Aktienmakt-Analyse

Annäherung an China hilft der Börse in Taiwan

15. Mai 2009 Die Kreditkrise fordert über den eingebrochenen Welthandel von den exportorientieren Nationen mit den größten Tribut. Sehr zu leiden unter dieser Entwicklung hat auch Taiwan. Der Inselstaat, der etwa 80 Prozent aller Laptop-Computer herstellt und in dem mit TSMC und UMC die beiden weltgrößten Mikrochip-Hersteller beheimatet sind, ist traditionell sehr exportabhängig. Brechen die Ausfuhren weg, ist es traditionell schlecht um die Wirtschaft bestellt.

Das Bruttoinlandsprodukt brach im vierten Quartal 2008 schon um rund acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein. Und wenn am 21. Mai die Zahlen für das erste Quartal bekannt gegeben werden, befürchten die Volkswirte von Goldman Sachs für die ersten drei Monate im Jahresvergleich ein Minus von 10,6 Prozent. Ohne zu übertreiben kann somit behauptet werden, dass Taiwan in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte steckt.

Wirtschaft soll 2010 wieder wachsen

Wegen der schwierigen Lage ist der Aktienindex TAIEX im Vorjahr in der Spitze vom Hoch um 59 Prozent abgestürzt. Doch zuletzt haben sich die Kurse wieder merklich berappelt und seit dem im November markierten Tief bei 4.090 Punkten hat der TAIEX bei aktuellen 6.489 Punkten schon wieder 59 Prozent zugelegt.

Erklären lässt sich der Anstieg wie an anderen Weltbörsen mit der Hoffnung auf eine mittelfristige konjunkturelle Erholung. Davon gehen auch die Volkswirte von Goldman Sachs aus, die für das Gesamtjahr 2009 zwar noch ein Schrumpfen der Wirtschaft um 7 Prozent vorhersagen, 2010 soll das Bruttoinlandsprodukt dann aber wieder um 3,5 Prozent steigen. Die Hoffnungen beruhen dabei neben einer expansiven Geldpolitik (die Notenbank hat den Leitzins auf ein Rekordtief von 1,25 Prozent gesenkt) auf den ergriffenen fiskalpolitischen Maßnahmen zur Konjunkturbelebung.

Viel Kursphantasie ist in den Markt aber auch über die von dem seit rund einem Jahr amtierenden Präsidenten Ma Ying-jeou eingeleitete Wiederannäherung an China gekommen. Denn 60 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs ist Tauwetter in die Handelsbeziehungen zwischen China und Taiwan eingekehrt. Chinesische Unternehmen dürfen erstmals wieder in Taiwan investieren, was ihnen seit der Abspaltung der Insel vom Reich der Mitte im Jahr 1949 verwehrt war.

China Mobile vereinbarte daraufhin bereits Ende April den Kauf einer Beteiligung von 29 Prozent am taiwanesischen Telekomanbieter Far EasTone Telecommunications Co. Es war das erste Investment eines staatlich kontrollierten chinesischen Unternehmens in Taiwan seit dem Ende des Bürgerkriegs vor sechs Jahrzehnten. Allgemein fehlt es zwar noch an Details, wie die weitere Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern aussehen soll. Aber die bereits erzielten Fortschritte schürten unter den Anlegern die Hoffnung, Taiwan könnte von der Öffnung zu China ebenso profitieren wie seinerzeit Hongkong.

Analysten optimistisch - Bewertung relativ anspruchsvoll

Geht es nach dem Willen der Analysten von Goldman Sachs, dann wird sich die Rally an Taiwans Aktienmarkt fortsetzen. Angesichts der verbesserten Wirtschaftsbeziehungen zu China werde das Börsenbarometer Taiex bis Jahresende voraussichtlich auf 7500 bis 9000 Zähler steigen, schrieb Stratege Timothy Moe in einer Studie. Auch andere Anlageexperten zeigen sich in Bezug auf taiwanesische Aktien zuversichtlich. Die schweizerische Bank UBS AG setzte für den Taiex Index die Zielmarke der nächsten zwölf Monate von 6000 auf 7500 Punkte hoch.

Ein Teil der erwarteten Kursgewinne dürfte dabei auch auf der Annahme basieren, dass nicht nur der Tourismus einen Boom erleben wird, sondern dass auch viele Anlagegelder von China nach Taiwan fließen werden. Zumindest verspricht das die Aussage von Hao Kang, Auslandshandel bei ICBC Credit Suisse Asset Management in Peking: „Derzeit können wir noch nicht direkt in den taiwanesischen Aktienmarkt investieren. Aber sobald dies möglich wird, werden wir es sicherlich tun.“

Wer wegen der genannten Faktoren an einen anhaltenden Kursaufschwung setzt, für den hat unter anderem die Royal Bank of Scotland mit dem MSCI Taiwan Open End Zertifikat (Isin NL0000331429) ein passendes Produkt im Angebot. Wer investiert, sollte bei aller derzeit vorherrschender Euphorie nicht vergessen, dass Börsen keine Einbahnstraßen sind, auch wenn die Anlagestorys noch so gut klingen, Und ein Schnäppchen ist der Markt auch nicht mehr unbedingt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18 das sich auf Basis der für 2009 erwartete Gewinne ergibt.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: CEIC, GS Global ECS Research, DBS Group Research, F.A.Z.

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