Bankensystem

Die Risiken bleiben bestehen

Von Bettina Schulz, London

In den Fängen der Krise: Die Bank of England warnt vor neuen Schwierigkeiten der Banken

In den Fängen der Krise: Die Bank of England warnt vor neuen Schwierigkeiten der Banken

27. Juni 2009 Das Schlimmste der Bankenkrise scheint überstanden, und die Hoffnung auf eine nachhaltige Erholung der Branche zeigt sich bereits in den gestiegenen Aktienkursen der Finanztitel. Aber die Zeit ist noch nicht reif für Entwarnung: Die Bankbilanzen sind noch so schwach und der Fremdkapitaleinsatz der Banken im Verhältnis zum Eigenkapital (Leverage) noch so hoch, dass Belastungen aus der Konjunktur oder neue Schwierigkeiten im Finanzsektor immer noch ein hohes Risiko darstellen. Dies ist die Warnung der Bank von England, die am Freitag ihren halbjährlichen Stabilitätsbericht vorlegte.

Die englische Notenbank warnt, dass vor allem an den Geld- und Kreditmärkten bei der Refinanzierung der Banken neue Schwierigkeiten auftreten könnten, wenn zum Beispiel die Bonität von Staatsschulden abgewertet werde und sich damit automatisch die Refinanzierungskosten für Banken erhöhten.

Hilfen von Staat und Steuerzahler schüren Sorgen

Es bestehe auch immer noch die Gefahr, dass Banken Verluste aus ihrem Geschäft in den Schwellenländern auffangen müssten oder Blessuren aus ihren Investitionen an den Immobilienmärkten davontragen würden. Freilich könnten der Staat und der Steuerzahler wieder einspringen. „Aber irgendwann wird diese öffentliche Hilfe wenig Wirkung zeigen, denn sie schürt Sorgen über die Haushaltslage eines Landes, und dies wird sich in höheren Refinanzierungskosten für die Banken niederschlagen“, warnt die Bank von England.

Die Notenbank ringt derzeit mit dem britischen Schatzamt um die künftige neue Bankenregulierung in Großbritannien und die Rolle, die die Bank von England in diesem System spielen soll. Während der Notenbankgouverneur Mervyn King kritisiert, die Bank von England brauche größere Befugnisse, um das Bankensystem effektiv überwachen zu können, und die Aufgabe dürfe nicht allein der Londoner Finanzaufsicht (FSA) überlassen werden, scheint Schatzkanzler Alistair Darling der FSA mehr Macht zuordnen zu wollen. Darling will sein „Weißbuch“ zur neuen britischen Finanzregulierung kommende Woche vorlegen, wurde von King jedoch kritisiert, dass die Bank von England hierzu nicht einmal konsultiert worden sei. King rügte Darling in dem öffentlichen Streit zudem in ungewohnter Weise dafür, dass die „exorbitanten“ Staatsschulden schneller reduziert werden müssten als bisher von der Regierung vorgesehen.

Ausreichender Kapital- und Liquiditätspuffer gefordert

In ihrem Stabilitätsbericht pocht die Bank von England darauf, dass zahlreiche Themen zumindest in der Öffentlichkeit diskutiert werden müssten, um das Finanzsystem stabiler auf die nächste Krise auszurichten. Das Argument, Banken seien angeblich zu groß oder mit dem Finanzsystem zu vernetzt, als dass sie geschlossen werden könnten, dürfe nicht gelten. Wenn immer die Gewissheit bestehe, im Zweifel springe der Staat ein, sei eine glaubwürdige Aufsicht kaum möglich. Deshalb plädiert die Bank von England dafür, mit zunehmender Größe einer Bank einen überproportional steigenden Kapital- und Liquiditätspuffer zu fordern, der praktisch als Bremse gegen ungehindertes Bankwachstum wirke. Banken müssten sich zudem ausreichend genehmigtes Eigenkapital für den Notfall beschaffen und Pläne vorlegen, wie sie im Zweifelsfall geschlossen und abgewickelt werden könnten. Um Einleger zu schützen, sollten Banken in guten Zeiten eine risikogewichtete Versicherungsprämie in einen Fonds zahlen, der Spargelder absichere und von den Banken nicht erst im Krisenfall gespeist werden müsse.

Ähnlich wie in der Schweiz pochen die Bank von England und die britische Finanzaufsicht darauf, dass auf internationaler Ebene zumindest diskutiert werde, ob und wie die Komplexität von Banken reduziert werden solle und ob Universalbanken, die im Einlagengeschäft engagiert sind, davon abgehalten werden sollen, riskantere Geschäfte zu betreiben. Je höher das Risiko wie zum Beispiel das Geschäft mit strukturierten Wertpapieren und Kreditrisiken oder der Eigenhandel sei, desto höhere Eigenkapitalanforderungen könnten etwa gegenüber den Kreditinstituten gelten.

Um künftig große Finanzkrisen zu vermeiden, müsse international auch diskutiert werden, wie die globalen Ungleichgewichte zwischen Ländern mit chronisch hohen Handelsbilanzüberschüssen und Sparquoten und Ländern mit chronischen Handelsbilanzdefiziten und stetiger Verschuldung ausgeglichen würden, sagt die Bank von England. Dies sei ein Problem, das bereits auf der Bretton-Woods-Konferenz 1944 erkannt, bis heute aber nicht gelöst worden sei.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., Frank Röth

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