Anlagetaktik

Versicherung gegen Kursverluste - gewusst wie!

Börsianer neigen grundsätzlich zum Optimismus. Nach Kursverlusten neigen sie rasch dazu, die schlechte Stimmung als Kurstief zu deuten und Aktienkäufe zu empfehlen. Immerhin seien die Wertpapiere günstiger geworden und im Vergleich mit den Zinsen gar richtig attraktiv.

Solche Argumente sind allerdings mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Denn wenn Aktien schon massive Kurseinbußen verbucht haben, so heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen könnten, wenn es dafür gute Gründe gibt.

Es gibt genügend kritische Faktoren

Angesichts der andauernden Immobilien- und Kreditkrise, der konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten sowie der hohen Energie- und Rohstoffkosten und der Verzerrungen am Devisenmarkt lassen sie sich problemlos finden. Zusammen genommen dürften diese Faktoren die wirtschaftliche Entwicklung weltweit bremsen und die Gewinnentwicklung der Unternehmen über steigende Kosten und sinkende Nachfrage zumindest im Durchschnitt schmälern.

Aus diesen Gründen kann es ratsam sein, selbst auf dem aktuellen Niveau noch über Absicherungsstrategien nachzudenken, besonders wenn man noch keine implementiert haben sollte. Das Problem ist, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Strategie zu finden.

Wer sofort alles verkauft, verzichtet auf Kursgewinne, wenn der Markt nach oben dreht und die Kurse rasch steigen. Ähnliches gilt für die Lösung Nummer zwei: das Plazieren von Stopp-Loss-Aufträgen im Markt. In diesem Fall wird das entsprechende Wertpapier automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft, sobald der Kurs eine festgelegte Schwelle erreicht hat. Hier besteht die Schwierigkeit darin, die richtige „Kursschwelle“ festzulegen und „zu pflegen“, also regelmäßig anzupassen. Liegt sie zu eng am Markt, kann ein kurzes „Abtauchen“ der Aktie den Verkaufsauftrag auslösen. Zieht sie danach gleich wieder an, hätte der Anleger nicht nur zu einem ungünstigen Kurs verkauft, sondern müsste auch noch auf die weiteren Kursgewinne verzichten. Legt er die Schwelle hingegen zu weit weg, muss er vergleichsweise hohe Kursverluste hinnehmen, bis die „Schutzfunktion“ greift. Aus diesem Grund ist ein sensibles Händchen bei der Aufgabe solcher Orders nötig. Der Anleger sollte das übliche Handelsvolumen und die Volatilität des Papiers berücksichtigen.

Verkaufsoptionen wirken wie eine Versicherung - Prämie gegen Schutz

Eine dritte Absicherungsvariante ist der Kauf von Verkaufsoptionen. Sie geben dem Anleger gegen Zahlung einer Prämie das Recht, das betrachtete Wertpapier beziehungsweise einen Wertpapierkorb zu einem bestimmten Kurs - dem gewählten Ausübungspreis - zu verkaufen oder die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Ausübungspreis einzustreichen. Verkaufs- oder Putoptionen sind in diesem Sinne vergleichbar mit einer Versicherungspolice: Der Anleger erwirbt gegen die Zahlung einer Prämie ein Verkaufrecht - ohne Verpflichtungen einzugehen. Puts können entweder in Form von Optionsscheinen oder in standardisierter Form an Terminbörsen wie der Eurex, der Liffe oder der CBOE gekauft werden.

Als vierte Variante wird immer wieder einmal auch der Kauf von Volatilitätszertifikaten empfohlen. Nähmen die Kursschwankungen zu, so sollten sie an Wert gewinnen heißt es. Allerdings zeigt der Blick auf ein konkretes Beispiel, wie es von Goldman Sachs mit der Isin DE000GS0DVD5 angeboten wird, dass die Anleger damit bisher nur mit viel Glück Geld verdienen konnten. Faktisch läuft der Kurs seit der Ausgabe des Zertifikats im Trend nach unten - gut für den Emittenten und schlecht für den Anleger.

Die fünfte Möglichkeit ist „das Spiel“ mit Futures, Futures-ähnlichen Zertifikaten oder Hebelzertifikaten. Futures sind nichts anderes als standardisierte Terminkontrakte auf einen Index, eine Währung, Rohstoffe oder andere Werte und Güter. Der Anleger kann sie verkaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren ohne sein Wertpapierdepot auflösen zu müssen. Fällt der Markt tatsächlich, kann er am Terminmarkt das gewinnen, was seine Papiere an Wert einbüßen - zumindest dann, wenn er das richtige Verhältnis zwischen Terminkontrakt und Depot ausgetüftelt hat.

Profis agieren dynamisch

Der Vorteil von Futures und Optionen ist: Sie in der Regel recht liquide sind, Anleger müssen aufgrund der Hebelwirkung nur begrenztes Kapital einsetzen und sie sind oft günstig zu handeln. Es gibt zwar immer mehr Zertifikate, die ähnliches möglich machen. Allerdings ist es alles andere als einfach, aufgrund der Intransparenz rasch das richtige Instrument zu richtigen Zeit zu finden. Es ist dringend nötig, die Details im Kleingedruckten genau zu betrachten. Denn neben möglichen Knock-Out-Schwellen, die das Papier wertlos machen können, spielen die Anbieter recht gerne auch mit den Zinsen und sonstigen Faktoren - zum Nachteil des Anlegers.

Es gibt auch Ausnahmen. Zum Beispiel das X-pert Zertifikat der Deutschen Bank mit der Isin DE000DB2SRT5. Damit können Anleger eins zu eins und ohne Laufzeitbegrenzung und sogar ohne Managementgebühr an den Kursbewegungen des ShortDax-Index teilhaben, der wiederum ein negatives Spiegelbild des Dax ist.

Insgesamt bieten sich damit für den Fall der Fälle genügend Möglichkeiten, sich gegen fallende Kurse abzusichern. Professionelle Anleger tendieren dazu, dynamisch zu agieren: Sie verkaufen bei fallenden Kursen immer mehr Futures - und kaufen sie nach und nach zurück, nachdem der Markt gedreht hat. Über die Anzahl der ge- oder verkauften Kontrakte können sie ihr Marktrisiko modifizieren, ohne die Grundstrategie ihres Wertpapierdepots zu verändern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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