Kreditkarten

Schuldenfalle inklusive

Von Nadine Oberhuber

Kreditkarten können tückisch sein

Kreditkarten können tückisch sein

05. Mai 2008 Es klingt nach einer Räuberpistole. Schließlich heißt sie ja auch so ähnlich, die „Revolving Credit Card“. Mal angenommen, jemand würde Sie fragen, ob Sie sich ein Konto zulegen würden, von dem Sie wissen, dass es niemals ein Guthaben ausweisen wird, sondern mit dem Sie immerzu nur Miese machen. Dafür zahlen Sie dann aber Monat für Monat satte Überziehungszinsen bis zu 25 Prozent zahlen ohne die Aussicht, jemals ins Plus zu kommen.

Das würde kein Mensch machen? Doch. Sogar mehr, als man denkt. Denn die Banken tarnen das gut - und haben auf diese Weise in Deutschland schon ein paar hunderttausend Revolving-Kreditkarten verkauft.

Verlockende Werbung

Es sollen noch weit mehr werden, wünscht sich die Branche. Denn der Wettbewerb zwischen den Anbietern ist hoch. Rund 400 Kartenanbieter buhlen auf dem Kreditkartenmarkt um Kunden. Jeder vierte Bundesbürger hat statistisch gesehen schon eine Kreditkarte im Geldbeutel. Doch nur ein Zehntel aller bargeldlosen Umsätze läuft über die Karten. Das bringt den Anbietern entsprechend wenig ein. Deshalb hat die Branche nun die Revolving-Karte entdeckt, um den Kunden das Shoppen auf Kredit deutlich schmackhafter zu machen.

So, wie die Finanzbranche die Idee verkauft, klingt sie auch verlockend: Im Gegensatz zu normalen Kreditkarten, die das Geld recht bald vom Girokonto einziehen, böten die Revolving-Kreditkarten nämlich „echten Kredit“. Der kann dann 500 Euro betragen oder auch 10.000 Euro. Je nach Vertrag. Über welchen Zeitraum der Kunde diesen Kleinkredit zurückzahle und in welchen monatlichen Teilbeträgen, bestimme er selbst. So könne er einfach und bequem per Karte einkaufen und dabei besonders bei großen Anschaffungen „flexible Rahmenkredite“ ausnutzen. So zumindest werben die Anbieter.

Kauf für Kauf ins Minus

Das funktioniert so: Anders als bei normalen Kreditkarten werden die einzelnen Abbuchungen nicht zunächst gesammelt und erst am Ende des Monats oder des Quartals in einer Summe vom Girokonto abgebucht. Vielmehr werden die fälligen Beträge sofort auf dem dazugehörigen Kreditkartenkonto verbucht. Das rutscht also gleich ins Minus und bei jedem Einkauf noch ein Stückchen weiter.

Gleicht der Karteninhaber das Konto innerhalb einer bestimmten Frist aus - üblich sind zum Beispiel 20 Tage -, kostet ihn der Kurzfristkredit nichts. Lässt er sich jedoch länger Zeit oder stottert er das Geld in Schüben ab, weil er sich ein Möbelstück oder ein Sportgerät angeschafft hat, dessen Preis ein Monatsgehalt locker übersteigt, dann muss er Zinsen berappen.

Die Einstiegsdroge

Und zwar nicht zu knapp: Während die günstigeren Anbieter rund 15 Prozent Sollzinsen pro Jahr erheben - was bereits viel ist -, lässt sich ein Anbieter wie Advanzia den Kurzkredit mit 19,9 Prozent bezahlen. Hebt der Kunde mit der Karte eine Bargeldsumme ab, schlägt Advanzia sogar 25,9 Prozent Zinsen auf. Das ist mehr als üppig.

Der schwache Trost, mit dem die Anbieter locken: Dafür falle bei der Revolving-Karte im Gegensatz zur üblichen Master- oder Maestro-Karte keine Jahresgebühr an. Und der Kunde bekomme jederzeit neuen Kredit für neue Käufe nachgeladen, wenn er einen Teilbetrag getilgt hat - daher auch der Name „Revolving“.

Auf diese Weise funktionieren die Revolving-Karten wie eine Einstiegsdroge in den Dauerkredit - und zwar in einen besonders teuren. Die Anbieter nutzen nur die Trägheit der Konsumenten aus. Sie hoffen, dass die ihre Konten nicht rechtzeitig ausgleichen, und kassieren sie dann mit üppigen Zinsen ab. Denn in vielen Fällen sind Kleinkredite deutlich günstiger als die Karten. Sie sind schon für sechs Prozent Jahreszins zu haben.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP

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