09. November 2009 Eines rechnen uns Fondsvergleiche gut und gerne vor: Wie sich unser Geld vermehrt. Wie aus einem eingezahlten Betrag über die Jahre immer mehr geworden ist. Statistiken reden noch davon, dass mit einer Anlage in Aktienfonds im Schnitt sechs oder sieben Prozent Rendite zu machen sind. Pro Jahr. Erst recht, wenn man über lange Zeit auf Fonds setzt.
Das tun auch viele Anleger - alle, die Fondssparpläne haben. Denen aber rechnet so gut wie niemand vor, wie sich das Monat für Monat - in guten wie in schlechten Börsenzeiten - eingezahlte Geld in all den Jahren wirklich entwickelt hat. Aus guten Gründen. Zum einen ist es sehr kompliziert, die Entwicklung von Sparplänen durchzurechnen. Schließlich erwirbt der Kunde nicht zum Stichtag X einen Fondsanteil im Wert von Y Euro. Sondern er zahlt jeden Monat zum Beispiel 100 Euro ein und bekommt dafür eine stets schwankende Zahl an Fonds, je nachdem, bei welchem Kurs die gerade notieren.
Auf kurze Sicht ein windiges Geschäft
Zum anderen bleibt oft weniger Rendite übrig, als alle denken. Das Mantra der Fondsanbieter lautet ja: Das Sparen lohne sich umso mehr, je tiefer die Kurse sind. Denn dann kauft der Anleger besonders viele Anteile, die später alle rasant im Wert steigen können. Können. Sie tun es nicht immer.
Der BVI, der Bundesverband Investment und Asset Management, hat gerechnet. Er hat ausgewertet, wie die beliebtesten Fonds als Sparpläne über Jahre abgeschnitten haben - und zwar bei einer Sparrate von 100 Euro im Monat, 1200 Euro im Jahr. Was daraus wurde, nach Abzug sämtlicher Kosten der Fondsgesellschaften, ist detailliert aufgelistet. Und die Zahlen lassen einen ein paar Grundsätze überdenken, an die wir bisher alle so gern glaubten.
Die auffallendste Botschaft ist: Auf kurze Sicht sind Fonds ein sehr windiges Geschäft. Nun ist das nicht gerade überraschend, da jeder Anleger wissen sollte, dass gerade Aktienfonds den schwankenden Börsen unterliegen. Dennoch überrascht das Ausmaß: So schafften es 85 Prozent der Aktienfonds mit internationalem Fokus und sogar 99 Prozent mit europäischem, dass Anleger nach zehn Jahren Sparphase Geld verloren hatten. Die schlechtesten drei Fonds haben von 12 000 gesparten Euro nicht einmal die Hälfte übrig gelassen. Nur ein einziger Fonds mit europäischer Ausrichtung schaffte es, das Geld zu vermehren. Die anderen kamen auf eine Minusrendite von 2,2 Prozent - pro Jahr.
30 Jahre sollten es schon sein
Nun fielen zwar in diese zehn Jahre auch zwei große Börsencrashs, der um die Jahrtausendwende und der von 2008. Aber: Auch über 20 Jahre war das Ergebnis vieler Fonds nicht positiv. Gut ein Drittel der europäischen Aktienfonds schaffte es gerade mal, das Geld zu erhalten. Im Schnitt warfen die Europafonds etwa zwei Prozent ab. Ein Drittel der internationalen lag nach 20 Jahren sogar immer noch im Minus. Im Klartext: Jeder Anleger, der sein Geld 20 Jahre auf dem Tagesgeldkonto geparkt hätte, hätte deutlich mehr auf dem Konto.
Wie lange also muss man einen Fondssparplan bestücken, damit am Ende wirklich die - immer wieder zitierte - gute Aktienrendite abfällt? Die Antwort ist: 30 Jahre sollten es schon sein.
