Anlagetaktik

Absicherungsstrategien - für den Fall der Fälle

Limits sind ratsam

Limits sind ratsam

Die Stimmung an den internationalen Börsen war bisher gut, die Trends zeigten nach oben und selbst die Bewertungen schienen weitere Kursgewinne denkbar zu machen. Auch wenn sie mit Blick auf die Cashflows weniger attraktiv waren, als unter Berücksichtigung der ausgewiesenen Gewinne. Denn die Umstellung der Bilanzierungspraxis auf IFRS-Standards führte zu einer gewissen optischen Schönung.

Auf der anderen Seite kann die Entwicklung des amerikanischen Wachstums schon zu denken geben. Immerhin sind die Raten in den vergangenen Quartalen deutlich gesunken und die jüngsten Daten über die Auftragseingänge sehen auch nicht sonderlich ermutigend aus. Manche Strategen rechnen aufgrund der Folgeeffekte eines schwachen Häusermarktes in den kommenden Monaten gar mit einer Rezession.

Absicherungsstrategien können nie schaden

Das ist wäre sonderlich gutes Vorzeichen für die Unternehmensgewinne. Insofern können Absicherungsstrategien nicht schaden. Eine erste, radikale Lösung wäre der Verkauf sämtlicher Positionen. Das Problem ist, dafür den richtigen Zeitpunkt zu finden, ebenso für einen späteren Wiedereinstieg. Wer verkauft und der Markt steigt weiter, verzichtet auf Kursgewinne.

Ähnliches gilt für die Lösung Nummer zwei: das Plazieren von Stopp-Loss-Aufträgen im Markt. In diesem Fall wird das entsprechende Wertpapier automatisch zum nächstmöglichen Kurs verkauft, sobald der Kurs eine festgelegte Schwelle erreicht hat. Hier besteht die Schwierigkeit darin, die richtige „Kursschwelle“ festzulegen und „zu pflegen“, also regelmäßig anzupassen. Liegt sie zu eng am Markt, kann ein kurzes „Abtauchen“ der Aktie den Verkaufsauftrag auslösen. Steigt sie hernach wieder, hätte der Anleger nicht nur zu einem ungünstigen Kurs verkauft, sondern müsste auch noch auf die weiteren Kursgewinne verzichten.

Legt er die Schwelle hingegen zu weit weg, muss er vergleichsweise hohe Kursverluste hinnehmen, bis die „Schutzfunktion“ greift. Aus diesem Grund ist ein sensibles Händchen bei der Aufgabe solcher Orders nötig. Der Anleger sollte das übliche Handelsvolumen und die Volatilität des Papiers berücksichtigen.

Verkaufsoptionen wirken wie eine Versicherung - Prämie gegen Schutz

Eine dritte Absicherungsvariante ist der Kauf von Verkaufsoptionen. Sie geben dem Anleger gegen Zahlung einer Prämie das Recht, das relevante Wertpapier oder den Index zu einem bestimmten Kurs - dem gewählten Ausübungspreis - zu verkaufen oder die Differenz zwischen aktuellem Kurs und Ausübungspreis einzustreichen. Verkaufs- oder Putoptionen sind in diesem Sinne vergleichbar mit einer Versicherungsprämie. Der Anleger erwirbt nur ein Recht - ohne Verpflichtungen einzugehen. Puts können entweder in Form von Optionsscheinen oder in standardisierter Form an Terminbörsen wie der Eurex, der Liffe oder der CBOE gekauft werden.

Die vierte Variante ist der Kauf von Volatilitätszertifikaten, zum Beispiel mit der Isin DE000GS0DVD5. Denn sobald die Kurse nicht mehr im Trend steigen, sondern fallen, nimmt in der Regel die Volatilität deutlich zu und steigert den Wert des Zertifikats. Gerade bei solchen Produkten sind jedoch gezielte Gewinnmitnahmen zwingend, da die Volatilität mittelfristig stets zu einem Mittelwert zurückkehrt.

