Interview

„Internet-Aktien könnten eine Atempause vertragen“

Hat Ebay und Amazon verkauft: Fondsmanager Beyer-Enke

Hat Ebay und Amazon verkauft: Fondsmanager Beyer-Enke

22. Januar 2004 Mit einem Volumen von 806 Millionen Euro ist der Deka Technologie einer der größeren Fonds, die auf Computer- und Internetaktien setzen. Zum Vergleich: Die entsprechenden Produkte der DWS und des Deutschen Investment Trust (Dit) kommen auf eine Marktkapitalisierung von 365 und 406 Millionen Euro. Ihnen und anderen Tech-Fonds ist gemein, in den vergangenen drei Jahren eine schlechte Wertentwicklung hingelegt zu haben, aber seit einem Jahr auf Erholungskurs zu sein. In Zahlen: Der von Michael Beyer-Enke gemanagte Deka Technologie verbesserte innerhalb der jüngsten zwölf Monate um 25,3 Prozent, der DWS-Fonds etwas schwächer, das DIT-Produkt etwas besser.

Auffallend ist, daß bei Beyer-Enke gut laufende Titel wie Ebay und Yahoo sowie Amazon nicht zu den Schwergewichten zählen. Gemein ist diesen Aktien auch die hohe Bewertung, die an die Zeiten vor dem Beginn der Baisse erinnert. Unter anderem aus diesem Grund hat der Fondsmanager sie aus dem Portfolio genommen, wie er im FAZ.NET-Interview sagte. Dagegen sieht er Motorola und Samsung als lohnende Investments an.

Eine Reihe von Internet- und Technologietiteln wie Yahoo und Ebay laufen gut, weisen aber wie etwa auch Apple wieder eine Bewertung auf, die an die unseligen Zeiten der Internet-Blase vor drei, vier Jahren erinnert. Sind solche Aktien noch ein Kauf, weil der Trend stimmt?

Unter anderem diese Aktien sind ohne Frage sehr hoch bewertet. Wenn man berechnet, wie stark das Gewinnwachstum mit Blick auf die nächsten zehn Jahre sein müßte, um diese Bewertung zu rechtfertigen, kommt man auf 20 Prozent im Jahr. Ich glaube, das hat in den vergangenen Jahren nur Microsoft geschafft, und über welche Ausnahmestellung dieses Unternehmen verfügt, muß man nicht erklären.

Und Yahoo weist zwar ein stürmisches Umsatzwachstum, aber kein entsprechendes Gewinnwachstum auf...

So ist es. Festzustellen ist, daß viele Leute Internettitel wiederentdeckt haben. Amazon hatte zu Jahresbeginn 2002 den ersten Jahresgewinn nach US-GAAP ausgewiesen. Seit diesem Zeitpunkt mußte man Internetwerte haben - und zwar bis zum September vergangenen Jahres. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Dieser Zyklus ist also länger gelaufen als seit März vergangenen Jahres, seit dem sich der Wind an den Börsen gedreht hat und die Aktienkurse auf breiter Front steigen. Bei den Internettiteln haben sich die starken Werte herauskristallisiert, aber von der Bewertung her kann dieser Sektor sicher eine Atempause vertragen. Zumal das Weihnachtsgeschäft gut gewesen und danach üblicherweise eine saisonale Schwäche eingesetzt haben dürfte.

Ein Wort noch zu Ebay. Im Spätsommer hat Ebay ein erstes Downgrade erfahren, das sich auf Ebay Motors bezog. Da heißt es immer, bei den Gebrauchtwagenhändlern ist Ebay Motors erst zu 30 Prozent verbreitet, folglich gibt es da noch ein großes Potential. Fakt ist: Von den verbleibenden 70 Prozent hat die Hälfte Ebay Motors schon ausprobiert, und sie wollen es nicht wieder tun. Aus meiner Sicht ist das eine Meldung zum Aufhorchen gewesen. Dessen ungeachtet gefällt mir an diesem Unternehmen die Transparenz. Es wird auch bestimmt noch weitere innovative Ideen liefern. Aber die Bewertung ist nicht angetan, diesen Wert als „fresh money buy“ anzusehen und dem Privatanleger zu empfehlen, noch zuzugreifen. Wie selbst sind derzeit in Ebay untergewichtet.

Der Trend spricht aber für diesen Titel; das gleiche gilt für Yahoo. Haben die Leute, die angesichts dessen engagiert bleiben, nicht recht?

