Fonds

Eine Wette auf die Freiheit von Kuba

14. März 2008 Das kommunistische Kuba gilt als einer der wenigen weltweit verbliebenen weißen Flecken auf der Investmentlandkarte. Die maroden Verhältnisse vor Ort und der mit einem niedrigen Bruttoinlandsprodukt je Einwohner von 4.500 Dollar verbundene Nachholbedarf elektrisieren aber schon jetzt weitsichtige Anlagepioniere. Verspricht diese Konstellation doch im Idealfall enormes Gewinnpotential.

Damit diese Rechnung aufgeht, muss sich das Land allerdings erst einmal öffnen. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat sich diese Hoffnung aber nie erfüllt. Auch Thomas J. Herzfeld wartet seit Jahren vergeblich. Seine Vision eines freien Kubas hat ihn schon im Jahr 1993 dazu gebracht, den Herzfeld Caribbean Basin Fund aufzulegen. Der Fonds ist seit dem 20. Mai 1994, dem 92. Jahrestag der Unabhängigkeit Kubas von Spanien, im karibischen Raum aktiv. Er wird an der Nasdaq unter dem Ticker Cuba gehandelt. Die Zielsetzung des Fonds war es bereits seit der Auflage, Investments einzugehen, die direkt oder indirekt mit Kuba zu tun haben.

Fondspreis reagiert heftig auf alle politischen Neuigkeiten

Bis heute handelt es sich um den einzigen existierenden Kuba-Fonds. Dieser Status ist je nach Nachrichtenlage Chance oder Bürde. Denn der Fondspreis reagiert heftig auf alle politischen Neuigkeiten, die aus Kuba kommen. So kletterte die Notiz am 19. Februar bei der Rücktrittsankündigung Fidel Castros vom Posten des Staatspräsidenten an einem Handelstag um 17 Prozent auf 8,70 Dollar. Zudem waren die Umsätze mit 1,44 Millionen Anteilsscheinen so hoch wie nie zuvor. Und im Jahr 2006, als es so aussah, als ob Fidel Castro eine schwere Krankheit nicht überleben könnte, verdoppelte sich der Kurs des Fonds in der Spitze sogar.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Als sich der Revolutionsführer dann doch wieder erholte, ging es 2007 mit dem Fondspreis um 42 Prozent nach unten, obwohl der Nettoinventarwert gleichzeitig um 19 Prozent anzog. Bei einem Besuch auf seinem Hausboot auf der Miami vorgelagerten Millionärsinsel Fisher Island zeigt sich Herzfeld gelassen wegen der teilweisen erratischen Schwankungen seines Fonds. "Historisch gesehen waren die jüngsten Kursausschläge nichts Außergewöhnliches. Geschlossene Fonds haben es nun einmal an sich, sehr stark auf gute und schlechte Nachrichten zu reagieren."

Doch die hohe Volatilität hat nicht nur mit dem Dasein als geschlossener Fonds zu tun, sondern sicherlich auch damit, dass das Anlagethema Kuba allgemein spannend ist, es aber bisher nur begrenzte Anlagemöglichkeiten gibt. Selbst der Herzfeld Caribbean Basin Fund hält momentan keine einzige Position, die direkt in Kuba verankert ist. Das hat nicht zuletzt mit dem seit 1962 bestehenden amerikanischen Handelsembargo gegen Kuba zu tun. Dessen Existenz hält Herzfeld sogar davon ab, in Werte wie die stark auf Kuba engagierte spanische Hotelkette Sol Melia zu investieren. Sieht er doch die Gefahr, dass Unternehmen, die in Zeiten des Embargos mit dem jetzigen Regime Geschäfte machten, deswegen später noch einmal Nachteile erleiden könnten.

