Rentenfonds

Behalten oder wechseln

15. August 2006 Wenn die Zinsen steigen, wird mancher Anleger unruhig. Rentenfonds zum Beispiel sind grundsätzlich eine sichere Sache. Bei steigenden Zinsen allerdings fällt ihr Kurs. Die Anleihen im Besitz des Fonds verlieren an Wert, wenn Papiere mit einer besseren Verzinsung zu haben sind. Aber kein Grund zur Sorge: Rentenfonds sind trotz solcher Verluste eine sichere Geldanlage. Bald nach Zinssteigerungen pendelt sich der Kurs wieder ein.

Allerdings sind die Qualitätsunterschiede groß. Bei manchem Fonds bremsen hohe Kosten die Erträge. Die besten Rentenfonds bringen im Vergleich zu schwachen Kandidaten mehr als doppelt so viel Rendite. Finanztest sagt, wo es die meiste Sicherheit und die höchste Rendite gibt.

Sicherheit mit Staatsanleihen

Rentenfonds setzen ganz auf festverzinsliche Wertpapiere. Sicherheitsorientierte Fonds, die sich gut als Basis für langfristig angelegte Privatdepots eignen, investieren vor allem in Anleihen von Staaten der Euro-Zone. Sie bringen recht wenig Rendite, die ist dafür aber ganz sicher.

Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die (Rest-)Laufzeit der Anleihen im Fondsvermögen. Ist bis zur Rückzahlung der Anleihe nicht mehr viel Zeit, ist die Rendite meist gering. Dafür ist auch das Risiko geringer. Anleihen mit langer Restlaufzeit verändern ihren Wert bei Änderungen des Zinsniveaus sehr viel stärker. Der Kurs einer langfristigen Geldanlage sinkt, wenn die Zinsen steigen und das langfristig in der fest verzinsten Anleihe gebundene Geld bei einer anderen Geldanlage mehr Rendite bringen würde.

Verluste eher selten und meist gering

Für deutsche Staatsanleihen hat Finanztest im Detail nachgerechnet. Das Ergebnis: Im Durchschnitt der letzten 20 Jahre brachten die im Rex-Performance-Index zusammengefaßten Papiere 6,3 Prozent Rendite pro Jahr. Der bei Kauf und Verkauf zum jeweils ungünstigsten Zeitpunkt maximal mögliche Verlust lag bei 4,9 Prozent. Mit anderen Worten: Ein Verlust ist unwahrscheinlich, und wenn doch mal einer entsteht, fällt er gering aus.

Renditekiller Kosten

Euro-Rentenfonds sind als Basis für ein sicherheitsorientiertes Depot also gut geeignet. Allerdings unterscheiden die Fonds sich erheblich. Beispiel: Der Raiffeisen-Euro-Rent A (Isin AT0000996681) als im Finanztest-Vergleich bester Euro-Rentenfonds mit geringem Risiko hat in den vergangenen Jahren durchschnittlich jeweils 5,3 Prozent Rendite gebracht.

Der Mediolanum Global Bond SA dagegen schaffte im selben Zeitraum gerade mal durchschnittlich 2,6 Prozent pro Jahr. Dafür ist er in einer anderen Disziplin Spitze: den Kosten. Stolze 2,02 Prozent der Anlegergelder gibt der Fonds für Spesen aus. Zum Vergleich: Beim Raiffeisen-Euro-Rent A liegt die Kostenquote bei gerade mal 0,65 Prozent.

Qualität auf dem Prüfstand

Außer den Kosten ist wichtig, wie gut die Fondsmanager arbeiten. Sie müssen den richtigen Zeitpunkt finden, um Anleihen verschiedener Laufzeiten zu kaufen und verkaufen. Zuverlässiger Maßstab für die Qualität der Fonds ist die Finanztest-Bewertung in der monatlich aktualisierten Fondsanalyse. Sie errechnet sich aus der Kursentwicklung der vergangenen fünf Jahre im Vergleich zum Durchschnitt vergleichbarer Fonds. 50 Punkte markieren den Durchschnitt.

