Von Hanno Beck
27. Oktober 2003 Verstehen Sie eigentlich Ihren Fonds? Wirft man einen Blick auf einige der neuesten Kreationen der Branche, so kommen rasch Zweifel auf, ob man immer versteht, was einem hier ins Depot gelegt wird.
Die Motivation auf seiten der Anleger ist klar: In schwierigen Märkten hat man zuwenig Vertrauen in einfache Lösungen wie einen Indexfonds; schwierige Zeiten erfordern in den Augen der Investoren wohl auch komplexere Anlagestrategien. Auch den Gesellschaften ist dies bewußt. Und in Zeiten stagnierender Nettomittelzuflüsse ist man nur allzugerne gewillt, diesen Wünschen nachzukommen und so neue Mittelzuflüsse zu generieren. Kein Wunder also, daß die Fondsprodukte immer kreativer werden.
Fondskreationen müssen genau betrachtet werden
Ein Beispiel für die Kreativität der Branche ist der DWS Zins Chance II, der sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt: Für die ersten zwei Jahre bekommt der Kunde einen Zins von drei Prozent sowie den Erhalt des eingesetzten Kapitals garantiert. Für die folgenden sechs Jahre - so lange läuft der Fonds - bemißt sich die Höhe des jeweiligen Jahreszinses an der Entwicklung eines Aktienkorbes, den die DWS-Spezialisten zusammengestellt haben. Der Zins beträgt für jedes Jahr entweder zehn Prozent, sechs Prozent, zwei oder null Prozent, je nachdem, wie viele Aktien in dem Korb an zwölf verschiedenen Stichtagen im betreffenden Jahr um mehr als 25 Prozent unter ihren Kurs zum Auflegungszeitpunkt des Fonds gerutscht sind.
Hört sich nach einer guten Wette an. Doch der Fondskäufer muß etwas genauer hinschauen, denn unter dem Strich bietet sich dieser Fonds nur für Anleger an, die in den kommenden acht Jahren eine moderate Erwartung für den Aktienmarkt haben: Es darf nicht zu weit nach unten gehen - da sonst der Zins im jeweiligen Jahr sinkt -, aber auch nicht zu weit nach oben, weil man sonst mit einer Direktanlage in Aktien besser gefahren wäre.
Markterwartungen sind entscheidend
"Als Anleger müssen Sie sich immer zuerst fragen, welche Markterwartung Sie haben. Dann müssen Sie fragen, ob das betreffende Produkt zu Ihren Erwartungen paßt", sagt Christian Fischer vom Derivatespezialisten IO Capital Partners. Zudem lohnt es sich immer, einen Blick auf die Konditionen zu werfen: Nicht nur, daß der Fonds mit einem Ausgabeaufschlag von vier Prozent und einer Verwaltungsvergütung von 1,1 Prozent nicht gerade billig ist, die drei Prozent, die dem Anleger für die ersten beiden Jahre versprochen werden, sind nur optisch attraktiv. "Sie bekommen zwar die ersten beiden Jahre drei Prozent, doch da man Ihnen diesen Zinsertrag erst am Ende der Laufzeit des Fonds auszahlt, müssen Sie ihn abzinsen", erklärt Fischer.
Mit anderen Worten: Die 3 Prozent, die man den Kunden in den beiden ersten Jahren verspricht, sind eigentlich keine drei Prozent, weil man sie erst am Ende der Laufzeit erhält. Die 106 Euro, die der Anleger am Ende der Laufzeit erhält - 100 Euro Kapitalerhalt plus jeweils drei Euro Verzinsung in den ersten beiden Jahren -, sind zum heutigen Zeitpunkt - setzt man den aktuellen Zins für achtjährige Anleihen an - nur rund 74 Euro wert. "Mit den Zinsen vom Sparbuch können Sie diese drei Prozent nicht vergleichen", sagt Fischer.
Problematische Intransparenz
Er findet auch noch zwei andere Punkte, auf die ein Anleger achten muß: "Sie müssen sich immer fragen, warum der Emittent solcher Produkte den Aktienkorb so zusammengestellt hat, wie er ist." Im Falle des DWS-Produktes wird die Sache für den Anleger um so ungemütlicher, je stärker die im Korb enthaltenen Aktien gleichartig reagieren, wenn es nach unten geht. Weiterhin könne man - wie bei den meisten Produkten dieser Art - nicht exakt feststellen, was mit den Dividenden passiere, welche die im Korb enthaltenen Aktien abwerfen. "Ob die in diesen Produkten enthaltenen Optionen fair gepreist sind, läßt sich kaum nachvollziehen - da ist Raum für die Marge des Emittenten", sagt Fischer.