Ich denke, wir sind wieder einen von Momentum getriebenen Markt näher, als wir es wahrhaben wollen. Gewiß hatten wir eine übertriebene Reaktion der Aktienmärkte vor dem Irakkrieg und im Zuge der Sars-Epidemie. Aber bei zyklischen Branchen wie Online Advertising und Halbleiter scheint mir eine Übertreibung gegeben. Nehmen wir die Halbleiterausrüster: Es wird mit einem Wachstum von 45 Prozent bei der Nachfrage gerechnet. Aber da muß man einfach nur zusammenzählen - und sich dann fragen: Aus welcher zweiten, dritten oder vierten Reihe sollen die Aufträge kommen, um diese Rate zu erzielen? Denn Intel hat den Zuwachs auf fünf Prozent im Mittel taxiert und Samsung auf zehn Prozent, und beide stehen für etwa 25 Prozent der Gesamtausgaben der Industrie in diesem Bereich. Angesichts dessen müßten viele andere Unternehmen Gold gefunden haben und ihre Kapazitäten um 60 oder 70 Prozent aufstocken. Das sind für mich Warnzeichen. Nun kann ich mich nicht gegen den Trend stellen, sehe es aber nicht ein, mit Blick auf mögliche peak earnings die Aktien bestimmter Halbleiterausrüster zu kaufen.

In ihrem Portfolio ist nicht nur Ebay untergewichtet, sondern auch Yahoo kein Schwergewicht. Ist das eine Folge der hohen Bewertung beider Titel?

Yahoo ist noch im Portfolio, aber nicht in der Spitze der größten Titel. Wir hatten Ebay und Amazon als Werte, die nicht zur Benchmark zählen, wegen der fundamentalen Aussichten bis in den Frühherbst gehalten und aus den besagten Gründen abgebaut.

Welche Titel favorisieren Sie?

Microsoft ist sicher eine Spitzenposition. Wir haben Alcatel übergewichtet, auch wenn sie nicht in den Top Ten. Übergewichtet ist auch Taiwan Semiconductor, weil wir glauben, daß dieser Wert noch Nachholbedarf hat. Eine Samsung haben wir ganz oben und Motorola.

Microsoft ist zwar ein wahrer Branchenbeherrscher, aber die Aktie ist dennoch nicht gut gelaufen. Warum setzen Sie dann auf sie?

Stimmt. Die Performance im Jahr 2003 war in jedem Fall enttäuschend. Micrsosoft war der fünftschlechteste Wert im Nasdaq 100. Es aber keine große Möglichkeit, diesen Titel mit Blick auf ein risikooptimiertes Portfolio zu ersetzen. Wir hatten Microsoft wegen der Aussichten beim PC-Wachstum übergewichtet. Dieses war tatsächlich besser als geplant, und es soll dieses Jahr wieder so sein. Und von der Bewertung her sehe ich Microsoft zum ersten Mal seit Jahren im Vergleich zu anderen Technologietiteln als wirkliches günstiges Investment an. Nicht zuletzt glauben wir, daß das Problem der „unearned revenues“, also der Lizenzgeschäfte, die sie abschließen, aber nicht buchen, nur noch im nächtsen Quartalsausweis auftauchen und das Unternehmen dann mit weißer Weste durchstarten wird.

Gibt es Technologietitel, die man haben sollte?

Ich empfehle Motorola, und zwar nicht nur, weil China rund eine Milliarde Dollar an Investitionen an dieses Unternehmen gibt, sondern es gibt einen neuen Chef, Ed Zander. Und dieser kommt nicht aus dem Motorola-Stamm, sondern von Sun Microsystems, hatte dort einen sehr guten Ruf und dürfte gegen die Betriebsblindheit, die Motorola ausgezeichnet hat, wirken. Zudem wird Motorola von der wachsenden Investitionsneigung potentieller Kunden profitieren, und die Aktie ist noch nicht extrem teuer im Vergleich zu Lucent oder Nortel. Dazu bietet sich Samsung an, obwohl der Titel schon weit gelaufen ist. Vor drei, vier Jahren gehörte das Unternehmen in kein Portfolio, weil es so ziemlich alles falsch gemacht hat, was es falsch machen konnte. Es zielte nur auf den Weltmarktanteil und nicht nach Profitabilität. Sie haben sich aber extrem auf den Boden gesetzt und erstklassige Produkte bei Handys, eine sehr starke Stellung bei Flachbildschirmen, dazu sind sie Kosten- und Marktführer bei Speicherchips.

Das Gespräch führte Thorsten Winter.



Text: @thwi
Bildmaterial: deka

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