Investmentfonds

„Indexfonds sind eine ideale Kerninvestition“

14. März 2007 Nach einer langen Karriere als Gründer und Vorstandsvorsitzender des Investmentfonds-Pioniers Vanguard ist John Bogle weiterhin ein Stachel im Fleisch der Finanzdienstleistungsbranche.

Mit seinem neuesten Buch The Little Book of Common Sense Investing *(Verlag John Wiley & Sons), das mit bestätigenden Kommentaren von Warren Buffett und anderen Koryphäen garniert ist, hält er an seinem langjährigen Feldzug für die Anlage in breit angelegte, kostengünstige Indexfonds fest. Dies mag vielleicht nicht die beste Investmentstrategie sein, doch sie ist besser als fast alle anderen, stichelt er.

In einem am 9. März geführten Interview mit BusinessWeek.com-Reporter Alex Halperin gab sich der 77-jährige Bogle mit gewohnter Angriffslust. Nachfolgend bearbeitete Auszüge des Gesprächs.

Warum hämmern Sie uns ihre Idee über die Anlage in Indexfonds immer wieder ein?

Das ist die 64-Dollar-Frage. Weil sie funktioniert und die Leute anscheinend trotzdem nicht begreifen. Obwohl die Indexierung ein herausragender Erfolg war, indem sie allen Aktienfonds vom Start weg bis Ende der Neunziger zehn Prozent der Vermögenswerte abgenommen hatte, machen die Indexfonds noch immer lediglich zehn Prozent der gesamten Aktienfonds aus. Ihre Wachstumsrate ist gleichauf mit der Gesamtwirtschaft.

Für mich ist das sehr enttäuschend, da der Erfolg der Indexierung beileibe kein Hexenwerk ist. Er basiert auf wenigen, äußerst simplen Grundsätzen: breitestmögliche Diversifizierung, niedrigstmögliche Kosten und höchstmögliche Steuervorteile.

Darüber hinaus kann ein Indexfonds praktisch ewig gehalten werden, ohne sich um ständig wechselnde Portfoliomanager sorgen zu müssen (deren durchschnittliche Verweildauer bei einem normalen Investmentfonds nur fünf Jahre beträgt). Er stellt eine ideale Kerninvestition dar und ich würde behaupten, dass jeder Anleger, der sich dazu entschließt, seinen Aktienbestand zu 100 Prozent in einen Indexfonds und seinen Anleihenbestand zu 100 Prozent in einen Rentenindexfonds anzulegen, wahrscheinlich auf der Gewinnerstraße ist.

Warum sind nicht mehr Anleger darauf aufmerksam geworden?

Erstens: Weil sie eher kurzfristig orientiert sind und nicht die langfristigen Auswirkungen der Kosten- und Steuervorteile beachten. Zweitens: Für Finanzdienstleistungsanbieter ist das Produktmarketing eine sehr starker Faktor. Drittens: Es gibt immer einige Fonds, die den Index schlagen. Was soll ich dazu sagen? Wir schlagen den durchschnittlichen Fonds zu jeder Zeit, wie schon in meinem Buch beschrieben. Aber es gibt immer jemanden, der es besser kann.

Glauben Sie, dass die wachsende Popularität der börsengehandelten Fonds (ETFs) ein Risiko für die Anleger darstellt?

Natürlich tun sie das. ETF ist ein Begriff, der eine Vielzahl von Investmentstrategien umfasst. So kann etwa der Vanguard Total Stock Market ETF allemal genauso gut gekauft und gehalten werden wie der Vanguard 500 oder der Vanguard Total Stock Market. Die Unterschiede sind hier wirklich nicht sehr groß.
Ein Problem ist jedoch, dass die ETFs nicht mit den Indexfonds konkurrieren, da sie ebenfalls Indexfonds sind. Sie sind einfach Indexfonds, die man an der Börse handeln kann. Ich frage mich nur, welcher Hornochse dies tun möchte?

Im Grunde genommen wird der Handel mit ETFs von einer unheiligen Allianz aus Fondsanbietern, Fondsverwaltern und Maklern gesteuert, die herausgefunden haben, dass die Allgemeinheit mit der Indexierung nicht zufrieden zu stellen ist. In gewissem Maße niveaulos. Daher bieten wir nun alle möglichen Strategien an, darunter risikoreiche Strategien, Long-Strategien, Short-Strategien und Short-Strategien für bestimmte Branchengruppen.

Die populärsten Strategien sind jene, die in jüngster Zeit am besten funktioniert haben. Es gibt eine wahre Performance-Jagd bei Gold-ETFs, Rohstoff-ETFs oder Schwellenländer-ETFs.

Es ist einfach, etwas zu verkaufen, das gut läuft. Wenn es darum geht, die richtigen Manager auszusuchen, überschätzen allzu selbstbewusste Anleger gerne ihre Fähigkeiten. Wir alle glauben, überdurchschnittlich gute Autofahrer zu sein. Ich habe beobachtet, dass die meisten Menschen meinen, überdurchschnittlich gute Liebhaber zu sein. Letztlich sind wir aber alle durchschnittlich.

