Von Christian Hiller von Gaertringen
24. Juni 2009 Der Fondsbranche bleiben die Anleger aus. Der Initiator einer Verkaufsveranstaltung hatte mit dem bekannten Investor Johannes Führ auf einen sicheren Wert gesetzt. Ich hätte mit mehr Resonanz gerechnet“, sagt er, als er ein gutes Dutzend Anleger, meist professionelle, in einem abgelegenen Konferenzzimmer des Frankfurter Nobelhotels Villa Kennedy“ begrüßt.
Johannes Führ – der Name hatte bisher immer gezogen und die Säle gefüllt. Führ ist so etwas wie der Oliver Pocher der Fondsbranche. Immer für einen launigen Spruch gut. Gleichgültig in welcher Verfassung sich der Kapitalmarkt befand, Führ war immer gut drauf.
Hier sitzt ja Hochintelligenz
So auch an diesem verhangenen Junitag in diesem tristen Konferenzzimmer. Ich begrüße die schönste Frau im Raum“, beginnt Führ und zeigt auf eine Dame in der letzten Reihe. Sie sind die einzige.“ Und los geht’s auf eine Kaffeefahrt mit Johannes Führ. Mit Sprüchen wie diesen zieht der fröhliche Investor aus dem Rheinland immer die Chauvis und Schenkelklopfer auf seine Seite.
Hier sitzt ja Hochintelligenz“, versucht Führ seine Zuhörer – und seine Zuhörerin – für sich zu gewinnen. Doch diese gehen weniger mit als sonst – hier zeigen sich Spuren der Baisse. Sei’s drum. Führ erzählt gut gelaunt, wie er im Alter von 23 Jahren – das muss 1977 gewesen sein – in einer Firma begann, die auf Warentermingeschäfte spezialisiert war. Am Telefon verkaufte er arglosen Anlegern Schweinebäuche und Orangensaft. Er selbst legte seine ersten 10.000 DM in solchen halsbrecherischen Kontrakten an. Die Kurse stiegen wie mit dem Lineal“, erzählt er. Es wurden 500.000 DM, und vor Ostern kaufte er auf Termin 50 Millionen Eier. Die Spekulation schlug fehl, und er saß auf 4000 DM Verlust. Selbst diese Pointe – sonst ein sicherer Kracher – quittiert sein Publikum schweigend.
Dann hatte er genug von der Spekulation, fährt er fort. Das Problem mit Warentermingeschäften ist: Nach sechs bis neun Monaten ist meistens das Geld der Kunden weg und damit auch der Kunde, und dann musst du einen neuen Kunden finden.“ Führ ging in den Anleihehandel bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch in Frankfurt. Knapp zehn Jahre später, da war Führ etwa 36 Jahre alt, machte er sich selbständig.
Seitdem ist Führ auf Renten spezialisiert. Derzeit versucht er, einen Rentenfonds bei den Anlegern zu plazieren, der in Unternehmensanleihen investiert. Er präsentiert sein Produkt, als wäre es ein Orientteppich. Ich war einer der größten Gegner von Rentenfonds“, bekennt er. Das waren nichts als Gelddruckmaschinen für die Banken.“ Dann jedoch wurde alles anders. 1999 lancierte Führ seinen eigenen Rentenfonds.
Der Führsche Grundsatz
Sein Investmentstil ist simpel: Vergessen Sie den Zins und die Laufzeit, das ist völlig uninteressant“, wirft er griffig in die Runde. Es spielt nur eine Rolle, ob ich als Gläubiger mein Geld zurückbekomme, das war schon immer so.“ Denn er handele strikt nach dem Führschen Grundsatz“, wie er es nennt: Ein Wertpapier ohne Liquidität ist nichts wert.“
Auch zur aktuellen Lage an den Finanzmärkten hat Führ eine Meinung von der Stange: Wir sehen das nicht als Krise, sondern nur als das Ende einer Periode.“ Der Zusammenbruch ganzer Segmente an den Kapitalmärkten fügt sich in Führs Weltsicht als die Geburtsstunde von etwas Neuem und Großartigem“.
Stille im Raum
Allerdings hat Führ von der Entstehung dieser neuen Welt bisher nicht über die Maßen profitiert. Sein Rentenfonds Johannes Führ Universal Renten Global schaffte in den vergangenen zwölf Monaten ein Plus von lediglich 3,1 Prozent, während der Vergleichsmaßstab für seinen Fonds, der Anleihenindex Rex, in dieser Zeit um mehr als 11 Prozent stieg. Immerhin entwickelt sich der Fonds seit Jahresbeginn besser als der Index.
Strikt an den Bedürfnissen der Anleger ausgerichtet sieht Führ die Ausschüttungspolitik seines neuen Fonds. Zweimal im Jahr überweist er den Anlegern etwas, am 15. Februar – da ist Karneval, und da brauchen wir alle Geld“ – und am 15. August – da heißt es Sonne, Strand und schöne Mädchen“. Selbst bei diesem Brüller herrscht Stille im Raum. Hätte der Investor außer dem Führschen Grundsatz auch einen Führ-Indikator für die Stimmung unter den Anlegern entwickelt, so müsste dieser tief im negativen Bereich liegen. Selbst die Unterhaltungskünstler in diesem Metier haben es heute schwer.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.-Wonge Bergmann
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| BSF - BlackRock Latin American Opportunities Fund A2 USD | 110,09 $ | +236,46% |
| NESTOR Australien Fonds | 251,43 € | +220,95% |
| Earth Exploration Fund UI | 44,37 € | +176,11% |
| HSBC GIF Brazil Equity AC | 35,21 $ | +158,36% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 44,79 € | +152,62% |
| Bankhaus Donner TA Japanische Aktien | 90,74 € | −9,30% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,98 € | −11,31% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,73 € | −11,55% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 82,88 € | −16,02% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,21 € | −17,61% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
1405,08 | 1350,70 | 1296,93 |
Performance-Index23.12.2009 17:35 |
309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
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