07. September 2006 Indiens Aktienmarkt schießt wieder nach oben. Der wichtigste Index, der Sensex 30, hatte nach einer phänomenalen Rally Anfang Mai ein Rekordhoch von mehr als 12.600 Zählern erreicht. In nur einem Monat aber stürzten die Kurse unter 9.000 Punkte - Anleger mußten ein Minus von 30 Prozent in nur vier Wochen verkraften.
Doch jetzt nimmt der Sensex wieder Kurs auf die Marke von 12.000 Zählern, die Verluste sind fast wieder wettgemacht. Mit dem Markt entwickeln sich auch die Aktienfonds nach oben. Auf der S&P-Rangliste der besten Aktienfonds liegen Indien-Fonds mit einem Plus von durchschnittlich neun Prozent auf Monatssicht ganz oben.
Zwischen 7,2 und 12,5 Prozent in nur vier Wochen
Das größte Plus mit 12,5 Prozent verbuchte in den vergangenen vier Wochen der Magna India Fund (Isin IE00B0LWCH53). Selbst der auf diese Sicht schlechteste Fonds, der Meinl India Growth (AT0000495429), weist einen Wertzuwachs von 7,2 Prozent auf (siehe auch FAZ.NET-Tabelle und FAZ.NET-Service: Tops & Flops Aktienfonds). Von seinem Rekordhoch ist der Magna India Fund allerdings wesentlich weiter entfernt als der Sensex.
Wer wieder auf Indien setzen will, sollte eher die Fonds unter die Lupe nehmen, die schon einige Jahre am Markt sind und sich bewährt haben. Sechs in Deutschland zugelassene Fonds sind seit mehr als fünf Jahren in Indien aktiv. Ihnen kann man zugute halten, daß sie nicht erst in der jüngsten Schwellenländer-Euphorie gegründet wurden.
HSBC-Fonds auf Sicht von fünf Jahren vorne...
Vorne liegt auf Sicht von fünf Jahren der HSBC GIF Indian Equity (LU0066902890) mit einem Plus von 320 Prozent in Euro. In Dollar hat sich der Wert eines Fondsanteils sogar mehr als verfünffacht. Auch dieser Fonds hinkt aber in jüngster Zeit dem Sensex hinterher, hat ihn auf Sicht von fünf Jahren dennoch deutlich abgehängt.
Die Fondsgesellschaft verlangt 5,54 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent Verwaltungsgebühren im Jahr. Das Management verwaltet etwa 4,5 Milliarden Dollar und setzt vor allem auf Industrieunternehmen (20,2 Prozent), Grundstoff-Titel (15,5 Prozent) und Technologie-Werte (13,8 Prozent).
... JP-Morgan-Fonds auf Sicht von drei Jahren
Auf Sicht von drei Jahren wird das HSBC-Produkt noch vom JF India Fund von JP Morgan (LU0058908533) geschlagen. Euro-Anleger können sich hier über ein Plus von 168 Prozent in drei Jahren freuen, der HSBC-Fonds kommt auf 155 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren aber liegt der JF India Fund mit 216 Prozent Wertzuwachs nur auf Rang drei.
Der JP-Morgan-Fonds ist mit 3,2 Milliarden Dollar kleiner als das HSBC-Produkt. Die Manager haben 7,6 Prozent der Gelder in den größten Wert Infosys investiert. Eine noch größere Rolle als IT-Titel (16,8 Prozent) spielen wie beim HSBC-Fonds Aktien von Industrieunternehmen (18,4 Prozent). Neben einem Ausgabeaufschlag von 5,0 Prozent muß sich der Anleger auf 1,5 Prozent Verwaltungs- und Beratungsgebühr, 0,6 Prozent für operative und administrative Aufwendungen und eine Rücknahmegebühr von 0,5 Prozent einstellen.
Indiens Aktienmarkt ist ambitioniert bewertet
Beide Fonds schnitten auf lange Sicht deutlich besser ab als ihr Referenzindex, waren ihre Gebühren also wert. Beim indischen Aktienmarkt, der doch ein ganz anderes Hintergrundwissen erfordert als die etablierten westlichen Märkte, scheint für die meisten Privatanleger ohnehin ein Fonds-Investment empfehlenswert und nicht der Kauf von Einzeltiteln.
Bleibt die Frage, ob man sein Geld wieder mit gutem Gewissen in Indien parken kann. Anleger dürfen nicht vergessen, daß der Markt vergleichsweise ambitioniert bewertet ist. Der Sensex handelt nach Bloomberg-Daten derzeit mit einem KGV von 21,7. Auf dem Rekordhoch im Mai betrug das KGV etwa 25, zwischenzeitlich war es wieder auf 16 gesunken. Zum Vergleich: Der Dax hat derzeit ein KGV von 12.
Die Blase hat sich schnell wieder gefüllt
Die hohe Bewertung läßt sich zumindest zum Teil damit erklären, daß die Gewinnaussichten erstens gut sind und zweitens im Sensex Technologiewerte dominieren, die an der Börse in der Regel höher bewertet werden als Aktien von Unternehmen aus anderen Branchen.
Trotzdem: Günstig sind Indiens Aktien nicht mehr. Kurz vor der scharfen Korrektur im Mai und Juni warnten viele Beobachter vor einem Platzen der Blase am indischen Markt. Doch hatten wohl die wenigsten damit gerechnet, daß sich - um im Bild zu bleiben - die Blase so schnell wieder füllt.
Nichts für nervöse Anleger
Es kann auf jeden Fall nicht schaden, abzuwarten, wo der jüngste Spurt des Sensex enden wird. Kann er das Rekordhoch auf Anhieb einstellen, ist charttechnisch wieder Luft nach oben. Gelingt das nicht, ist Skepsis angebracht. Dann dürfte sich auf dem Rekordniveau ein Widerstand etablieren, der nicht so leicht zu überwinden sein wird.
Langfristig dürfte Indiens Wirtschaft und damit der Aktienmarkt zu den Gewinnern der Globalisierung gehören. Kurzfristig aber sind weiter enorme Schwankungen möglich - die genannten Fonds sind daher nichts für nervöse Anleger.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @bemi
Bildmaterial: AP, FAZ.NET
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 254,97 € | +220,53% |
| HSBC GIF Brazil Equity AC | 35,85 $ | +159,22% |
| STABILITAS - PACIFIC GOLD+METALS P | 93,17 € | +147,75% |
| Earth Exploration Fund UI | 43,29 € | +145,81% |
| FORTIS L FUND Equity Indonesia C | 153,24 $ | +142,51% |
| SIRIUS FUND - JAPAN OPPORTUNITIES Retail Alpha (CHF) | 74,09 SFr. | −11,44% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,87 € | −12,31% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,53 € | −14,09% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 82,33 € | −16,30% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,27 € | −18,46% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index16.12.2009 13:00 |
1389,17 | 1345,55 | 1288,84 |
Performance-Index16.12.2009 13:50 |
306,61 | 297,26 | 282,00 |
Euro-Aktien-Index16.12.2009 13:50 |
143,97 | 140,77 | 129,39 |
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