Sie haben die steigende Anzahl kostengünstiger Indexfonds angepriesen. Sind diese aber wirklich alle gleich? Gibt es Probleme bei der Indexnachbildung?

Soweit ich das beurteilen kann, gibt es nicht viele wesentliche Probleme bei der Indexnachbildung, zumindest, was die breiten Marktindizes anbelangt. Bei einem Rohstoffindex, einem Goldindex oder einem sehr eng gefassten Spezialindex gibt es keine Probleme bei der Nachbildung. Worin sich die klassischen Indexfonds jedoch in hohem Maße unterscheiden, sind die von ihnen verursachten Kosten.

Sie sagten kürzlich, dass Anleger ihrer Meinung nach ein wenig in internationale Aktien diversifizieren sollten. Wo sollten sie sich umsehen und wie passt dies mit ihrer Kernphilosophie zusammen?

Lassen Sie mich zunächst darauf hinweisen, dass ich dies so nicht ganz gesagt habe. Ich sagte, dass es vielleicht etwas wahrscheinlicher ist, damit erfolgreicher zu sein. Ich mache mir zunehmend Sorgen über die Probleme in den Vereinigten Staaten: Übermäßige Verschuldung, hohes Staatsdefizit, unsere Rolle in der Welt, die Finanzierung dieser immens teuren Kriege - bis in den Billionenbereich -, das unterfinanzierte Rentensystem, und aktuell die Gesundheitsversorgung für Rentner. Und auch die Stärke des Dollar macht mir Sorgen.

Ich sollte vielleicht darauf hinweisen, dass ich international sehr wenig investiere. Ich denke zwar darüber nach, fürchte mich aber irgendwie davor, einer von diesen Performance-Jägern zu sein. Daher gab ich in einem Artikel im Wall Street Journal den Rat, dies nach und nach über einen Zeitraum von mehreren Jahren zu praktizieren. Sollten die Kurse in dieser Zeit ihren Höchststand ereichen, käme man dabei nicht allzu schlecht weg. Ich mag keine überstürzten Manöver - ich bin ein konservativer Mensch.

Man sollte sich im Klaren sein, dass amerikanische Unternehmen internationale Unternehmen sind. Rund 35 Prozent der Umsätze und Gewinne der S&P-500-Unternehmen stammen aus dem Ausland.
Wenn man international investieren will, ist es sonnenklar, dass man einen marktumfassenden internationalen Indexfonds braucht. Dies hat nichts mit Hexerei zu tun, sondern mit den unerbittlichen Regeln gewöhnlicher Arithmetik.

Die Indexierung funktioniert in den internationalen Märkten aus einem einfachen Grund besser als in den Vereinigten Staaten: Die Kosten sind in den internationalen Märkten höher. Jene Länder, die den internationalen Index dominieren, unterscheiden sich nicht sonderlich von den Vereinigten Staaten. Wenn man vom Dollar einmal absieht, erhält man dort etwas, das man in ähnlicher Form auch in den Vereinigten Staaten erhalten kann.

Daher empfehle ich, anstelle eines internationalen Portfolios mit bis zu 20 Prozent der Aktienbestände lieber zehn Prozent in Fonds mit Abdeckung internationaler Märkte und zehn Prozent in Schwellenmarktfonds zu investieren. Diese sind zwar sehr riskant, doch wenn man 70 Prozent in Aktien anlegt, stellt dies eine Investition von gerade sieben Prozent in Schwellenmärkte dar. Dies kann vielleicht ins Auge gehen, es wird einen aber nicht in den Ruin treiben.

Was wäre für Sie eine beispielhafte Index-Porfoliostrukturierung für, sagen wir, einen 30-jährigen allein stehenden Mann?

Ich habe mich bislang einer Faustregel bedient, die ich nun etwas abwandle. Früher habe ich gesagt, dass der Anleihenanteil dem Alter des Anlegers entsprechen sollte; ein 30-Jähriger würde demnach also 30 Prozent in Anleihen investieren. Mittlerweile sage ich: Lebensalter minus zehn.
Das ist etwas aggressiver, weil wir gerechtfertigterweise davon ausgehen können, dass Aktien im Laufe eines Anlagezeitraums besser abschneiden als Anleihen. Die Kosten lasse ich hier außer Acht; die Kosten in dieser Branche werden allerdings allzu häufig vernachlässigt. Wenn Aktien 2,5 Prozent besser abschneiden als Anleihen, wird dieser Gewinn bei den meisten Anlegern durch die Kosten wieder aufgezehrt, und Gott weiß, wie viel mehr sie an Emotionen verlieren werden.

Was haben Sie als nächstes vor?

Ich erzähle den Leuten gerne, dass ich mich zur Ruhe setzen werde - ich weiß nur noch nicht, wann.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

 
Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.031 +19,11 -16,80
Andere 5.423 +7,96 -1,10
Derivative 50 +0,66 -2,14
Geldmarkt-/nahe 227 +7,74 -3,47
Gemischte 243 +18,70 +0,32
Renten 1.336 +9,12 -4,02
Quelle: Morningstar
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