Total und Absolute Return

Auch Return-Fonds rutschen ins Minus

21. Juni 2006 Günter Netzer als Dit-Werbeträger hat sie populär gemacht in Deutschland: Total- oder Absolute-Return-Fonds, die unabhängig von der Marktlage absolute Renditeziele anstreben. Die Branche hat sich noch nicht abschließend geeinigt, was unter diesem Label eigentlich zu verstehen ist (siehe auch: Return-Fonds: Oft Garantieprodukte im neuen Gewand). Doch das scheint nur die wenigsten zu stören, immerhin hat Oppenheim Pramerica vor wenigen Tagen verkündet, mit dem „Global Absolute Return OP“ ein neues Produkt auf den Markt zu bringen.

So viel immerhin scheint klar: Selbst im ungünstigsten Fall soll mindestens das investierte Kapital erhalten bleiben. In guten Börsenzeiten verzichtet der Anleger durch die konservative Anlagestrategie auf einen besonders hohen Wertzuwachs, in schlechten Marktphasen dagegen ist sein Geld sicherer als in aggressiveren Fonds.

Auch die Return-Fonds liegen meist im Minus

Das vergangene Jahr bedeutete für Anleger, die auf Total- oder Absolute-Return-Fonds setzten, eher magere Kost: 2005 lag die Wertentwicklung bei den meisten dieser Produkte zwischen null und drei Prozent. Das ist schade, denn die Börsen liefen weltweit ordentlich nach oben.

Nun gut, mag sich der Anleger denken, wenn meine Rendite dafür auch in schlechten Börsenzeiten stabil und gesichert ist, ist eine unterdurchschnittliche Performance in schlechten Zeiten zu verkraften. Der Blick auf eine Auswahl von Fonds, die sowohl in Aktien als auch in Rentenpapiere investieren, zeigt aber, daß die jüngste Korrektur an den Märkten auf Sicht von drei Monaten die meisten Anlagevehikel ins Minus gedrückt hat (siehe FAZ.NET-Tabelle).

Das klingt ein bißchen nach Hedgefonds

Das ist nicht dramatisch, schließlich sollen die Fonds nicht ständig im Plus liegen. Auf Sicht von zwölf Monaten sollte aber ein Ertrag bleiben, sonst ist das Konzept nichts wert. Darum wird es interessant sein zu beobachten, wie sich die Wertentwicklung der Fonds am Jahresende darstellt.

Besonders spannend wird es beim neuen Fonds von Oppenheim Pramerica. Bei diesem betont die Fondsgesellschaft nämlich ausdrücklich: „Durch den Einsatz von Swaps, Futures, Termingeschäften und anderer Finanzinnovationen lassen sich auch in stagnierenden oder fallenden Märkten lukrative Wertzuwächse erzielen.“ Das klingt schon ein bißchen nach Hedgefonds und nicht nur nach dem geschickten Mix aus Aktien und Rentenpapieren plus Absicherung für extreme Marktlagen, den die meisten anderen Fonds anstreben.

Höchstens fünf Prozent Minus beim Activest-Fonds

Wer sich die Fondsinformationen ansieht, erkennt Unterschiede in der Ausrichtung der Fonds: Der „Activest TotalReturn Wachstum C“ etwa kann neben Rentenpapieren bis zu 30 Prozent in Aktien und 15 Prozent in Commodity-Papiere investieren. Größter Wert im Portfolio ist denn auch der „Activest Commodities“, also ein Rohstoff-Fonds der eigenen Gesellschaft. Das können Anleger durchaus kritisch sehen. In seinem Sinne wäre dieses Vorgehen nur, wenn das Activest-Produkt tatsächlich das beste in seiner Fonds-Kategorie wäre.

Ein Risikomanagement-System soll das Verlustpotential des Activest-Anlegers auf fünf Prozent im Kalenderjahr begrenzen. Hier gibt das Management also offen und ehrlich zu, daß es einen Wertzuwachs nicht garantieren kann.

Dit-Fonds als einziger kurzfristig im Plus

Das Management des „Dit Absolute Return Allocation“ investiert laut Fondsinformation in geldmarktnahe Anlagen sowie in die „aussichtsreichsten Marktsegmente“ aus den Bereichen Aktien, Renten und Währungen. Auch die Beimischung von Edelmetallen und Rohstoffen ist möglich. Viel mehr ist über die Strategie nicht zu erfahren.

