Von Christian Hiller von Gaertringen
25. Juni 2009 Anleger achten beim Kauf von Investmentfonds gern auf die Rendite. Fondsmanager dagegen messen ihren Erfolg auch am Volumen, das ihr Fonds erreicht. In diesem Punkt sollten Privatanleger es den Fondsprofis gleichtun, wenn auch aus anderen Gründen. Denn die Leistungsfähigkeit eines Fonds nimmt tendenziell ab, wenn er eine bestimmte Größe überschritten hat.
An solch einer kritischen Schwelle steht nun der französische Erfolgsfonds Carmignac Patrimoine. Der Fonds habe ein Volumen von 10 Milliarden Euro erreicht, teilte die Fondsgesellschaft Carmignac Gestion mit. Besonders bei deutschen Anlegern ist der Fonds beliebt, da er trotz der Finanzkrise in den vergangenen drei Jahren eine Wertsteigerung von insgesamt 8,9 Prozent erreichte. Carmignac sieht in dem großen Fondsvolumen einen Vertrauensbeweis: Das Überschreiten der 10-Milliarden-Euro-Grenze ist von strategischer Bedeutung, da es eine dauerhafte Verpflichtung darstellt, heißt es dort. Doch tatsächlich steigt die Gefahr, dass der Fonds Opfer seines eigenen Erfolgs wird.
Wertentwicklung ließ nach
Sobald ein Fonds eine bestimmte Volumengrenze überschritten hat, werden wir vorsichtig, sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der Vermögensverwaltung SJB Fondsskyline in Korschenbroich bei Düsseldorf. Lange habe ihm der Carmignac Patrimoine gut gefallen, weil er sich gut entwickelte und ein Stabilitätsfaktor in den Portefeuilles der Kunden war. Nun korrigiert SJB etwas diese Einschätzung. Zwar empfiehlt Bennewirtz seinen Kunden nicht, den Carmignac-Fonds zu verkaufen. Doch er macht deutlich: Der Patrimoine ist zurzeit nicht unsere wichtigste Position. Die Erfahrung lässt viele Vermögensverwalter und Kundenberater bei zu groß gewordenen Fonds zurückhaltend werden. Denn die Beispiele, dass große Fonds in der Wertentwicklung nachlassen, sind zahlreich.
So zählte der Fidelity European Growth zeitweise zu den größten Aktienfonds der Welt und setzte Maßstäbe in der Branche. Anfangs war er auf mittelgroße und kleinere Werte an den europäischen Aktienmärkten spezialisiert. Doch je mehr Anlegergeld dem Fonds zufloss, desto schwerer fiel es den Fondsmanagern, in diese oft engen und illiquiden Märkte zu investieren. Der Fonds musste sich den Schwergewichten an der europäischen Börse öffnen. Daraufhin ließ die Wertentwicklung nach.
Flaggschiff-Fonds
Auch der DWS Vermögensbildungsfonds I wurde ein Opfer seines Erfolgs. Seine große Zeit hatte er 1997 bis 2000, als Fondsmanager Klaus Kaldemorgen, der heute zusätzlich die Geschäfte der DWS führt, Anleger, Bankberater und Finanzvertriebe mit einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung begeisterte. Die Mittel flossen dem Fonds nur so zu: Das Volumen stieg von etwa 10 Millionen Euro auf aktuell rund 4,2 Milliarden Euro. Mit dem Erfolg normalisierte sich die Wertentwicklung - es stieg die Vergütung. Anfangs kostete der Fonds rund 0,4 Prozent. Heute liegt die Gebühr beim Dreifachen, bei 1,45 Prozent. Denn für ein gefragtes Produkt kann die Fondsgesellschaft leichter höhere Gebühren durchsetzen, die auf die Rendite drücken.
Beruhigend für den Anleger ist, dass große Vorzeigeprodukte - Flaggschiff-Fonds im Branchenjargon - auch stets höchste Aufmerksamkeit seitens der Fondsgesellschaft genießen. Das ist der Vorteil von Flaggschiff-Fonds: dass die Fondsgesellschaften alles daransetzen, die Wertentwicklung hoch zu halten, sagt Bennewirtz.
Bisher galt der Carmignac Patrimoine als erfolgreiche Ausnahme
Problematisch ist jedoch ein Phänomen, das in der Branche unter dem Stichwort Market Impact diskutiert wird. Damit ist gemeint, dass Dispositionen des Fondsmanagers umso stärker durchschlagen, je größer der Fonds und je enger der Markt ist. Dann muss der Manager beim Einstieg in einen Wert immer bedenken, wie er wieder aussteigen kann. Wenn ich kaufe, ist der Markt immer liquide, sagt ein Fondsanalyst. Aber wenn ich verkaufen will, vor allem wenn viele das wollen, sieht das oft anders aus. Das kann recht schnell gehen, hat Fondsexperte Bennewirtz beobachtet: Der Fidelity European Growth war im Herbst 2005 mit Abstand der größte Türkei-Fonds der Welt. Dabei hatte er nur 1,1 Milliarden Euro des Fondsvermögens von 20,6 Milliarden Euro an der Börse Istanbul investiert.
Vor allem von dieser Seite drohen dem Carmignac Patrimoine Risiken. Der Fonds ist nicht auf ein bestimmtes Anlagethema spezialisiert, sondern verfolgt das Konzept, möglichst frei die Anlagechancen dort zu suchen, wo Edouard Carmignac sie vermutet. Damit hängt der Erfolg des Fonds ohnehin stark von der Person des Fondsmanagers ab. Doch mit wachsender Größe des Fonds wird Edouard Carmignac zusehends in der Wahl seiner Investments eingeschränkt. Das drückt fast zwangsläufig auf die Rendite. Bisher galt der Carmignac Patrimoine als erfolgreiche Ausnahme. Nun muss er zeigen, ob er es auch in dieser Größe bleibt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Carmignac Gestion, FAZ.NET
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 249,72 € | +220,95% |
| Earth Exploration Fund UI | 44,23 € | +176,11% |
| HSBC GIF Brazil Equity AC | 34,26 $ | +155,66% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 44,40 € | +149,46% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 43,81 € | +147,87% |
| Bankhaus Donner TA Japanische Aktien | 91,44 € | −9,30% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,94 € | −11,31% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,69 € | −11,55% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 82,98 € | −16,79% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,40 € | −17,61% |
| Gesamt- Index |
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Durchschnitt 200 Tage |
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|---|---|---|---|
Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
1405,08 | 1350,70 | 1296,93 |
Performance-Index23.12.2009 17:35 |
309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
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