Zertifikate

Die Lücken der Finanz-Weltkarte schließen sich

Von Daniel Mohr

03. November 2009 Die Zahl der für deutsche Anleger zugänglichen Aktienmärkte auf der Welt steigt. Für mittlerweile 60 Länder gibt es Indexzertifikate. Damit können die Anleger breit gestreut in die dortigen Aktienmärkte investieren. Noch vor wenigen Jahren waren Geldanlagen in Ländern wie etwa Jordanien, Pakistan, der Ukraine oder Chile für deutsche Anleger nicht möglich.

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg vieler Schwellenländer entwickeln sich jedoch auch die dortigen Kapitalmärkte weiter und machen es für westliche Anleger einfacher, dort zu investieren. Der Kauf von Einzelaktien für deutsche Anleger ist jedoch in vielen Schwellenländern weiterhin noch nicht möglich. Wenn die dortigen Aktien nicht gerade an einer deutschen Börse gehandelt werden, ist der Zugang nur über Fonds oder Zertifikate möglich.

Fondsgründungen sind zu teuer

Dabei ist die Abdeckung der einzelnen Länder der Finanzweltkarte mit Zertifikaten sehr viel weiter gediehen als mit Fonds. Die Auflegung eines Zertifikats geht schneller und ist vor allem kostengünstiger als ein Fonds. Gerade in kleineren Schwellenländern fehlt oft ein ausreichend großes Anlegerinteresse, um die Gründung eines Aktienfonds lukrativ werden zu lassen. Außerdem gibt es in vielen Märkten nur sehr wenige Aktiengesellschaften, so dass für ein aktives Fondsmanagement kaum die Möglichkeit einer Aktienselektion gegeben ist.

Es existieren jedoch zahlreiche Regionenfonds, die nicht in einzelne Länder, wohl aber in Regionen wie Südamerika, Afrika oder Südostasien investieren. Diese sind dann nicht auf die Aktien eines Landes festgelegt, sondern das Fondsmanagement kann die seiner Ansicht nach lukrativsten Titel aus verschiedenen Ländern kaufen. Damit wird auch das Risiko für den Anleger gestreut.

Wer jedoch lieber nur in ein einzelnes Land investieren möchte, findet neben den Indexzertifikaten für 60 Länder mittlerweile an der Deutschen Börse auch für 20 Staaten Indexfonds. Diese bilden ebenfalls die Wertentwicklung des lokalen Aktienindex nach. Anders als Zertifikate sind die Indexfonds Sondervermögen. Damit ist im Insolvenzfall der Fondsgesellschaft das Kapital der Anleger geschützt, während bei einer Insolvenz des Zertifikate-Eemittenten für den Anleger ein Totalverlust droht.

Kapitalkontrollen beschränken die Kreativität

Das Anliegen der Zertifikate-Emittenten, immer mehr Länder auf der Weltkarte für deutsche Anleger zu erschließen, wurde zwar durch die Finanzkrise gebremst, besteht aber weiter. So will die Royal Bank of Scotland (RBS), die schon heute die größte Länderabdeckung unter allen Zertifikate-Emittenten bietet, im nächsten Jahr weitere Schwellenländer für deutsche Anleger erschließen. „Wir versuchen Länder investierbar zu machen, die unserer Ansicht nach dem Anleger einen Mehrwert bieten“, sagt Jürgen Koch von der RBS. „In Sri Lanka ist zum Beispiel nach dem Friedensschluss eine sehr positive Entwicklung zu beobachten, Kenia repräsentiert die aufsteigende Region Ostafrikas mit einigen interessanten Unternehmen aus dem Mobilfunkbereich, und auch in Kolumbien sind einige wirtschaftliche Fortschritte zu erkennen.“

Gleichwohl kann auch die RBS nicht alle gewünschten Regionen abdecken: „Länder wie Saudi-Arabien oder die Mongolei sind aufgrund von Kapitalkontrollen und Handelsbeschränkungen für ausländische Investoren kaum oder gar nicht zugänglich, obwohl diese aufgrund ihrer Bodenschätze interessante Anlageziele wären“, sagt Koch. Für den Anleger sind die Ausflüge zu exotischen Zielen nicht nur mit höheren Chancen und Risiken verbunden, sie verlangen ihm auch höhere Gebühren ab. Der Spread, als Unterschied zwischen Kauf- und Verkaufspreis, ist ein Mehrfaches dessen, was an etablierten Märkten anfällt.

Nachfrage gibt es nicht immer

Andere Banken sind mittlerweile mit der Expansion in immer exotischere Märkte zurückhaltender geworden. „Für viele Regionen ist schlicht keine Nachfrage existent“, sagt Christian Schmitz von Goldman Sachs, neben der RBS und der Deutschen Bank dem Zertifikateanbieter mit der größten regionalen Ausbreitung. „Es ist immer auch eine Frage, wie handelbar die Aktien in exotischen Märkten tatsächlich sind“, sagt Schmitz. „Wir verzichten daher auf Emissionsaktivität in Anlageregionen, deren Kapitalmärkte wir für nicht reif genug halten.“

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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