Wirklich gut sind Fonds mit deutlich mehr als 50 Punkten. Der Raiffeisen-Euro-Rent A kommt derzeit auf stolze 82,2 Punkte. Kaum einer der insgesamt rund 4.500 Fondsanalyse-Kandidaten schafft eine noch bessere Finanztest-Bewertung.

Tips zur Anlage in Rentenfonds

Sicherheit. Einen guten Euro-Rentenfonds mit sehr geringem bis mittlerem Risiko können Sie als Langfristanlage auch in Zeiten unsicherer Zinsentwicklung kaufen. Ihr Kursrisiko ist gering.

Chance. Euro-Rentenfonds mit erhöhtem Risiko sollten Sie nur kaufen, wenn Sie mit stabilen oder sinkenden Zinsen rechnen. Wenn Sie so einen Fonds bereits im Depot haben und einen starken Zinsanstieg erwarten, sollten Sie ihn verkaufen.

Ergänzung. Wählen Sie weltweit und/oder europaweit anlegende Rentenfonds als Beimischung für den sicheren Depotteil. Sie enthalten Anleihen in fremder Währung. Der Wert der Anteile hängt daher auch vom jeweils aktuellen Wechselkurs ab. Welt- oder europaweit operierende Fonds können Euro-Rentenfonds nicht ersetzen, eignen sich aber als Ergänzung.

Parken. Zum Parken von Geld eignen sich Rentenfonds nicht. Für diesen Zweck sollten sie auf Geldmarktfonds oder Tagesgeldkonten setzen.

Auswahl. Zuverlässige Informationen zur Qualität von insgesamt rund 4.500 Fonds liefern Ihnen die Finanztest-Fondsanalysen. Sie werden monatlich aktualisiert. Alle Informationen zu Euro-Rentenfonds liefert Finanztest in Heft 9/2006 und online komplett und interaktiv.

Kosten. In den Datenblättern der Fondsgesellschaften im Internet finden Sie die jährlichen Gesamtkosten, meist unter dem Kürzel TER für „Total Expense Ratio“. Bei Fonds, die in Anleihen mit kurzer Laufzeit investieren, sind bis zu 0,5 Prozent des Fondsvermögens akzeptabel, bei Fonds mit langen Laufzeiten etwa 0,8 Prozent.

Kauf. Verhandeln Sie mit Ihrer Hausbank über den Ausgabeaufschlag, den Sie beim Kauf zahlen. Sie bezahlen sonst oft den vollen Satz von bis zu 6,25 Prozent. Preiswerter sind Direktbanken oder Fondsvermittler im Internet. Der Aufschlag nagt vor allem bei kurzer Anlagedauer an der Rendite. Bei über zwanzig Jahren Laufzeit spielt er keine große Rolle.

Börsenkauf. Sie können Euro-Rentenfonds auch direkt an der Börse kaufen. Das ist oft billiger als ein Kauf mit vollem Ausgabeaufschlag. Allerdings sollte die Differenz zwischen Angebots- und Nachfragekurs („Spread“) sehr gering sein. Sie können auch Ihre Filialbank beauftragen, Fonds über die Börse zu kaufen.

Planung. Bei der Planung Ihrer Geldanlagen insgesamt hilft Ihnen der Finanztest-Vermögens-Check und der Finanztest-Vermögensplaner. Sie können damit Renditechance und Verlustrisiko genau ermitteln und das Depot exakt auf Ihre Bedürfnisse trimmen.

Der Beitrag wurde erstellt von unserem Kooperationspartner Stiftung Warentest. Weitere Tests und Informationen kostenpflichtig unter www.test.de.



Text: Stiftung Warentest
Bildmaterial: FAZ.NET

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