Börsenstimmung

Immer weniger „Bären“ in der Blogger-Szene

06. Juni 2007 Wenn die letzten Skeptiker an der Börse zu Optimisten geworden sind, ist es bekanntlich Zeit für eine Korrektur. Wenn nämlich jeder schon am Aktienmarkt investiert ist, gibt es niemanden mehr, der frisches Geld an die Börse tragen könnte.

Darum gibt es eine Vielzahl von Sentiment-Indikatoren, mit denen Beobachter die Stimmung am Markt messen und damit auf die weitere Kursentwicklung schließen wollen. Fondsmanagerumfragen gibt es viele, auch Erhebungen unter Privatanlegern sind zahlreich. Selbst Magazin-Schlagzeilen werden seit langem analysiert. Recht neu ist dagegen das „Blogger-Sentiment“, das die Website „Ticker-Sense“ (http://tickersense.typepad.com) seit Juli vergangenen Jahres wöchentlich ermittelt.

Blogger-Sentiment und S&P 500

Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.de hat die Entwicklung des Blogger-Sentiments mit dem Aktienindex S&P 500 verglichen (siehe Grafiken). Bei den „Bullen“, also den Bloggern, die die Kurse weiter steigen sehen, hält sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen: „Die Aufwärtsbewegung seit August 2006 wurde ab Oktober von skeptischem Sentiment begleitet“, schreibt Rethfeld in einer Analyse.

Die Blogger hätten den Kurseinbruch vom Februar und März mit etwas Verspätung nachvollzogen. Gegenwärtig befinde sich der Anteil der „bullischen“ Blogger in einer neutralen Zone.

„Warnzeichen für die Märkte“

Interessanter sei ein Blick auf die Entwicklung des Anteils der „bärischen“ Blogger. Dieser beträgt aktuell nur noch 27,6 Prozent und liegt damit auf einem Rekordtief.

„Angesichts der kurzen Historie dieses Indikators mag man die dahinter stehende Aussagekraft anzweifeln“, schränkt Rethfeld ein. „Man sollte jedoch bedenken, dass die Blogger üblicherweise den Märkten gegenüber kritischer eingestellt sind als die normalen Marktteilnehmer.“ Insofern sei der geringe Anteil „bärischer“ Blogger als ein Warnzeichen für die Märkte anzusehen.

Ein Baustein unter vielen

Anleger sollten dem Blogger-Sentiment für sich alleine betrachtet sicherlich nicht zu viel Gewicht beimessen, schon deshalb, weil gar nicht klar ist, wie tief der „Bären“-Anteil noch sinken könnte. Doch das neue Barometer kann durchaus bei der Analyse der Marktstimmung helfen - als ein Baustein unter vielen.

Derzeit drängt sich der Eindruck auf, dass immer mehr Anleger ihre Skepsis aufgeben. Und das ist schon ein guter Grund, den „Finger am Abzug zu halten“, wie es ein Aktienstratege kürzlich formulierte. Sonst gelingt der Ausstieg womöglich nicht schnell genug.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: Wellenreiter-Invest.de

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