Börsen

„Den alten Dax-Rekord werden wir in diesem Jahr nicht mehr sehen“

Der Dax ist vorläufig nicht mehr rekordverdächtig

Der Dax ist vorläufig nicht mehr rekordverdächtig

27. Juli 2007 An den Aktienmärkten herrscht die Angst. Der Dax hat nach seinem Rekord bei 8.151 Punkten binnen zwei Wochen fast zehn Prozent eingebüßt.

Der Chef der Fondsgesellschaft DWS, Klaus Kaldemorgen, rechnet nicht mehr mit den alten Höchstständen in diesem Jahr. Zugleich warnt er die Anleger davor, sich jetzt fluchtartig aus Aktien zu verabschieden.

Herr Kaldemorgen, an den Finanzmärkten fallen die Aktienkurse Tag für Tag, es herrscht Angst. Wie geht es weiter?

DWS-Chef Klaus Kaldemorgen

DWS-Chef Klaus Kaldemorgen

Wenn Sie mich das vor drei Tagen gefragt hätten, wäre es einfacher gewesen. Da hätte ich gesagt: nach unten. Jetzt, nachdem wir schon zehn Prozent eingebüßt haben, ist es schwieriger, Öl ins Feuer zu gießen.

Heißt das: Die Mini-Baisse ist zu Ende? War das alles nur eine kurzfristige Delle und wir jagen jetzt wieder neuen Rekorden nach?

Wir haben sicher keinen Bärenmarkt. Aber so schnell können wir wohl nicht wieder zur Tagesordnung übergehen. Wir haben jetzt ein Niveau, das der neuen Situation angemessen ist.

Was ist die neue Situation?

Es ist übersehen worden, dass Liquidität knapper geworden ist. In der Vergangenheit war der Blick auf die Risiken zu stark verstellt. Jetzt kommt ein wenig die Ernüchterung, die Risikoprämien werden wieder angemessener. Einige Übernahmen werden jetzt noch mal überdacht werden.

…die die Börsen in den letzten Wochen und Monaten getrieben haben.

Ja. Für die Investmentbanken wird das dritte Quartal schwierig.

Und die Subprime-Krise? Sind die problematischen amerikanischen Hypothekenkredite eine Gefahr für die Finanzmärkte oder nicht?

Viele Anleger verdrängen das gerne - wer will sich schon die Party vermiesen lassen. Die Subprimes sind derzeit eingepreist, und der amerikanischen Wirtschaft steht kein Absturz bevor, sondern ein soft landing, glauben viele. Andererseits wissen selbst Ratingagenturen wie Moody's nicht, wo die Risiken liegen und wie hoch sie sind - und das ist schon bezeichnend, denn die müssten es eigentlich wissen.

Sie bleiben skeptisch?

Ich sehe schon eine Ansteckungsgefahr von Amerika aus für die Wirtschaft in Europa. Schließlich ist der Ifo-Konjunkturindex zum dritten Mal in Folge gesunken.

Was heißt das für die Anleger?

Man sollte sich nicht fluchtartig aus Aktien verabschieden, das wäre falsch. Aber man sollte sein Depot jetzt stärker absichern, zum Beispiel mit Optionen, und Risikopuffer einbauen. Außerdem gilt es zu beachten, dass die Schwankungsbreite der Kurse, also die Volatilität, größer geworden ist. Davon kann man mit den entsprechenden Finanzinstrumenten profitieren.

Welche Branchen sind empfehlenswert?

Subprime-Opfer: Zentrale des Hypothekenfinanzierers New Century Financial.

Subprime-Opfer: Zentrale des Hypothekenfinanzierers New Century Financial.

Bei den Versicherungen gibt es sicherlich Kaufgelegenheiten. Manche sind abgestraft worden als gäbe es kein Morgen mehr. Dabei haben sie in ihren Portfolios bei weitem nicht mehr solche Risiken wie noch im Jahr 2000. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von acht sind diese Unternehmen sicher sehr günstig bewertet. Auf der anderen Seite wäre ich mit klassischen Industrietiteln vorsichtig. Eine MAN-Aktie ist bei Kursen von mehr als 100 Euro nicht mehr günstig.

Der Dax - Ihre Prognose?

Der Index dürfte sich bei 7500, 7600 Punkten stabilisieren. Das ist eine gute Basis bis in den Herbst hinein.

Die alte Rekordmarke von 8151 ist also erst einmal passe?

Die werden wir in diesem Jahr wohl nicht mehr sehen.

Und nach unten? Sind die 7000 sicher?

Das hängt davon ab, ob irgendwas passiert, was einen aus dem Bett fallen lässt. Aber das kann heute keiner vorhersagen.

Das Gespräch führte Thiemo Heeg.



Text: @tih
Bildmaterial: AFP, dpa, FAZ.NET

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