24. April 2008 Mit kräftig steigenden Aktienkursen haben die chinesischen Börsen am Donnerstag darauf reagiert, dass die Regierung die Stempelsteuer auf Aktientransaktionen senkte. Der Shanghai Composite Index verzeichnete den stärksten Zuwachs seit sechs Jahren. Damit erwiesen sich die Maßnahmen zur Stützung der zuletzt abrutschenden Börse durch die chinesische Regierung zumindest als kurzfristig erfolgreich.
Deutsche Fondsanleger litten in den zurückliegenden Monaten kräftig darunter, dass sich das Börsenumfeld in China zuletzt eingetrübt hat. Fonds mit dem Schwerpunkt auf chinesische Aktien haben in den vergangenen drei Monaten 17,6 Prozent ihres Werts eingebüßt, in den vergangenen sechs Monaten waren es sogar 37,5 Prozent.
Hohe Wertverluste für China-Fonds
So notierte der rund 300 Millionen Euro schwere Aktienfonds DWS China Ende Oktober noch bei etwa 423 Euro. Dass es sich von seinem Tiefstwert von 205,90 Euro in der Zwischenzeit auf rund 257 Euro erholt hat, ist für die Anleger ein schwacher Trost. Doch diese Wertentwicklung ist typisch für all die anderen China-Aktienfonds in den vergangenen Monaten.
Etwas weniger düster sieht die Wertentwicklung bei jenen Aktienfonds, die nicht nur in China, sondern auch an der Börse Hongkong anlegen. Deren Wert stürzte in den vergangenen drei Monaten um 13,5 Prozent und damit etwas weniger heftig als reine China-Fonds.
Positive Reaktionen auf Steuersenkung
Marktbeobachter wie James Liu von APS Asset Management in Schanghai werteten die Senkung der Stempelsteuer positiv. Für mich bedeutet das, die Regierung sorgt sich um die jüngsten Verluste an den Aktienmärkten, sagte Liu laut Bloomberg. Die Regierung in Peking hat den Satz der Stempelsteuer auf Aktiengeschäfte von 0,3 auf 0,1 Prozent reduziert.
Vor allem in den vergangenen Tagen gerieten die chinesischen Aktienmärkte stark unter Druck. Der Index der Börse Schanghai stürzte zum Teil um 50 Prozent unter den Rekordwert vom Oktober.
Schanghai-Index legt am Donnerstag kräftig zu
Am Donnerstag gewann der Schanghai-Index in der Spitze 9,6 Prozent. Dies war der höchste Anstieg seit dem 23. Oktober 2001. Die Aktien von Wertpapierhandelsgesellschaften und Versicherern verbuchten die stärksten Kursgewinne. So legten die Kurse von China Life Insurance und Ping An Insurance bis zum maximalen Tageslimit von 10 Prozent zu, Citic Securities gewann ex Dividende mehr als 9 Prozent.
Dennoch sitzen die Verwerfungen an den chinesischen Aktienmärkten tief. Die Gewinne der Unternehmen wachsen weniger schnell, eine Flut von Aktienneuemissionen lastet zusätzlich auf den Kursen. Von daher ist fraglich, ob eine Steuersenkung ausreicht, um den Trend tatsächlich wieder zum Besseren zu wenden.
Furcht vor schnell steigenden Preisen
Zusätzlich haben viele Anleger Furcht vor der Inflation in dem Land. Allein im März waren die Verbraucherpreise um 8,3 Prozent in die Höhe gegangen, vor allem wegen noch schneller steigender Preise für Nahrungsmittel. Damit erreichte die Teuerungsrate den höchsten Stand seit elf Jahren. Durch den ungewöhnlich harten Winter, der schwere Schneestürme brachte, hat sich das Angebot zusätzlich verknappt. Hinzu kommen schnell steigende Energiepreise.
Durch eine straffere Geldpolitik will die Regierung die Inflation in den Griff bekommen und die Konjunktur vor einer Überhitzung bewahren. Die Notenbank erhöhte schon mehrfach die Leitzinsen und verknappte die Liquidität, die sie den Banken zur Verfügung stellt.
Die Blase ist geplatzt
Fraglich ist jedoch, ob diese Maßnahmen greifen wie gewünscht, ohne das Gewinnwachstum der Unternehmen übermäßig zu bremsen. Seit Januar fallen die Aktienkurse. Der Index CSI-300, der die Kursentwicklung an den Handelsplätzen Schanghai und Shenzhen abbildet, gab seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent nach.
Die Blase ist geplatzt, sagt Fraser Howie, Mitautor des Buches Privatisierung in China: Die Aktienmärkte und ihre Rolle bei der Unternehmensreform. Es ist ein echter Rückschlag und nichts wird den Markt stoppen, weitere 10, 20, 30 Prozent nachzugeben.
Anleger, die jetzt noch in China-Fonds investiert sind, brauchen unter Umständen einen langen Atem. Der Ausblick für die Börsen Schanghai und Shenzhen verspricht auch in den kommenden Monaten ein für die Nerven der Anleger strapaziöses Umfeld. Daran ändern auch zwischenzeitliche Erholungen vorerst nichts.
Text: hlr.
Bildmaterial: AP, F.A.Z., FAZ.NET
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 3.334 | +13,29 | -1,95 |
| Andere | 8.038 | +5,36 | +0,00 |
| Derivative | 51 | +0,20 | -1,90 |
| Geldmarkt-/nahe | 247 | +4,26 | -1,71 |
| Gemischte | 223 | +4,88 | +0,04 |
| Renten | 1.463 | +4,71 | -1,49 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Aktien Brasilien | +13,29 |
| Aktien Norwegen | +12,33 |
| Aktien Kanada | +10,89 |
| Aktien Korea | -1,95 |
| Hedge Aktien | -1,90 |
| Geldmarkt/-nahe Fonds CHF | -1,71 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 7.156,55 | +1,07 |
| TecDax | 866,04 | +0,54 |
| DowJones | 12.986,80 | -0,05 |
| Nasdaq | 2.528,85 | -0,19 |
| STOXX 50 | 3.862,91 | +0,21 |
| Nikkei 225 | 14.219,48 | -0,23 |
| S&P 500 Zert. | 14,25 | +1,28 |
| Euro/Dollar | 1,56 | +0,00 |
| Bund Future | 113,46 | -0,09 |
| Gold | 902,30 | +0,27 |
| Öl | 124,13 | +0,99 |