Ein anderes Produkt aus der Ideenwerkstatt der Fondsbranche sind die zahlreichen Garantiefonds, ein Beispiel hierfür ist der SEB Invest Garant Bonus Zins, dessen Funktionsweise ein wenig einfacher ist als beim DWS-Produkt: Der Kunde erhält am Ende der Laufzeit auf jeden Fall sein eingesetztes Kapital zusammen mit einem Bonus von fünf Prozent zurück und ist zu 50 Prozent an der Kursentwicklung des Dow Jones Euro-Stoxx-50-Index beteiligt. Der Ausgabeaufschlag von drei Prozent liegt im Rahmen, die Verwaltungsgebühr von 0,6 Prozent ist für ein indexorientiertes Mandat nicht billig. Das Produkt hat - wie etliche andere Produkte, die so gestrickt sind - eine Strafgebühr bei vorzeitiger Rücknahme.
Attraktivität wird schnell relativ
Auf den zweiten Blick könnte das Produkt für den Kunden ein wenig zwiespältig sein, wie Fischer vorrechnet: "Investieren Sie in einen geldmarktnahen Fonds, so bekommen Sie derzeit rund drei Prozent jährlich. Das macht auf die fünf Jahre Laufzeit des Fonds selbst ohne Zinseszinsen rund 15 Prozent. Vergleichen Sie das mit dem Garantiefonds, dann kommen fünf Prozent aus dem Bonus zum Laufzeitende. Abzüglich der vorab gezahlten drei Prozent Ausgabeaufschlag bleibt eine realisierte Bonuskomponente von etwa zwei Prozent - fehlen also noch 13 Prozent, die Sie erhalten müssen, damit Sie sich mit dem Produkt nicht schlechter stellen als mit dem Geldmarktfonds, und diese 13 Prozent müssen aus dem Anstieg des Index kommen", erklärt er. Doch da der Fondskäufer nur mit 50 Prozent an der Indexentwicklung beteiligt ist, müsse der Index innerhalb der Laufzeit insgesamt 26 Prozent steigen, damit der Kunde sich mit dem Fonds in etwa mit einem Geldmarktfonds gleichstellt. "Wenn Sie also glauben, daß Aktien in diesem Zeitraum mindestens 26 Prozent machen - brauchen Sie dann eigentlich ein Garantieprodukt?" fragt Fischer.
Der fortgeschrittene Anleger kann leichten Fußes die Strategien der Garantiefonds nachbauen: Einen Teil seines Geldes investiert er in eine Nullkuponanleihe, die ihm Kapitalerhalt und einen Bonuszins garantiert, mit dem Rest kauft er Optionen auf Aktienindizes. Doch je nachdem, wie hoch der jeweilige Bequemlichkeitsfaktor ist, kann man zu den Produkten der Fondsbranche greifen, jedenfalls dann, wenn man die drei wesentlichen Fragen stellt. Erstens: Wie sind meine Markterwartungen? Zweitens: Bildet das Produkt meine Erwartungen korrekt ab? Drittens: Verstehe ich den Fonds? Letztere Frage gilt generell: Man sollte sich nie Dinge ins Depot legen, die man nicht versteht. Denn Verstehen ist der Anfang des Erfolges.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2003, Nr. 250 / Seite 21
| Tops & Flop Fonds | Kurs | in % |
| NESTOR Australien Fonds | 249,84 € | +218,76% |
| Earth Exploration Fund UI | 44,11 € | +175,23% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-P Cap-EUR | 43,83 € | +159,35% |
| Pictet Funds (LUX) - Russian Equities-R-EUR | 43,25 € | +157,55% |
| HSBC GIF Brazil Equity AC | 34,48 $ | +148,94% |
| Bankhaus Donner TA Japanische Aktien | 92,04 € | −8,60% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner global | 6,90 € | −11,82% |
| MVM LUX SICAV - frontrunner earth | 9,61 € | −11,91% |
| Robeco All Weather Global Equities (EUR) D | 82,28 € | −15,99% |
| Entrepreneur Opportunities Fund | 52,36 € | −17,31% |
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index23.12.2009 13:00 |
1405,08 | 1350,70 | 1296,93 |
Performance-Index23.12.2009 17:35 |
309,39 | 298,41 | 284,02 |
Euro-Aktien-Index23.12.2009 17:35 |
145,73 | 141,42 | 130,49 |
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