07. Juli 2009 Der Markt für Aktienanleihen ist nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes im April um 35 Prozent gewachsen. Im März hatte das Plus 21 Prozent betragen, im Februar 42 Prozent. Das Marktvolumen hat sich somit binnen drei Monaten auf gut 1,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Aktienanleihen sind damit der große Gewinner am Zertifikatemarkt im bisherigen Jahresverlauf. Mit einem Marktanteil von mittlerweile 1,5 Prozent haben sich Aktienanleihen damit zu einer nennenswerten Größe unter den knapp 400.000 Zertifikaten und Hebelpapieren gemausert.
Aktienanleihen werden derzeit verstärkt nachgefragt, sagt Nicole Wittmann, Zertifikateexpertin des Bankhauses Sal. Oppenheim, eines der ersten und größten Emittenten von Aktienanleihen. Aktienanleihen sind leicht verständliche Produkte, die für seitwärts laufende Aktienmärkte und zinsaffine Anleger geeignet sind, begründet Wittmann die derzeit hohe Nachfrage nach Aktienanleihen. Die hohen Schwankungen am Aktienmarkt sorgten zudem dafür, dass die Produkte im Frühjahr zu sehr guten Konditionen aufgelegt werden konnten, mittlerweile hat sich das Umfeld etwas verschlechtert, wird jedoch gleichwohl noch als freundlich beschrieben.
Verschiedene Risiken bestehen
Eine typische Aktienanleihe klassischer Ausprägung hat Sal. Oppenheim in der vergangenen Woche auf die Aktie der Münchener Rück begeben (WKN SL1BVZ). Das Zertifikat wird zu 1000 Euro ausgegeben und läuft gut ein Jahr bis August 2010. Der Anleger erhält am Ende der Laufzeit einen Kupon von 144,62 Euro, im Idealfall also insgesamt 1144,62 Euro je Zertifikat.
Bis es soweit ist, gilt es für ihn jedoch verschiedene Risiken zu bestehen. Zum einen ist eine Aktienanleihe, anders als es der Name vermuten lassen könnte, ein Zertifikat und damit eine Schuldverschreibung. Sollte der Emittent, in diesem Fall das Bankhaus Sal. Oppenheim, während der Laufzeit zahlungsunfähig werden, kann dies für den Anleger auch den Verlust seines Kapitals bedeuten. Zum Zweiten hängt das Wohl und Wehe des Anlegers auch noch von der Entwicklung des Aktienkurses der Münchener Rück ab. Sollte dieser am Ende der Laufzeit wieder auf dem aktuellen Niveau von rund 95 Euro notieren, so erhält der Anleger seinen Höchstbetrag von 1144,62 Euro je Zertifikat.
Unter dem Strich
Ist der Aktienkurs um 10, 20 oder gar 100 Prozent gestiegen, hat der Anleger davon nichts, er erhält nur seinen Kupon, partizipiert aber nicht an steigenden Aktienkursen. Wohl aber treffen ihn sinkende Aktienkurse. Liegt der Aktienkurs der Münchener Rück am Ende der Laufzeit unter seinem aktuellen Niveau, bekommt der Anleger zwar seinen Kupon ausgezahlt, erhält aber ansonsten nicht die 1000 Euro für sein Zertifikat wieder, sondern 10,5 Münchener-Rück-Aktien je Zertifikat.
Angenommen, eine Münchener-Rück-Aktie hätte am Ende der Laufzeit noch einen Wert von 50 Euro, so bekommt der Anleger 10 Münchener-Rück-Aktie ins Depot gebucht sowie den Kupon von 144,62 Euro und 25 Euro für den Bruchteil der Münchener-Rück-Aktie in bar ausgezahlt. Er hätte somit unter dem Strich ein Drittel seines eingesetzten Kapitals verloren. Das Beispiel zeigt, dass klassische Aktienanleihen für den Anleger nur bei ganz bestimmten Marktentwicklungen attraktiv sind, nämlich dann, wenn sich die Kurse kaum verändern. Von steigenden Aktienkursen hat der Besitzer von Aktienanleihen nichts, hingegen leidet seine Rendite erheblich unter fallenden Aktienkursen.
Puffer für Kursverluste
Um das Aktienkursrisiko abzumildern, gibt es zahlreiche Aktienanleihen, die einen Puffer für Kursverluste bieten. So hat die Commerzbank vergangene Woche eine Aktienanleihe auf Siemens begeben (WKN CM9BGP). Der Kupon in der Laufzeit von einem Jahr beträgt 7 Prozent. Allerdings erhält der Anleger die Auszahlung von 1000 Euro je Zertifikat samt Kupon von 70 Euro auch dann, wenn der Siemens-Aktienkurs ein Stück weit fallen sollte. Aktuell kostet eine Siemens-Aktie rund 47 Euro. Erst bei Kursen unter 40 Euro belastet dies auch den Käufer der Aktienanleihe. Im Gegensatz zu Bonuszertifikaten ist es bei Aktienanleihen zudem gleichgültig, ob der Kurs von 40 Euro während der Laufzeit unterschritten wird oder nicht, entscheidend ist lediglich der Kurs am Ende der Laufzeit.
Aktienanleihen gibt es in zahlreichen verschiedenen Ausgestaltungen, so dass die Anleger ihr Aktienrisiko selbst bestimmen können. Je größer der Kursrückgang der Aktie ausfallen kann, ohne dass dies den Besitzer einer entsprechenden Aktienanleihe trifft, desto geringer fällt dafür auch der Kupon aus. Eine andere Möglichkeit, das Risiko zu reduzieren, ist der Kauf von Aktienanleihen mit nur einer Laufzeit von 3 oder 6 Monaten. Allerdings geht auch dies zu Lasten der möglichen Rendite.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.