Keine zwei Prozent Wertzuwachs in einem Jahr - das ist natürlich schon enttäuschend. Doch immerhin ist der Dit-Fonds der einzige der ausgewählten, der auf Sicht von drei Monaten ein leichtes Plus verbuchen kann.

Short-Positionen beim JPM-Fonds

JP Morgan steuert das Risiko des „Global Return Fund“ mit Short-Positionen auf Aktienindexfutures. Diese machten Ende April fast 40 Prozent des Portfolios aus. Mehr als die Hälfte des Fondsvermögens ist auf dem Geldmarkt investiert. Die größte Aktie im Portfolio ist die italienischen Bank Unicredito, gefolgt von General Electric und United Technologies.

Diese Strategie hat sich bisher ausgezahlt: Der Fonds liegt mit einem Plus von 9,25 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten mit Abstand vorne. Das Minus von 1,77 Prozent auf Sicht von drei Monaten ist zwar nicht ohne, aber damit liegt der Fonds auch in diesem Zeitraum noch auf Rang drei.

Der Fortis-Fonds erreicht das Ziel nicht

Der „DWS Invest Total Return Flexible“ kann das Geld der Anleger je nach Marktlage frei in Aktien, Renten, Wandelschuldverschreibungen, Optionsanleihen und Genußscheine investieren, Vorgaben wie beim Activest-Produkt gibt es nicht. Aktien und Anleihen machen aktuell gut ein Viertel des Portfolios aus, 14 Prozent sind in Wandelanleihen, knapp fünf Prozent in Fonds investiert. Größter Wert ist die Aktie des Mutterhauses, der Deutschen Bank.

Beim „Fortis L Absolute Return Growth“ erfährt der Anleger auf der Website der Fondsgesellschaft auf den ersten Blick nur, daß der Fonds ein konkretes Performance-Ziel hat: vier Prozent brutto über dem Tagesgeldsatz. Dieses Ziel konnte das Management in jüngster Zeit nicht erreichen: Keine vier Prozent Wertzuwachs in zwölf Monaten, dafür ein Minus von 3,4 Prozent in den vergangenen drei Monaten.

Die erste wirkliche Prüfung für die Fonds

Zwei Dinge zeigt der Fonds-Vergleich: Erstens weiß der Anleger nicht, was sich hinter dem Label „Absolute Return“ oder „Total Return“ verbirgt. Die FAZ.NET-Tabelle läßt die Fonds außen vor, die sich auf Rentenpapiere beschränken. Trotzdem zeigt sich, daß die Fondsgesellschaften verschiedene Strategien unter dem gleichen Namen verkaufen: Die einen machen Vorgaben zur maximalen Aktienquote, die anderen erlauben Rohstoffinvestments und Währungsspekulationen, wieder andere lassen dem Management offenbar völlig freie Hand. Der Anleger muß also selbst prüfen, welche Strategie ihm entgegenkommt.

Zweitens stehen die Fonds jetzt vor ihrer ersten wirklichen Prüfung: Wenn die Kurse steigen, kann jeder Geld verdienen. Weitaus schwieriger ist das in Märkten, die seitwärts oder gar nach unten laufen. Weil die meisten Return-Fonds noch keine drei Jahre alt sind, haben sie ihr Versprechen, auch in einem schwierigen Markt einen Ertrag erwirtschaften zu können, bisher noch nicht einlösen müssen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa/dpaweb

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.017 +8,92 -9,18
Andere 5.504 +6,10 -2,68
Derivative 49 +0,25 -1,35
Geldmarkt-/nahe 226 +5,70 -2,42
Gemischte 246 +6,47 -0,54
Renten 1.330 +6,95 -2,91
Quelle: Morningstar
Finden
NamePunkteProzent
Dax 6.127,44 -2,42
TecDax 761,19 -4,17
DowJones 11.220,96 +0,29
Nasdaq 2.255,88 -0,14
STOXX 50 3.185,83 -2,72
Nikkei 225 12.212,23 -2,75
S&P 500 Zert. 12,28 -3,08
Euro/Dollar 1,44 +0,00
Bund Future 115,28 +0,12
Gold 814,40 +1,44
Öl 104,17 -3,09
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