28. April 2008 Die deutschen Fondsgesellschaften unternehmen in diesen Tagen einen neuen Anlauf, um die steuerliche Benachteiligung von Fondssparplänen gegenüber den konkurrierenden Lebensversicherungen vom kommenden Jahr an zu verhindern. Kursgewinne aus Einzahlungen, die vom kommenden Jahr an in Fondssparpläne fließen, unterliegen nach den bisherigen Plänen der Bundesregierung der Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag - selbst wenn der Sparvertrag vor 2009 abgeschlossen wurde.
Wertzuwächse aus Lebensversicherungen müssen dagegen weiterhin nur zur Hälfte mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, wenn mindestens zwölf Jahre eingezahlt wurde und die Auszahlung nach dem vollendeten 60. Lebensjahr des Sparers erfolgt. Damit fließt aus dem Gewinn der Policen selbst mit Spitzensteuersatz weniger als 25 Prozent an den Fiskus.
Lebensversicherung bevorteilt
Diese Ungleichbehandlung wird dafür sorgen, dass langfristig angelegte Fondssparpläne in Versicherungsmäntel wandern, erwartet Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI). Für Anleger wäre das unmittelbar mit höheren Gebühren verbunden, weil zu den Fondskosten die Kosten der Lebensversicherung hinzukommen.
Die Fondsbranche strebt in den nächsten Wochen im Rahmen des anstehenden Jahressteuergesetzes eine steuerliche Gleichbehandlung mit Lebensversicherungen an, um das Altersvorsorgesparen über Sparpläne zu retten. Ihre Hoffnungen ruhen dabei auf den Finanzpolitikern im Bundestag. Wir finden uns nicht damit ab, diskriminiert zu werden, sagt Branchenvertreter Seip.
Unterstützung bekommen die Fondsanbieter in ihrem Anliegen von Steuerrechtlern wie Johanna Hey von der Universität Köln. Die unterschiedliche Behandlung begünstigt die Sparform Lebensversicherung, lautet ihre Einschätzung. Das verletze die angestrebte Neutralität des Gesetzgebers.
Die Lebensversicherung ist sicher?
Die Politik habe sich allerdings darauf kapriziert, Lebensversicherungen im Vergleich zu Fonds als weniger riskant anzusehen und damit anders zu behandeln. An diesem Punkt muss die Fondsbranche offensichtlich noch Überzeugungsarbeit leisten. Immerhin sind die zwei Millionen Fondssparpläne im Rahmen der staatlich geförderten Riester-Rente schon den gleichen Steuerregeln wie Lebensversicherungen unterworfen.
Privatanleger mit bereits laufenden Sparplänen stehen vom kommenden Jahr an außerdem vor dem Problem, dass sich Fondsanteile nach altem Steuerrecht mit Fondsanteilen, die der Abgeltungsteuer unterliegen, vermischen. Unter dem alten Steuerrecht kann ein Veräußerungsgewinn nach einer Mindesthaltedauer von zwölf Monaten steuerfrei vereinnahmt werden.
Diese Regel gilt auch von 2009 an für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden. Zwar hat das Bundesfinanzministerium angekündigt, in den entsprechenden Fällen nach dem sogenannten First in, first out-Prinzip verfahren zu wollen - das heißt, bei Anteilsverkäufen aus solchen gemischten Beständen werden die Veräußerungsgewinne den am längsten im Portfolio gehaltenen Fondsanteilen zugeordnet.
Die zwei Depots
Um die Übersicht zu behalten, empfehlen Steuerfachleute wie Jürgen Kuhn von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers aber eine klare Trennung des Alt-und Neubestands durch die Eröffnung eines zweiten Fondsdepots.
Das regelmäßige Sparen in Investmentfonds ist weit verbreitet. Der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) zählte Ende 2007 insgesamt fast 16 Millionen Verträge. Als Vorteil von Fondssparplänen wird von den Anbietern vor allem auf den sogenannten Durchschnittskosteneffekt (Cost Average) über lange Laufzeiten verwiesen. Mit den Marktzyklen verändern sich auch die Fondspreise, so dass Anleger entsprechend den Schwankungen mal mehr Anteile zu niedrigen Preisen, mal weniger Anteile zu höheren Preisen erwerben.
Die automatisch mitgelieferte Antizyklik ist das Erfolgsgeheimnis von Sparplänen, sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer der Fondsvermögensverwaltung SJB. Deshalb würden in den Kundendepots auch die Sparpläne mit langfristigem Anlagehorizont überwiegen. Ihren Anteil an den derzeit laufenden 2500 Sparplänen bei SJB beziffert er auf 91 Prozent.
Text: sfu/F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
| Anlage- schwerpunkt | Fond- anzahl | Mon. Performance | |
|---|---|---|---|
| Top % | Flop % | ||
| Aktien | 2.963 | +2,53 | -15,25 |
| Andere | 5.365 | +0,00 | -7,22 |
| Derivative | 46 | +0,00 | -1,19 |
| Geldmarkt-/nahe | 225 | +0,99 | -1,28 |
| Gemischte | 229 | +3,24 | -6,41 |
| Renten | 1.321 | +6,05 | -4,26 |
| Quelle: Morningstar | |||
| Tops & Flops | Prozent |
|---|---|
| Renten CZK | +6,05 |
| Renten Europa Emerging Market | +3,49 |
| Gemischte Fonds Türkei (neut) | +3,24 |
| Aktien Norwegen | -15,25 |
| Aktien Thailand | -15,19 |
| Aktien Indonesien | -14,50 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 6.469,60 | +0,45 |
| TecDax | 726,89 | +0,74 |
| DowJones | 11.424,27 | +0,66 |
| Nasdaq | 2.305,49 | +1,11 |
| STOXX 50 | 3.361,74 | +0,21 |
| Nikkei 225 | 13.334,76 | -1,97 |
| S&P 500 Zert. | 12,50 | -2,34 |
| Euro/Dollar | 1,57 | -0,04 |
| Bund Future | 110,70 | -0,22 |
| Gold | 920,95 | -0,72 |
| Öl | 125,98 | +0,80 |
