Von Thorsten Winter
06. März 2008 Die unfrohe Botschaft hallt noch nach: Im Februar mussten die Hessen für Verbrauchsgüter deutlich tiefer in die Tasche greifen als vor Jahresfrist. Um satte drei Prozent ist die Inflationsrate geklettert, wie das Statistische Landesamt ermittelt hat. Auch wenn die nur eine bestimmte Gruppe betreffenden Studiengebühren, die mit vier Zehnteln zu Buche schlugen, herausgerechnet werden, bleibt ein hoher Wert.
Wer tiefer in die Datensammlung der Wiesbadener einsteigt, findet die wahren Preistreiber: Heizöl kostete 34 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor, Benzin gut zwölf Prozent. Da die meisten Busse mit Diesel fahren und Wohnungen in der Regel mit Öl oder Gas geheizt werden, nagten auch Fahrpreise und Mieten am Geldbeutel, selbst wenn der Preisauftrieb in diesen Fällen überschaubar blieb.
Nahrungsmitteln verteuern sich durchschnittlich um acht Prozent
Unter dem Strich ist der hessische Verbraucherpreis-Index seit 2005 von 100 auf zuletzt fast 106 Punkte geklettert. Dass Produkte aus der Unterhaltungselektronik um gut ein Zehntel günstiger geworden sind, dürfte für viele Verbraucher nur ein schwacher Trost sein. Schließlich zählen Computer und DVD-Geräte nicht zu den Waren des täglichen Verbrauchs.
Beeindruckend wirkt die Steigerungsrate bei Nahrungsmitteln. Acht Prozent mehr waren zuletzt fällig. Aber nur im Mittel. Brot und andere Getreideerzeugnisse wie Müsli verteuerten sich um fast ein Zehntel. Und Milchtrinker und Ei-Esser zahlten einen Aufschlag von jeweils mehr als einem Viertel. Zur Erinnerung: Angesichts der gestiegenen Nachfrage besonders aus Asien konnten die Bauern den Molkereien und diese dem Handel im vergangenen Jahr höhere Abnahmepreise für Milch, Quark und Joghurt abhandeln. Das wirkt nach. Wir hatten seit fünf Jahren rückläufige Preise und sind jetzt beim Preisniveau von 2001/2002“, sagte Günter Berz-List, Chef der Schwälbchen-Molkerei in Bad Schwalbach, nach dem Milchpreis-Schock“ und der damit verbundenen Aufregung. Er äußerte die Hoffnung, dass diese Preise Bestand haben“.
Auch Hessens Bauernpräsident Friedhelm Schneider glaubt nicht an ein Strohfeuer. Den zwischenzeitlichen Rückgang der Preise für Butter bei Discountern ist für ihn kein gegenteiliges Signal: Die Einkaufspreise waren höher – das heißt, die Discounter haben draufgelegt“, sagt er und meint: Insgesamt wird 2008 für die Bauern noch besser werden als 2007.“ Er verweist ebenso auf die weltweit wachsende Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Milchprodukte, aber auch Fleisch und Getreide. Die Weltbevölkerung nimmt zu und muss versorgt werden, während Anbauflächen und Ernteerträge nicht beliebig zu vermehren sind.
Engagement in Rohstoffen zu suchen
Während letztlich von Verhandlungen zwischen Milchproduzenten und Handel abhängt, wie viel die Verbraucher für Milch, Butter und Joghurt zahlen müssen, kommen beim Genussmittel Kaffee und bei Kakao die Warenterminbörsen ins Spiel. Und diese Rohstoffe kennen seit Monaten fast nur eine Richtung: nach oben. Bei einer steigenden Inflation steigen die Preise für Güter, wie zum Beispiel für Rohstoffe“, heißt es bei dem Finanzdienstleister Lyxor Asset Management in Frankfurt. Wieland Staud, der als Analyst mit Sitz in Bad Homburg die Finanzmärkte der Welt beobachtet, stellte gerade fest: Egal ob Gold, Silber, Kupfer, Platin, Öl und Zinn, Kaffee, Kakao oder Zucker – nahezu überall fänden sich hervorragende Vorzeichen dafür, dass sich die jeweiligen Aufwärtstrends fortsetzen sollten.
Übersetzt heißt das: Tanken wird teurer, Katalysatoren werden teurer, Autos werden teurer, Essen und Trinken wird teurer“, gibt er zu bedenken. Angesichts dessen könnte es sinnvoll sein, ein Engagement in Rohstoffen zu suchen und sich damit beispielsweise gegen weitere Preisanstiege an den Zapfsäulen sowie in den Supermärkten und Konsumtempeln zu versichern“.
Dies wiederum ist mit verschiedenen Finanzprodukten möglich. So werden an den Börsen Indexfonds und Zertifikate gehandelt, die auf Rohstoffindizes laufen. Zu den gängigen Indizes, die Rohstoffe (Commodities) auf sich vereinen, zählen der CRB Total Return Index, der von der Investmentbank Jefferies und Reuters berechnet wird. 1957 aufgelegt, wurde er mehrfach neu ausgerichtet, zuletzt 2005. Derzeit enthält er 19 Waren; Nahrungs- und Genussmittel machen mit 41 Prozent den größten Anteil aus, während Brenn- und Treibstoffe auf 39 Prozent kommen, der Rest entfällt auf Edel- und Industriemetalle. 19 Posten finden sich auch im Dow Jones-AIG Commodity Index, an erster Stelle Gas, vor Rohöl und Sojabohnen, aber auch lebende Rinder, Zucker und Kaffee. 36 Rohstoffe enthält der vom Börsenguru Jim Rogers aufgelegte Rogers International Commodity Index (RICI), in dem Rohöl mit 35 Prozent den größten Posten bildet vor Weizen mit sieben Prozent. Indexfonds, die den Dow Jones-AIG, den CRB oder den RICI abbilden, sind binnen Monatsfrist jeweils um etwa zehn Prozent gestiegen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 3.150 | +0,00 | -24,38 |
| Andere | 5.688 | +0,00 | -8,10 |
| Derivative | 49 | +0,00 | -5,06 |
| Geldmarkt-/nahe | 229 | +3,38 | -3,81 |
| Gemischte | 265 | +0,00 | -13,66 |
| Renten | 1.366 | +2,88 | -5,57 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Geldmarkt/-nahe Fonds CAD | +3,38 |
| Renten Kurzläufer CAD | +2,88 |
| Renten JPY | +2,50 |
| Aktien Norwegen | -24,38 |
| Aktien Russland & CIS | -21,43 |
| Aktien Brasilien | -19,70 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 5.387,01 | -7,07 |
| TecDax | 604,17 | -11,27 |
| DowJones | 9.955,50 | -3,58 |
| Nasdaq | 1.862,96 | -4,34 |
| STOXX 50 | 2.872,38 | -7,75 |
| Nikkei 225 | 10.155,90 | -3,03 |
| S&P 500 Zert. | 10,69 | -5,15 |
| Euro/Dollar | 1,36 | +0,50 |
| Bund Future | 116,85 | -0,11 |
| Gold | 865,35 | +0,42 |
| Öl | 86,68 | -6,11 |
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