Investmentfonds

Moden kosten Anleger Geld und Nerven

30. Juni 2009 Auf die deutschen Anleger kommt eine Zeit des Umbruchs zu, da die Fondsgesellschaften derzeit ihr Sortiment von den überholten Investmentmoden der Vergangenheit säubern. Sämtliche große Anbieter überarbeiten in diesem Jahr ihre Produktpalette. Dies kann für Anleger ärgerliche Folgen haben.

Zwei Gründe führen dazu, dass die Fondsgesellschaften sich von einem Produkt trennen: Entweder ist die Ausrichtung des Fonds aufgrund der Entwicklung an den Finanzmärkten überholt, oder der Fonds ist so klein geworden, dass er nicht mehr rentabel zu führen ist.

„Mode-Erscheinungen“ aus Boomphasen

Als die Richtung an den Finanzmärkten in den vergangenen Jahren nach oben ging, haben die Fondsgesellschaften die Anleger mit vielen Modeprodukten überhäuft, deren Zeit mit der Finanzkrise abgelaufen ist. Knapp 5.900 Wertpapierpublikumsfonds zählte der Branchenverband BVI Ende Mai. Nach Schätzungen von Marktteilnehmern könnten 10 bis 15 Prozent der Produkte in diesem Jahr vom Markt genommen werden. So hatte die DWS im Frühjahr angekündigt, 100 ihrer rund 300 Fonds schließen zu wollen. Die Deka wird in diesem Jahr voraussichtlich 10 Fonds schließen, sagte ein Sprecher. Damit ist nur ein kleiner Teil der rund 360 Publikumsfonds betroffen, welche die Deka Ende 2008 inklusive Dachfonds in ihrem Sortiment führte. So kündigte sie an diesem Dienstag an, ihre Produktpalette bei offenen Immobilienfonds von vier auf zwei zu straffen. Künftig wird es nur noch den Deka-Immobilien Europa und den Westinvest Inter-Select geben.

Ein zu kleiner Fonds kostet den Anleger unter Umständen unverhältnismäßig viel. Denn die Fondsgesellschaft führt für jedes Produkt eine eigene Aufwands- und Ertragsrechnung, die sie in einem Rechenschaftsbericht veröffentlichen muss. Dabei fallen für jeden Fonds Verwaltungsgebühren, Depotbankgebühren und Kosten für die Wirtschaftsprüfung oder den Druck der Prospekte an. Diese Aufwendungen werden jedes Jahr in Verhältnis zum durchschnittlichen Fondsvermögen im Geschäftsjahr verteilt. Daraus ergibt sich die Gesamtkostenquote, die bei gleichbleibenden Kosten steigt, wenn das Fondsvermögen sinkt. Somit werden die Käufer eines kleinen Fonds mit tendenziell höheren Kosten belastet als die Käufer eines großen Fonds.

Zusammenlegen oder auflösen

„In den meisten Fällen werden wir Fonds mit anderen zusammenlegen, in anderen Fällen werden wir Fonds auflösen“, sagte ein Sprecher von Allianz Global Investors. Zurzeit verwaltet die Fondsgesellschaft 527 Fonds und hat in diesem Jahr 40 Fonds eingestellt, gleichzeitig jedoch 8 Fonds auf den Markt gebracht.

Zusammenlegen oder auflösen - diese sprachliche Nuance kann für die Anleger steuerlich erhebliche Folgen haben. Löst die Fondsgesellschaft einen Fonds auf, zahlt sie den Betrag dem Anleger aus. Legt er diesen wieder an, unterliegen von da an alle Kursgewinne der Abgeltungsteuer, die Anfang dieses Jahres eingeführt wurde und Kursgewinne pauschal mit 25 Prozent besteuert.

„Fondsgesellschaften sind generell verpflichtet, im Interesse ihrer Kunden zu handel“", sagte ein Sprecher des BVI. Deshalb werde versucht, einen Fonds mit einem anderen zusammenzulegen. Dann greife nämlich die sogenannte „Fußstapfentheorie“: War der Anleger länger als ein Jahr in dem Fonds investiert und lag das Kaufdatum vor 2009, bleiben Kursgewinne bei einer Fondsfusion von der Abgeltungsteuer verschont.

Allerdings muss die Finanzmarktaufsicht Bafin der Zusammenlegung von Fonds zustimmen. Eine Voraussetzung für grünes Licht von dort ist, dass der Anlageschwerpunkt der beiden Fonds vergleichbar ist. Das ist Interpretationssache. So hatte die UBS Asset Management im November 2008 ihren Fonds „Absolute Return Bond“ geschlossen und in den UBS Money Market Fund überführt - der ein anderes Anlagekonzept verfolgt. Insofern haben Anleger nach einer Fondsfusion unter Umständen ein Produkt im Depot, das sie gar nicht haben wollten.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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