Die fünfte Möglichkeit ist „das Spiel“ mit Futures, Futures-ähnlichen Zertifikaten oder Hebelzertifikaten. Futures sind nichts anderes als standardisierte Terminkontrakte auf einen Index, eine Währung, Rohstoffe oder andere Werte oder Güter. Der Anleger kann sie verkaufen, um von fallenden Kursen zu profitieren ohne sein Wertpapierdepot aufzulösen. Fällt der Markt tatsächlich, kann er am Terminmarkt das gewinnen, was seine Papiere an Wert einbüßen - zumindest dann, wenn der das richtige Verhältnis zwischen Terminkontrakt und Depot ausgetüftelt hat.

Profis agieren dynamisch

Der Vorteil von Futures und Optionen ist, dass sie in der Regel recht liquide sind und Anleger auf Grund des so genannten „Leverage“ nur begrenzt Kapital einsetzen müssen. Es gibt immer mehr Zertifikate, die ähnliches möglich machen. Allerdings ist es empfehlenswert, die Details genau zu betrachten. Denn neben möglichen Knock-Out-Schwellen, die das Papier wertlos machen können, spielen die Anbieter recht gerne auch mit den Zinsen - zum Nachteil des Anlegers.

Insgesamt bieten sich damit für den Fall der Fälle genügend Möglichkeiten, sich gegen fallende Kurse abzusichern. Die entscheidende Frage ist, den richtigen Zeitpunkt zu finden. Professionelle Anleger tendieren dazu, dynamisch zu agieren: Sie verkaufen bei fallenden Kursen immer mehr Futures, um sie bei einem sich erholenden Markt wieder zurückzukaufen. Im steigenden Markt machen sie es gerade umgekehrt. Über die Anzahl der ge- oder verkauften Kontrakte können sie ihr Marktrisiko erhöhen oder reduzieren, ohne die Grundstrategie ihres Wertpapierdepots zu verändern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Einbruch, Feuer oder Blitzschlag - schützen Sie Ihr Hab und Gut gegen Schäden. Jetzt vergleichen!

Anlagestrategie

Kauf von Volatilität gegen unsicherere Zeiten

Spezial Die Stimmung unter Börsianern ist anhaltend positiv, Rekordkurse im Dax scheinen nur eine Frage der Zeit zu sein. Der Börsenzyklus ist aber schon weit fortgeschritten - es fehlt nur noch die Phase der allgemeinen Euphorie.

Optionsscheine

Depotschutz ist günstig geworden

Der Dax ist im Höhenrausch. Wer sich gegen einen drohenden Kursabsturz absichern will, kann zu Optionsscheinen greifen. Diese sogenannten Hebelpapiere sind zurzeit dank niedriger Volatilitäten günstig zu haben.

Anlagestrategie

Optionsscheine und Knock-outs gegen böse Überraschungen

Die Urlaubszeit steht vor der Tür. Damit auch Anleger ihre Ferien genießen können, sollten sie frühzeitig vorsorgen. Mit den richtigen Strategien und Finanzprodukten wie Optionsscheinen und Knock-outs können sie mögliche Kursverluste abfedern.

Finanzmärkte

Absicherungsstrategien gegen fallende Kurse

Auf Grund enttäuschender Nachrichten trübt sich die Stimmung an den Börsen ein. Das kann einerseits als Gegenindikator gewertet werden. Andererseits können Anleger darüber nachdenken, welche Optionen man im Fall der Fälle hat.

Geldanlage

So schützen Sie Ihr Depot im Urlaub

Sommertip: Depot crashfest machen

Börsenturbulenzen nehmen keine Rücksicht auf Ferien. Derzeit geht es auf der Kurstafel zwar wieder aufwärts, doch ob der Trend anhält, bleibt abzuwarten. Wer ruhig in den Urlaub fahren will, sollte sein Depot absichern.

Anlagetaktik

Stop Loss-Orders nach Volumen und Volatilität plazieren

Erfolgreiche Anleger zeichnen sich dadurch aus, daß sie Verluste vermeiden oder begrenzen. Ein gutes Mittel dazu ist die Verwendung von Stop-Loss-Aufträgen. Allerdings sollten sie geschickt plaziert werden.