Stattdessen versuchte Herzfeld lange Zeit, die Anlageidee indirekt über den Kauf von Unternehmen zu spielen, die sich auch dann gut entwickeln können, falls der Handel mit Kuba nicht wiederaufgenommen werden sollte. Ein Paradebeispiel dafür ist der Betreiber von Containerschiffen Seabord. Dieser macht schon jetzt gute Geschäfte in der Karibik, würde bei einem verstärkten Handel mit Kuba aber noch einen Extraschub bekommen. „Vor der Bekanntgabe von Quartalszahlen zähle ich von meinem Büro aus mit einem Fernglas schon manchmal, wie gut der Frachtverkehr läuft", verrät der Fondsmanager während einer Hafenrundfahrt mit einem seiner Boote, bei der er einige seiner Investments aus der Nähe vorstellt.

Seit dem Vorjahr ist Herzfeld außerdem verstärkt dazu übergegangen, auch in Gesellschaften zu investieren, die momentan nicht so gut dastehen, die aber das Potential haben, von einer Öffnung Kubas stark zu profitieren. Zu diesen Investments zählen unter anderem das in Miami ansässige Wohnbauunternehmen Lennar Corp. und die panamaische Fluggesellschaft Copa Holdings. Noch einen Gang höher schalten würde Herzfeld bei seinen Anlagen, wenn das Embargo aufgehoben würde. Dann würde er sich endlich direkt auf Kuba engagieren. Und in dieser Hinsicht ist er durchaus hoffnungsvoll. Schon in den nächsten zwölf Monaten hält er ein Ende der Wirtschaftssanktionen eventuell für möglich. Insbesondere dann, wenn die Demokraten die Präsidentenwahlen in den Vereinigten Staaten gewinnen sollten und sich Kuba bis dahin etwas nach vorn bewegt haben sollte.

Anfängliche Euphorie nach dem Rücktritt Fidel Castros ist wieder verpufft

Dass Herzfeld nicht nur seinen Optimismus zur Schau trägt, sondern wirklich an eine baldige Wende zum Besseren in Kuba glaubt, zeigt sich auch an einem anderen Aspekt. Und zwar hat der Fondsmanager bei der im Herbst abgewickelten Kapitalerhöhung von 15 auf 30 Millionen Dollar selbst Anteilsscheine im Wert von einer Million Dollar gezeichnet. Auf die Frage, warum er das getan hat und was ihn so an Kuba fasziniert, antwortet der 63 Jahre alte Fondsmanager: „Kuba ist eine einmalige Chance in meiner Investmentkarriere. Aber nicht nur zum Geldverdienen, sondern auch, um zu helfen, ein Land wiederaufzubauen und Freiheit und Demokratie herzustellen."

Allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass Herzfeld auch weiterhin einen längeren Atem beweisen muss, als er hofft. Denn der neue Präsident Raúl Castro hat Hoffnungen auf eine bevorstehende wirtschaftliche Öffnung Kubas bereits in seiner Antrittsrede gedämpft. Und es darf auch nicht vergessen werden, dass Fidel Castro als Vorsitzender der Kommunistischen Partei noch immer die Strippen im Hintergrund zieht. Das hat die anfängliche Euphorie nach dem Rücktritt Fidel Castros auch schnell wieder verpuffen lassen. Der Herzfeld Caribbean Basin Fund hat seine Gewinne jedenfalls wieder hergeben müssen und notiert derzeit knapp unter dem zwischenzeitlich ebenfalls gesunkenen Nettoinventarwert von 7,69 Dollar. Das ist auch nachvollziehbar, denn leider ist es noch immer nicht absehbar, wann die einmalige Karrierechance tatsächlich mit Leben erfüllt wird.

Wenn es aber eines Tages zu Veränderungen kommt, dürfte das Land nicht zuletzt wegen der Nähe zu Amerika und der Finanzkraft der Exilkubaner einen rasanten Aufschwung erleben. Von dann an dürften sich Kuba-Investments richtig lohnen. Auch der Herzfeld Caribbean Basin Fund, der es in den vergangenen zehn Jahren auf eine jährliche Rendite von 7,3 Prozent gebracht hat, könnte dann ins Rollen kommen.



Text: F.A.Z., 15.03.2008, Nr. 64 / Seite 25
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

 
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Quelle: Morningstar
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