Fondsbericht

Rentenfonds bleiben in der Defensive

18. April 2008 Rentenfonds mit einer Ausrichtung auf klassische Staatsanleihen finden aus der Defensive nicht heraus. Trotz der andauernden Verunsicherung an den Aktienmärkten ziehen sich die Anleger weiter in Scharen zurück - obwohl Staatsanleihen von ihrem Ruf als sicherer Hafen in einem solchen Marktumfeld eigentlich profitieren sollten.

Die Absetzbewegung aus Rentenfonds ist dabei nicht nur ein Phänomen in der deutschen Anlegerschaft; hierzulande wurden im vergangenen Jahr 18 Milliarden Euro aus Rentenfonds abgezogen. Europaweit flossen insgesamt 57 Milliarden Euro aus Rentenfonds ab. Eine Trendwende ist in diesem Jahr bislang noch nicht zu erkennen.

Wertzuwachs von Rentenfonds ist enttäuschend ...

Die Ursache für die andauernde Fluchtbewegung liegt auf der Hand: Obwohl keine Verluste mehr anfallen wie in den Jahren 2006 und 2007, ist der Wertzuwachs immer noch enttäuschend. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Wertentwicklungsstatistik des Bundesverbandes Investment (BVI) legten Euro-Rentenfonds in den ersten drei Monaten dieses Jahres im Durchschnitt um 1,3 Prozent zu. Über die vergangenen zwölf Monate hinweg beträgt der Wertzuwachs damit 1,8 Prozent. In diesen Ergebnissen ist noch nicht einmal der Ausgabeaufschlag von bis zu 3 Prozent berücksichtigt, der beim Kauf der Fondsanteile fällig wird. Wird dann auch noch die derzeitige Inflationsrate von über 3 Prozent im Euro-Raum hinzugezogen, bleibt vom Gewinn auf dem Papier real so gut wie nichts mehr übrig.

Der vom BVI veröffentlichte niedrige Wertzuwachs ist auch ein Ergebnis der Gebührenerhöhungen in den vergangenen Jahren. Inzwischen sind Rentenfonds, die weniger als ein Prozent jährliche Verwaltungsvergütung verlangen, in der Minderheit. Das heißt, die meisten Euro-Rentenfondsmanager dürften auf Jahressicht zwar einen Gewinn von rund 3 Prozent eingefahren haben. Ein Drittel davon landet aber bei der Fondsgesellschaft beziehungsweise den Fondsverkäufern. Angesichts dieser Belastung steuert das Anlageprodukt Rentenfonds geradewegs in eine Legitimitätskrise. Vor allem mündige Anleger dürften ihren Bankberatern inzwischen häufiger die Frage stellen, worin der Mehrwert eines Euro-Rentenfonds gegenüber einer Direktanlage in Bundesanleihen besteht. Dass Fonds der Bank mehr Provisionen einbringen, dürfte den betroffenen Anlegern dabei herzlich egal sein.

... es sei denn, es handelt sich um Papiere mit Inflationsschutz

Zufrieden dürften Anleger in den vergangenen Monaten mit Rentenfonds gewesen sein, deren Portfoliokonstrukteure schwerpunktmäßig in Anleihen mit Inflationsschutz investierten. Diese Schuldtitel funktionieren zunächst wie normale Anleihen. Die Zinszahlungen werden regelmäßig an den Gläubiger überwiesen, und am Ende der Laufzeit wird das Geld zurückgezahlt. Allerdings sind Zins und Tilgung an einen Inflationsindex gekoppelt. Schwindet beispielsweise die Kaufkraft um 3 Prozent, steigen der jährliche Zins und die Auszahlungssumme am Laufzeitende in gleicher Höhe an. Mit den steigenden Inflationsraten in den vergangenen Monaten stieg auch die Nachfrage nach solchen Wertpapieren, was wiederum deren Kurse in die Höhe trieb.

Erfolgreich wusste diesen Effekt beispielsweise der Schroder Global Inflation Linked Bond für seine Kundschaft zu nutzen, der in den vergangenen zwölf Monaten um gut 8 Prozent zulegte. Damit stieß er erstmals in unsere Rangliste mit den besten Rentenfonds vor, die über die vergangenen drei Jahre hinweg bei einer überdurchschnittlichen Wertentwicklung eine unterdurchschnittliche Schwankungsanfälligkeit aufwiesen. "Inflationsindexierte Anleihen werden sich auf dem hohen Niveau halten", erwartet Jens Franck, Fondsmanager des in den vergangenen Monaten ebenfalls sehr gut gelaufenen Rentenfonds Deka-Renten Real. Nach der zwischenzeitlichen Korrekturbewegung im vergangenen Monat habe die Stimmung schon wieder gedreht.



Text: sfu., F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

 

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