Börsenlexikon

Verluste begrenzen - mit Stop-Loss-Order

Unzählige Anleger haben zu Zeiten der Börsen-Baisse viel Kapital verloren, weil sie nicht rechtzeitig ausgestiegen sind und Aktien trotz der Talfahrt gehalten haben. Dagegen helfen Stop-Loss-Orders.

Die Aktie

Clever gekauft ist halb gewonnen

Limits sind ratsam

Beim Kauf von Wertpapieren heißt es: gewußt wie. In unberechenbaren Finanzmärkten sind „Limits“ äußerst nützlich.

Charttechnik-Training

Wie funktionieren Stop-Loss-Orders?

Wichtiges Hilfsmittel: Die Stop-Loss-Order

Wer Aktien kauft, kennt die Angst vor Kursverlusten. Wie man diese begrenzen kann, erklärt Charttechniker Thomas Bopp.

Anlagestrategie

Die Darvas-Methode - tänzerisch zum Anlageerfolg

Mit Kursgewinnen von mehr als 400 Prozent in gerade einmal 18 Monaten verblüffte der ungarische Tänzer Nicolas Darvas in den 50-Jahren die Finanzwelt. Die verblüffend einfache Grundidee in Kurzfassung bei FAZ.NET.

Strategie

Depotabsicherung historisch preiswert

Die Stimmung an den Börsen ist gut, das zeigt sich alleine schon an den tiefen Volatilitäten. Sie könnten zur günstigen Absicherung von Aktiendepots genutzt werden, denn auch an den Börsen ist man vor „Tsunamis“ nie völlig sicher.

Finanzmarkt

„Schlafende“ Volatilität reizt zum Kauf von Puts

Die Volatilitäten an den Börsen sind sehr tief. Wer auf ihren Anstieg setzen möchte, kann eigentlich nur Puts kaufen. Erstens sind sie günstig, zweitens steigt die Volatilität nur richtig an, wenn es nach unten geht.

Devisenmarkt

Straddle - Spekulation auf Bewegung beim Euro

Das Euro-Dollar-Verhältnis konsolidiert. Kurzfristig ist unklar, in welche Richtung sich der Kurs bewegen wird. Wer mit einer starken Kursbewegung rechnet, kann einen Straddle kaufen. Eine Strategie mit Risiko.

Anlagestrategie

Spekulieren auf Volatilitäten

Spekulieren auf Volatilitäten erscheint immer wieder reizvoll. Doch es hat seine Tücken. Das fängt an bei der Richtungsbestimmung und endet mit der Wahl des geeigneten Produkts.

Zertifikate

Vol-Zertifikate sind selten „große Bringer“

Die Volatilität an den Börsen bewegte sich in den vergangenen Jahren vom extremen Hoch zum extremen Tief und wieder zurück. Zertifikate sind allerdings nur bedingt dazu geeignet, um darauf zu spekulieren. Das zeigt ein Beispiel.

Eurex

Gewinn- und Verlust bei Optionen

Die Tabelle zeigt die Gewinne und Verluste einer Kaufoption und einer Verkaufsoption bei Verfall. Der Ausübungspreis wurde bei 5.700 Punkten gewählt. Für die Optionsprämie wurden 100 Euro angenommen.

Eurex

"Versichern" mit einer Verkaufsoption

Option als “Versicherungsinstrument“

Auch gegen Börsenverluste kann man sich versichern. Optionen funktionieren zumindest nach demselben Prinzip.

Eurex

Mit Futures den Markt spielen

Futures sind flexible Instrumente

Will ein Anleger schnell auf Neuigkeiten reagieren, kann der Kauf von Aktien zu lange dauern. Futures sind dafür flexibel genug.

nach oben

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2009 Medienpartner: NZZ Online

Quellen: Technologie und Kursdaten von der TeleTrader Software AG sowie Fondsdaten aus der FWW-Fondsdatenbank, FWW GmbH. Dieser Service ist powered by X.finance GmbH & Co. KG, © 2009. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt.