Investmentfonds

Dachfonds vor dem großen Sprung

08. November 2007 Das Anlagekonzept von Dachfonds, die dem Anleger die Suche nach dem richtigen einzelnen Investmentfonds abnehmen, hat sich in den vergangenen drei Jahren durchgesetzt. Inzwischen wird hierzulande schon ein Vermögen von über 50 Milliarden Euro in diesen Produkten verwaltet. Nach anfänglichen Kinderkrankheiten, als die ersten Dachfonds kurz vor der Jahrtausendwende aufkamen, haben die meisten Anbieter den Nachweis erbracht, dass sie ihrer Kundschaft durchaus einen Mehrwert bieten können.

Die Commerzbank-Fondsgesellschaft Cominvest hat kürzlich die Wertentwicklung global investierender Dachfonds mit gleichartigen Aktienfonds verglichen. In den vergangenen fünf Kalenderjahren lagen Dachfonds kontinuierlich über der durchschnittlichen Wertentwicklung der Aktienfonds - trotz der höheren Kostenbelastung, weil Gebühren sowohl auf der Dachfonds- und auf der Einzelfondsebene fällig werden. Auch die Bandbreite vom besten bis zum schlechtesten Fonds war nicht so weit wie bei den einzelnen Aktienfonds - was die Argumentation der Dachfonds stützt, mit einer breiten Streuung das Risiko für den Anleger zu verringern.

Mittlerweile auch in Ranglisten dabei

Die Spitzenprodukte schaffen es inzwischen schon in die gängigen Fondsranglisten. So finden sich in unserer aktuellen Übersicht der Mischfonds mit der besten Wertentwicklung in den vergangenen drei Jahren mit dem C-Quadrat Arts Total Return Dynamic und dem Deka-Struktur Chance zwei Dachfonds. Die Fondsmanager des C-Quadrat-Fonds aus Österreich genießen dabei die Freiheit, ohne vorgegebene Gewichtungen in Aktien-, Renten- und Geldmarktfonds ihre Anlageentscheidungen treffen zu können. Angestrebt wird ein längerfristiger Wertzuwachs über alle Marktphasen hinweg. In den vergangenen drei Jahren wusste das Fondsmanagement den Spielraum offensichtlich zum Wohle der investierten Anleger zu nutzen. Der Deka-Dachfonds aus der Sparkassen-Finanzgruppe ist auf Aktienfonds fokussiert.

Stieg in den vergangenen Jahren die Akzeptanz von Dachfonds in der Anlegerschaft, so kommt mit der inzwischen verabschiedeten Einführung der Abgeltungssteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag auf sämtliche Kapitaleinkünfte von 2009 an ein weiteres Argument hinzu. Auch nach diesem Zeitpunkt fallen nämlich innerhalb eines Dachfondsportfolios keine Steuern auf Kursgewinne an. Bei einem Einstieg vor 2009 bleibt also ein möglicher Veräußerungsgewinn mit Dachfonds nach der üblichen Spekulationsfrist von zwölf Monaten steuerfrei. Lediglich die ausgeschütteten Erträge müssten dann nach den heute geltenden Regeln auch künftig versteuert werden.

Hohe Erwartungen an das Geschäft

In den nächsten Monaten ist mit größeren Verschiebungen in den Depots der Anleger in Vorbereitung auf die Abgeltungssteuer zu rechnen. Dachfonds dürften davon besonders profitieren. Wie hoch die Erwartungen an das Geschäft sind, wird an den Gerüchten deutlich, die derzeit in der Branche kursieren. Da ist von 700 Zulassungsanträgen für neue Dachfonds die Rede, die derzeit bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) liegen sollen. Manche sprechen sogar von 1.000 Anträgen. Ein Anruf bei der Aufsichtsbehörde lässt solche überdrehten Größenordnungen aber auf Normalmaß schrumpfen. Die Zahlen entsprächen nicht einmal ansatzweise der Wirklichkeit, sagte eine Sprecherin.

Zweifellos werden aber Vermögensverwaltungen, die auf Fonds basieren, in den kommenden Monaten tätig werden. Bisher war gerade für kleine und mittelgroße Beratergesellschaften wegen der Spekulationsfrist eine Fondshülle um ihre Kundendepots unnötig. Durch den Wegfall der Einjahresfrist könnten nun die Kosten für die Auflegung eines Dachfonds plötzlich gut angelegtes Geld sein.



Text: F.A.Z., 08.11.2007, Nr. 260 / Seite 24
Bildmaterial: FAZ.NET

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