle ein, was die Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeiter am Arbeitsplatz angeht.

Härtere Auslese

Viele Anleger wünschen sich aber eine härtere Auslese. Das zeigt auch das Ergebnis einer Online-Umfrage von Finanztest aus dem vergangenen Sommer: Von 1632 Befragten waren 64 Prozent der Meinung, dass Firmen der Öl- und Autobranche nicht in einen Ökofonds gehören - selbst wenn sie vergleichsweise sauber arbeiten.

Auch Firmen, die ihr Geld mit der Produktion von Waffen oder Zigaretten verdienen oder Kinderarbeit zulassen, haben nach Ansicht vieler Ökoanleger nichts in derartigen Fonds zu suchen. Hier zeigt sich: Öko ist eigentlich nicht der richtige Begriff, vielmehr handelt es sich in diesen Fällen um ethische Ausschlussgründe.

Ökoindizes

Neben Aktien und Fonds gibt es auch einige Ökoindizes. Sie geben eine Aktienauswahl vor, auf die sich Fonds und Zertifikate stützen. Zu diesen gehören:

• Dow Jones Sustainability World Index. Die ausgewählten Firmen müssen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Sicht eine Vorreiterrolle spielen.

• Naturaktienindex. Ein Anlageausschuss wählt Firmen aus, die in ökologischer, sozialer oder ethischer Hinsicht herausragen.

• ÖkoDax. Dieser Index von der Deutschen Börse umfasst zehn Werte der Branchen Sonnen-, Wind- und Bioenergie.

• PPVX. Der Solaraktienindex PPVX ist ein Gemeinschaftsprodukt der Zeitschriften Öko-Invest (Wien), herausgegeben von Max Deml, und Photon (Aachen). Der Index umfasst die 30 größten Solarwerte der Welt.

Spitzenreiterfonds Pioneer Global Ecology

Mit einer Finanztest-Bewertung von 77,1 Punkte ist der Pioneer Global Ecology ein „stark überdurchschnittlicher“ Fonds. Er führt die Top-Ten der untersuchten Fonds an.

Für Manager Zimmermann sind Anlagen in Alkohol, Glücksspiel, Tabak und Rüstung tabu. Die Auto- oder Flugzeugindustrie sind aber erlaubt, ebenso wie Aktien von Firmen, die mit Atomkraft ihr Geld verdienen.

Trotzdem ist die Bezeichnung „Ecology“ nach Ansicht der Fondsgesellschaft Pioneer berechtigt. Laut Verkaufsprospekt soll der Fonds für mindestens zwei Drittel seines Vermögens Aktien von Unternehmen kaufen, die umweltfreundliche Produkte oder Technologien herstellen oder dazu beitragen, dass die Umwelt sauberer und gesünder wird. Das seien Anforderungen, wie sie im Kriterienkatalog für Ökofonds zu finden sind. Sie gelten aber nicht für alle Papiere, die der Fonds kauft.

Tipps

Auswahl. Wenn Sie ein globales und verantwortungsvolles Investment wünschen, gibt es für Sie zwei „stark überdurchschnittliche“, weltweit anlegende Ökoaktienfonds: Pioneer Global Ecology und Swisscanto Green Invest. Beide Fonds sind besser als zahlreiche herkömmliche Aktienfonds Welt.

Erneuerbare Energien. Wenn Sie in erster Linie in erneuerbare Energien investieren wollen, sollten Sie Umwelttechnologiefonds wählen. Der beste ist der Sarasin Multi Label New Energy.

Junge Fonds. Viele Umwelttechnologiefonds sind erst in jüngster Zeit aufgelegt worden, weshalb Finanztest die Qualität dieser Fonds noch nicht beurteilen kann. Legen Sie nur einen kleinen Teil Ihres Geldes dort an. Eine Übersicht über die Anlagespektren dieser Fonds finden Sie in Finanztest 04/2008.

Der Text und die Tabelle wurden von unserem Kooperationspartner „Stiftung Warentest“ erstellt. Die vollständigen Informationen sind kostenpflichtig unter test.de abzurufen.



Text: Finanztest
Bildmaterial: AFP, F.A.Z.

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.340 +13,99 -7,56
Andere 7.987 +4,77 +0,00
Derivative 53 +0,01 -1,87
Geldmarkt-/nahe 247 +4,56 -3,16
Gemischte 224 +5,99 -0,13
Renten 1.463 +5,04 -3,08
Quelle: Morningstar
Finden
NamePunkteProzent
Dax 7.081,05 -0,03
TecDax 861,39 -0,41
DowJones 12.957,16 +0,46
Nasdaq 2.520,87 +0,97
STOXX 50 3.854,86 -0,07
Nikkei 225 14.251,74 +0,94
S&P 500 Zert. 14,07 -0,50
Euro/Dollar 1,54 -0,14
Bund Future 113,45 -0,19
Gold 880,15 +1,70
Öl 122,91 +0,72
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