Investmentfonds

Zertifikatefonds in langsamerer Fahrt

26. Oktober 2007 Die Fondsbranche hat es schwer. Galten ihre Produkte früher als Klassiker für den einfacher strukturierten Anleger, der sich nicht mit den Risiken von Einzelaktien belasten wollte und dem Anleihen zu fade waren, so sind die Vehikel in den vergangenen Jahren zunehmend in die Zange zwischen Zertifikate und ETFs geraten.

Pragmatisch, sagte man sich nach dem amerikanischen Motto: „If you can't beat 'em, join 'em - Kannst Du sie nicht schlagen, verbünde Dich mit Ihnen - und beschritt den Weg der Fusion: die Zertifikatefonds wurden geboren.

Kein besondere Vorteil gegenüber der Direktanlage

Die Idee machte Schule und mittlerweile sind, so der österreichische Branchendienst e-fundresearch.com, sind in Österreich, Deutschland und der Schweiz bereits 24 Zertifikatefonds mit einem Gesamtvolumen von 6,76 Milliarden Euro zugelassen.

Die Hauptargumentation des Vertriebs, so die Wiener, sei zum einen häufig, dass man sich die Absicherungsargumente der Zertifikate-Unternehmen ausborgt und auch für schwierige Börsenphasen ansprechende Renditen verspricht.

Weniger überzeugend ist dagegen die zusätzliche Argumentation, die Fonds seien transparenter und durch ihre Stellung als Sondervermögen besser insolvenzgeschützt. Denn vor der Wertlosigkeit eines Zertifikats schützt auch nicht, wenn es sich im Fondsvermögen befindet und transparenter wird das Produkt dadurch auch nicht. Damit bleibt als Vorteil eigentlich nur noch das klassische Vertriebsargument der Risikostreuung durch Diversifikation.

Schwierige Kostenrechnung

Das könnte aber zumindest zum Teil dadurch aufgewogen, dass die Fonds teurer sind als klassische Aktien- oder Rentenfonds. Allerdings, so e-fundresearch, sei die Gesamtkostenbelastung von Zertifikatefonds - gemessen an der Total Expense Ratio (TER) - nicht exorbitant hoch. Der Durchschnitt liege bei 1,35 Prozent pro Jahr zwischen Anleihen- und Aktienfonds.

Indes fehlten dabei doch definitionsgemäß einige Kostenblöcke. So sind die Kosten innerhalb der Zertifikate dabei in der Regel nicht berücksichtigt, fallen aber bei einfachen Zertifikatskonstruktionen eher gering aus. Schwerer können da schon aufgrund der eher kurzfristigen Anlagenatur die Transaktionskosten wiegen, ein Phänomen, das von Futures-Fonds bekannt ist. Indes werden konkrete Zahlen nicht veröffentlicht.

Nicht vergessen sollten auch die Opportunitätskosten der Zertifikate- gegenüber der Aktienanlage, die auch die Fonds gegenüber ihren Aktienpendants einen relativen Nachteil haben lässt. Denn während bei diesen Dividenden durch Ausschüttungen oder Reinvestitionen den Anlegern zugute kommen, werden diese von den Emittenten der Zertifikate fast immer zu Finanzierungszwecken einbehalten.

Abschneiden besser als erwartet

Indes haben die Zertifikate-Fonds gar nicht so schlecht abgeschnitten. Über den Zeitraum der letzten beiden Jahre, erzielte der Durchschnitt aller zwölf Zertifikatefonds, die über eine solche Historie verfügen, einen jährlichen Ertrag von rund neun Prozent. Im laufenden Jahr erwirtschafteten die Fonds bislang im Schnitt lediglich 3,15 Prozent, wobei lediglich sieben der 22 Fonds eine Rendite von mehr als vier Prozent abwarfen.

Dennoch sind die Österreicher mit dem Konstrukt als solchem aus systematischen Gründen nicht zufrieden. Zum ersten halten sie die Symbiose aus Fonds und Zertifikaten aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzung für wenig sinnvoll. Denn während Fonds sich vor allem für ein breit gestreutes und langfristiges Investment eignen, seien Zertifikate eher geeignet, kurzfristig zu „spekulieren“. Zudem würden Fonds in der Regel aktiv gemanaget, bei Zertifikaten hingegen sei das Auszahlungsprofil großteils schon im Voraus fixiert und statisch.

Die Anleger scheint dies nicht anzufechten: Allein in den letzten zwölf Monaten wuchs das Volumen von 3,5 auf 6,8 Milliarden Euro. Auf der anderen Seite steht nach Dafürhalten von e-fundresearch.com besonders bei den Discount-Zertifikatefonds die Feuerprobe in länger seitwärtsgehenden bzw. fallenden Märkten noch aus. Ob Zertifikate das Anlageinstrument der Zukunft sein werden bleibe daher abzuwarten. Zertifikatefonds seien es aber ziemlich sicher nicht.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: FAZ.NET

 

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.