Investmentfonds

China-Aktienfonds koppeln sich ab

24. Oktober 2007 Langfristig orientierte Investoren an den Schwellenmärkten dieser Welt dürfen sich in diesen Wochen wieder einmal bestätigt fühlen. Nachdem es im Sommer ganz danach aussah, als ob nach Jahren des kontinuierlichen Kursanstiegs eine Korrekturphase eintritt, haben die Schwellenländer viel rascher als die Industrieländer in den langfristigen Aufwärtstrend zurückgefunden.

Von einer wachsenden Risikoscheu in der Anlegerschaft im Zuge der sommerlichen Finanzkrise kann im Nachgang keine Rede mehr sein. Die Geschichte von den großen Profiteuren der Globalisierung ist intakt. Wer also kurzfristige Marktbewegungen ausblendete, fand sich schließlich auf der richtigen Seite wieder.

Schwellenländer-Aktienfonds entwickelten sich bisher prächtig

Wertzuwächse im zweistelligen Prozentbereich seit Jahresbeginn sind immer noch die Regel. Damit spielen die Schwellenmärkte längst in einer eigenen Liga. Die europäischen und amerikanischen Aktienmärkte sind inzwischen deutlich in den einstelligen Bereich zurückgefallen. Das spiegelt sich in unserer aktuellen Rangliste mit Aktienfonds wieder, die über die vergangenen Jahre eine überdurchschnittliche Wertentwicklung vorweisen können - ohne Berücksichtigung des gleichzeitig eingegangenen Risikos. Spezialisten für die Schwellenmärkte beherrschen das Bild. Nur ein paar Rohstofffonds können diese Phalanx derzeit noch brechen.

Es ist die Stunde der Fonds, die Anleger hierzulande allenfalls am Rande wahrnehmen. Der Investitionsgrad deutscher Anleger in den risikoreichen Nischenmärkten hält sich trotz der Bric-Modewelle in den vergangenen Jahren in Grenzen. Diese Fonds investieren schwerpunktmäßig in Brasilien, Russland, Indien und China - nach den Anfangsbuchstaben abgekürzt Bric - und haben in der Zwischenzeit durchaus ihre Existenzberechtigung nachgewiesen. Trotzdem macht die Absatzstatistik des Bundesverbandes Investment (BVI) deutlich, dass Aktienfonds unabhängig von ihrer Ausrichtung derzeit eher verkauft als gekauft werden. Unter dem Strich wurden 15 Milliarden Euro in den ersten acht Monaten dieses Jahres abgezogen. Mehr als zwei Drittel davon gehen zwar auf das Konto klassischer deutscher und europäischer Aktienfonds. Aber auch die Schwellenmarktfonds deutscher Anbieter konnten sich in diesem Zeitraum der Absetzbewegung nicht entziehen.

Der Blick auf die Bewertungen wird immer nervöser

Das Geschehen an den Schwellenmärkten ist allerdings auch vielen Börsianern nicht mehr geheuer. "Investoren teilen mit Blick auf die Bewertungen inzwischen verstärkt unsere wachsende Nervosität", stellten in dieser Woche die Aktienstrategen der britischen Bank HSBC fest. Tatsächlich hat in den vergangenen Tagen eine neue Korrekturbewegung eingesetzt. In der Vergangenheit hat sich eine solche Verlustphase am Ende immer noch als günstiger Einstiegszeitpunkt herausgestellt. Doch wie schnell Investoren an den Schwellenmärkten auf dem falschen Fuß erwischt werden können, macht nicht zuletzt die Standardabweichung der entsprechenden Aktienfonds vom historischen Mittelwert deutlich. Diese signalisiert, dass es nach Jahren des Kursaufschwungs auch rasch in die andere Richtung gehen kann.

Im Blick haben die Anlagestrategen dabei vor allem China. Seit geraumer Zeit führt der dortige Aktienmarkt nun schon ein Eigenleben. Selbst die sommerliche Finanzkrise schlug sich nicht einmal ansatzweise in einem schwächeren Markttrend nieder. Inzwischen ist es auch unter den grundsätzlich zu Optimismus neigenden Fondsmanagern Konsens, dass vor allem an den Inlandsbörsen eine Übertreibung stattfindet. Dort liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Gewinnschätzungen für dieses Jahr inzwischen bei 40. Selbst die in Hongkong mit einem Abschlag gehandelten chinesischen Aktien kommen immer noch auf knapp 20. Zum Vergleich: Im Deutschen Aktienindex liegt das KGV derzeit bei 13.

Text: sfu., F.A.Z., 25.10.2007, Nr. 248 / Seite 24
Bildmaterial: F.A.Z./Lipper

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