Erst über diese Zeit gab es keinen Fonds, der es nicht schaffte, das Geld zu vermehren. Manchen gelang es sogar, aus 36 000 angesparten Euro 100.000 zu machen. Tatsächlich lagen die Ergebnisse der Depots bei Aktienfonds im Schnitt bei 86.000 Euro. Sie erzielten also einen Gewinn von 50 000 Euro für den Sparer. Europäische Fonds lagen sogar noch deutlich darüber. Am allerbesten liefen diejenigen mit deutschen Aktien. Von denen knackte sogar jeder dritte die 100.000-er-Marke. Im Durchschnitt erreichten sie eine Rendite von 6,99 Prozent im Jahr.
Verwelkter Lorbeer
Da würde niemand mehr behaupten, dass sich Fondssparen nicht lohnt. Doch sind das alles Vergangenheitsbetrachtungen. Niemand weiß, ob es sich auch in den kommenden 30 Jahren genauso auszahlen wird, deutsche Fondsanteile zu horten. Oder ob die nicht längst an ihre Grenze geraten sind.
Aber mit jedem Stern, der verblasst, glüht irgendwo schon ein neuer. Richtig gute Renditen erzielten Fondssparer selbst in den letzten zehn Jahren, indem sie auf die richtigen Regionen setzten: Schwellenländer-Fonds kamen im Schnitt auf 5,24 Prozent Rendite. Osteuropafonds legten sogar 8,87 Prozent zu. Und mit Branchenfonds für Rohstoffe und Energie ließen sich immerhin 4,32 Prozent machen.
Am Ende gilt vielleicht eine neue Weisheit: Bisher galt Kaufen und Liegenlassen als clevere Strategie. Könnte aber sein, dass sich regelmäßiges Wechseln künftig deutlich mehr lohnt.
So verspricht Fondssparen mehr Erfolg
1. Dranbleiben. Das Praktische am Fondssparen ist, dass man jeden Monat einen Betrag einzahlt, aber den Vertrag flexibel anpassen und notfalls sogar aussetzen kann. Das regelmäßige Sparen aber ist langfristig von Vorteil. Anleger sollten daher nicht versuchen, durch geschicktes Timing oder gezieltes Aussetzen die Performance gerade in turbulenten Börsenzeiten zu verbessern. Das gelingt selten.
2. Gut verteilen. Auch beim Fondssparen gilt die alte Börsenregel: Nicht alles auf eine Karte setzen. Wer monatlich größere Beträge einzahlt oder das Geld lange arbeiten lassen will, sollte sich nicht nur auf einen Fonds konzentrieren, sondern möglichst breit streuen. Zumindest sollte er je einen Aktien- und einen Rentenfonds besparen.
3. Aber alles aus einer Hand. Wer mehrere Fonds bespart, sollte das bei nur einer Fondsgesellschaft oder einem Vermittler tun. Das spart Gebühren. Denn bei den meisten von ihnen können Anleger ihr Geld kostenlos von einem Fonds in den nächsten umschichten. Bei Banken zahlen Anleger dafür jedesmal den Ausgabeaufschlag, der beim Fondsneukauf fällig wird.
4. Kontrolle ist gut. Fondsmanager setzen sich zwar zum Ziel, langfristig besser zu sein als der Vergleichsindex. Das heißt aber, dass sie gewagter investieren müssen, um das zu schaffen. Daher gilt: Einmal im Jahr ins eigene Depot gucken, wie der Fonds läuft, was die Konkurrenz macht, und auf dieser Basis notfalls entscheiden, ob man wechseln sollte.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z., Valentine Edelmann
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 250,02 € | +219,88% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 43,46 € | +162,76% |
| Earth Exploration Fund UI | 43,46 € | +161,34% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 42,88 € | +161,15% |
| SEB Russia Fund | 8,80 € | +153,71% |
| Hornet Renewable Energy Fund II | 48,13 € | −8,62% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,91 € | −12,20% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,59 € | −12,74% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 83,32 € | −15,76% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,37 € | −17,76% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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