Anlagebetrug

Finger weg von windigen Geldanlagen

Gläubigerversammlung: Oft genug bitteres Ende eines Renditetraums

Gläubigerversammlung: Oft genug bitteres Ende eines Renditetraums

12. August 2008 Geldanlage ist Vertrauenssache. Diese Binsenweisheit gilt gleich in mehrfacher Form. Für kundige Anleger ist es wichtig, genügend verlässliche Informationen über die gewählte Anlagestrategie zu sammeln und auszuwerten, um nachts ruhig schlafen zu können.

Weniger versierte Anleger werden ihre Energie darauf konzentrieren, einen vertrauenswürdigen Berater zu finden. Nur so stellen sie sicher, nicht auf falsche Versprechen und windige Angebote aller Art hereinzufallen und teures Lehrgeld zu zahlen. Wichtig ist die objektive Unabhängigkeit, die sich am besten über eine Honorarberatung sicherstellen lässt.

Honorarberatung noch nicht weit verbreitet

Allerdings ist dieser Ansatz in Deutschland bisher noch nicht sehr weit verbreitet. Statt in die entsprechende Beratungsdienstleistungen einen vernünftigen Betrag zu investieren, werden viele Anleger bei scheinbar lukrativen Renditeversprechen gierig. Und „Gier frisst Hirn“ - sie schalten einfach ihren Verstand aus. Auf diese Weise lassen sich die Betrugsfälle der vergangenen Jahre erklären (siehe zum Beispiel: Ein Skandal namens Phoenix).

Die erfassten Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrugsdelikte sind nach Ermittlungen des Bundeskriminalamtes im Jahr 2007 gegenüber dem Vorjahr zwar um 55 Prozent auf 8.047 gesunken. Von einer Entwarnung könne jedoch keine Rede sein, denn die Dunkelziffer der nicht erfassten Fälle liege weitaus höher, erklärt der Bankenverband.

Um sich vor unseriösen Angeboten zu schützen, sollten Anleger deutliche Warnsignale beachten.

Dazu zählt der telefonische Erstkontakt

Viele unseriöse Anbieter knüpfen erste Kundenkontakte per Telefon, obwohl das gesetzlich verboten ist. Hier gilt: nicht auf ein Gespräch einlassen.

Unrealistische Gewinnversprechen

Astronomische Renditeversprechen blenden den Anleger und verleiten zu unbedachten Entscheidungen. Renditegarantien im zweistelligen Prozentbereich sind definitiv unseriös. Grundsätzlich gilt: Je höher die Rendite einer Anlage ist, desto größer sind die damit verbundenen Risiken.

Dubiose Provisionsregelungen

Überzogene Provisionsforderungen sprechen dafür, dass der „Anlagespezialist“ eher den eigenen Gewinn als den des Kunden im Sinn hat. Zeigt sich, dass Provisionen verschleiert oder falsch ausgewiesen sind, unbedingt die Finger von der Offerte lassen.

Vorsicht bei Auslandsadressen

Haben Vertragspartner oder Vermittler ihren Geschäftssitz in exotischen Ländern, können geschädigte Kunden rechtliche Ansprüche nicht oder nur schwer durchsetzen. Die Werbung mit ausländischen Steueroasen ist oft nur ein Köder für gutgläubige Sparer.

Zeitdruck ist ein schlechter Ratgeber

Häufig setzen die schwarzen Schafe des Geldgeschäfts Anleger mit dem Argument unter Druck, nur ein sofortiger Entschluss garantiere Spitzengewinne. Doch die Erfahrung zeigt: Übereilte Entscheidungen werden oft bereut.

Folgegeschäfte vermeiden

Um potenzielle Anleger zu ködern, schütten die vermeintlichen Geldprofis aus einem ersten Kontakt mit geringem Kapitaleinsatz stattliche Gewinne aus. Meist wird dem Kunden gleichzeitig ein neues Angebot unterbreitet, allerdings unter Einsatz einer erheblich größeren Anlagesumme. Auch hier gilt: nicht auf solche Angebote einlassen.

Wer auf einen Anlagebetrüger hereingefallen ist, sollte umgehend eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Einmal unter Verdacht geraten und angezeigt, haben entsprechende Personen in Deutschland schlechte Karten: Während allgemeine Betrugsfälle im Jahr 2007 zu 83 Prozent aufgeklärt wurden, konnten die polizeilichen Fahnder nahezu alle erfassten Anlagebetrugsdelikte aufdecken. Für die Geschädigten oft allerdings nur ein geringer Trost, denn sie sahen ihr Geld zumeist nicht wieder.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa

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