Aktienfonds

„Kurskorrekturen waren in China immer Kaufgelegenheiten“

14. März 2007 Mag es an den Börsen dieser Welt wieder einmal rumpeln - Lilian Co ficht dies nicht an. Sie bleibt „bullish“, wenn es um China geht: „Kurskorrekturen waren in China immer Kaufgelegenheiten“, sagt die verantwortliche Managerin des Baring Hong Kong China-Fonds.

Warum das diesmal nicht anders sein soll? „Die Kernfrage lautet: Rechnen Sie mit einer Verlangsamung des Wachstums in den Vereinigten Staaten oder mit einer Rezession. Wenn Sie von einer Rezession ausgehen, dann müssen Sie verkaufen.“ Lilian Co sieht solch düstere Wolken gleichwohl nicht aufziehen. Sie geht folglich nur von einer Wachstumsdelle aus.

Und die derzeitige Aufregung um den amerikanischen Immobilienmarkt? Seit einem Jahr gehe es dort schon abwärts - und mit einem Male bekümmere dies viele Investoren. Die Turbulenzen um die Hypothekenbank New Century machen Co auch nicht nervös. „Immer, wenn eine Krise sich ihrem Höhepunkt nähert, gehen Unternehmen kaputt. Vielleicht sehen wir also schon den Höhepunkt der Immobilienkrise“, folgert die bestenfalls 1,50 Meter kleine Frau - und lacht aus vollem Herzen.

Lilian Co arbeitet von Hongkong aus und befindet sich derzeit auf Roadshow in Europa. Dabei hat sie Werbung im Grunde nicht nötig. Der Fonds, den sie mit zwei Analysten betreut, ist drei Milliarden Dollar schwer. Er liegt in der jüngsten Monatsstatistik zwar mit einem Minus von gut zehn Prozent fast am Ende der 33 Fonds umfassenden Tabelle. Doch in der weiteren Rückschau betrachtet, glänzt das Produkt: Mit Blick auf die vergangenen drei und fünf Jahre schneidet kein Konkurrent besser ab, vielmehr hängen die Mitbewerber deutlich hinterher. Und auf Jahressicht hat sich nur der Greater China-Fonds der Credit Agricole besser geschlagen: Dieser kommt auf ein Plus von fast 40 Prozent, Cos Produkt auf einen Zuwachs von 36,6 Prozent.

Lob für chinesische Regierung

Die Fondsmanagerin setzt weiter auf chinesische Aktien, weil die Papiere im Durchschnitt mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 15 und knapp 13 für nächstes Jahr nicht teuer seien. „Das ist keine Blasen-Bewertung“, sagt Co, wobei sich das KGV auf den Hongkonger Markt bezieht und nicht auf die chinesischen Börsen, an denen dieselben Aktien zum Teil doppelt so teuer gehandelt werden. So besteht das Portfolio des Baring Hong Kong China-Fonds auch zu gut 95 Prozent aus Papieren, die in Hongkong gelistet sind.

Co schätzt sowohl die Umsatz- und Gewinnaussichten der Unternehmen als auch die volkswirtschaftlichen Perspektiven als weiter günstig ein. „Die Regierung versucht, das Wachstum auf einem nachhaltig hohen Niveau zu halten und eine Überhitzung zu vermeiden“, sagt sie angesichts der mahnenden Regierungsstimmen beim jüngsten „Volkskongress“. Und dies sei der Regierung durchaus gelungen. So sei das Kreditvolumen seit 2003 nicht mehr deutlich, sondern zuletzt nur noch maßvoll gestiegen. „Das war ein phantastischer Job“, urteilt Co, weshalb sie der Regierung mit Blick auf die wirtschaftliche Zukunft durchaus Vertrauen schenken müsse.

Furcht, faule Kredite könnten chinesische Banken in ernsthafte Bedrängnis bringen, hat sie nach ihren Worten nicht. Die Rate der Non Performing Loans sei seit Ende 2003 von 18 Prozent auf etwa fünf Prozent gesunken. Alles im allem bewertet sie Wachstumsraten von um die zehn Prozent als gesund. „Wir reden weiter über ein Schwellenland - da sind solche Raten nicht ungewöhnlich.“

Finanzaktien das größte Posten im Portfolio

Vor diesem Hintergrund hat sie in der jüngsten Zeit grundsätzlich keine Aktien niedriger gewichtet als zuvor. Zwar musste auch sie Titel verkaufen und hat die China Construction Bank abgestoßen - aber nur, weil Anleger Fondsanteile zurückgegeben haben. Dieser Titel, zuvor die Nummer drei im Fonds, hat auch daran glauben müssen, weil er relativ hoch bewertet war und aus Sicht der Fondmanagerin weniger Kurspotential als andere Titel hat.

Co hat den Fonds noch nicht einmal defensiver als zuvor positioniert, also nicht etwa Versorger höher gewichtet als vor der jüngsten Talfahrt. Vielmehr spiegelt das Portfolio ihren Optimismus wider, wie sie hervorhebt. Die schwersten Werte sind demnach China Communication Construction Company, China Mobile, Guanzhou R&F Properties, China Merchant Bank, Nine Dragons und China Overseas Land.

Bei den Branchen machen Finanzaktien mit gut 16 Prozent den größten Posten aus, gefolgt von Immobilienwerten mit gut 14 Prozent und Konsumtiteln. Kritische Regierungsstimmen zum Immobilienmarkt sind für Co kein Anlass, Immobilienwerte abzubauen. „Sie wollen diesen Markt nicht killen, sondern nur der Spekulation begegnen“, meint sie. Und: „Ich sehe weiter einen soliden Aufwärtstrend.“

„Keine eigenen Anteile am Fonds verkauft“

Angesichts dessen sei der Fonds weitgehend investiert. Die Barmittelrate liege unter einem Prozent; der Fonds könnte höchstens zehn Prozent „cash“ halten. So beantwortet Co die Frage, ob sie den von ihr selbst gehaltenen Anteilen an ihrem Fonds treu geblieben sei, mit einem klaren „Ja“. Da sie ihre Anlagestrategie nicht geändert habe und in der Vergangenheit auch in schwächeren Marktphasen zumeist den Index geschlagen habe, gibt sie sich zuversichtlich, auch weiterhin „Outperformance“ zu liefern. „Wir sagen unseren Anlegern aber immer, dass sie ihre Anlageentscheidungen nicht aufgrund der Post-Performance treffen sollen. Denn die ist keine Garantie für die Zukunft.“

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @thwi
Bildmaterial: FAZ.NET

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