26. März 2008 In den vergangenen zwei Jahren haben Fondssparer einen weiten Bogen um Rentenfonds gemacht, die auf Staatsanleihen spezialisiert sind. Zeitweise gingen die Kurse so stark zurück, dass der Anleihekupon die Abschläge nicht mehr ausgleichen konnte.
Die vermeintlich sichere Geldanlage entpuppte sich somit vielfach als Verlustbringer. Aussicht auf eine rasche Besserung der Lage bestand nicht. Zudem nagte noch eine steigende Inflation an der ohnehin schon dürftigen Rendite.
Turbulente Börsen -gefragte Staatsanleihen
Die Erfolge der Vergangenheit gerieten so rasch in Vergessenheit. Noch in der Endphase der dreijährigen Aktienbaisse nach der Jahrtausendwende flossen den besten Rentenfonds angesichts vermeintlich stabiler Renditen von 5 Prozent und mehr Milliardenbeträge zu. Angesichts der Anlageergebnisse seit dem Jahr 2006 kippte die Stimmung komplett. Selbst die besten Rentenfonds in unserer Rangliste, die sich in den vergangenen drei Jahren durch eine erfolgreiche Verlustvermeidungsstrategie ausgezeichnet haben, erwirtschafteten nur einen überschaubaren Wertzuwachs: Bei einem Plus von 7 Prozent über drei Jahre bleibt dem Anleger angesichts einer durchschnittlichen Inflationsrate von jährlich rund 2 Prozent und eines einmaligen Ausgabeaufschlags für Rentenfonds von bis zu 3 Prozent nicht mehr viel übrig.
Seitdem sich der Wind an den Finanzmärkten gedreht hat, sind die Spezialisten für Staatsanleihen jedoch wieder gefragt. Angesichts der nun schon mehrere Monate dauernden Kreditkrise und der starken Kursschwankungen an den Aktienmärkten finden die staatlichen Schuldtitel wieder in ihre frühere Rolle als sicherer Hafen mit geringem Verlustrisiko zurück. Die Kurszuwächse fallen deshalb wieder nennenswert aus. Wertzuwächse entsprechend aufgestellter Fonds von 3 Prozent und mehr waren im vergangenen Halbjahr somit keine Seltenheit.
Ist das Ertragspotenzial der Rentenmärkte nun ausgeschöpft?
Klassische Rentenfonds befinden sich in unserer Rangliste wieder auf dem Vormarsch. Die Spezialisten für Wandelanleihen, die noch im Januar an der Spitze unserer Rangliste für Rentenfonds mit geringem Verlustrisiko standen, sind dagegen inzwischen komplett verschwunden. Ihre Mischform aus Fremd- und Eigenkapital wandelte sich seit dem Beginn der Finanzkrise vom Vor- zum Nachteil. Emittenten von Wandelanleihen bieten ihren Anlegern einen relativ niedrigen Kupon. Zum Ausgleich erhält der Anleger das Recht, während der Laufzeit die Anleihe in einem vorher vereinbarten Verhältnis in Aktien zu tauschen. Dieser Tausch lohnt sich immer seltener.
An der Spitze der Rangliste findet sich derzeit ein Fonds, der nach dem sogenannten Absolute-Return-Konzept seinen Anlegern einen stabilen Wertzuwachs verspricht - unabhängig von den jeweiligen Marktgegebenheiten. Das Fondsmanagement setzt dabei neben der klassischen Anlage in Staatsanleihen mit hoher Bonität gezielt kleinere Wetten in riskanten Zinstiteln. Zudem werden aktiv Terminkontrakte in der Portfoliokonstruktion eingesetzt. Damit kann der Fonds bei entsprechender Positionierung auch von fallenden Kursen profitieren. "Wir nutzen die Chancen dort, wo sie sich bieten", beschrieb Fondsmanager Paul McNamara kürzlich seinen Ansatz. "Wir sind jedoch keine Cowboys, sondern wollen uns in geordneten Bahnen bewegen." Diesem Anspruch ist er bislang - der Fonds wurde im April 2004 aufgelegt - gerecht geworden. Von einer dauerhaften Erholung der Märkte für Staatsanleihen geht das Fondsmanagement trotz der jüngsten Kursgewinne nicht aus: Wir glauben, dass das Ertragspotential bis Ende 2008 an den meisten großen Zinsmärkten wohl schon weitgehend ausgeschöpft ist."
Text: F.A.Z., 27.03.2008, Nr. 72 / Seite 25
Bildmaterial: F.A.Z.
