30. Oktober 2006 Wer braucht eine Technik zum Wasserreinigen? Der Waschmittelhersteller Procter und Gamble jedenfalls nicht - er lizenzierte sein Patent an einen koreanischen Anbieter von Wasserfiltern. Mit solchen Geschäften nehmen Patentinhaber wie Procter und Gamble jedes Jahr Milliarden ein. Auf 250 Milliarden Dollar pro Jahr schätzt der amerikanische Patentmakler Ocean Tomo die weltweiten Lizenzeinnahmen. Und Anleger können daran mitverdienen, denn Banken und Fonds arbeiten inzwischen daran, diesen Markt zugänglich zu machen.
Patente gibt es für Erfinder: Wer eine neue Technik entwickelt, darf sie für eine gewisse Zeit allein nutzen. In Deutschland sind das 20 Jahre. Der Erfinder darf dieses Recht auch verkaufen oder anderen die Technik gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung stellen.
Rund 60.000 Patente 2005 allein in Deutschland
Mit diesem Recht kann aber nicht jeder Erfinder etwas anfangen. Das zeigt schon Daniel Düsentrieb: Dem fehlt für die Umsetzung seiner Ideen meist das Eigenkapital, er braucht einen reichen Finanzier. Auch in Unternehmen fallen oft Patente ab, die in der eigenen Branche nutzlos sind. Wertvoll können sie trotzdem sein. Aber wie wertvoll? Und für wen?
Die Patente zu den richtigen Nutzern zu bringen ist nicht leicht. Daran knobeln Banker und Erfinder seit Jahren. Dabei könnte alles so einfach sein, das Patentamt veröffentlicht die angemeldeten Patentschriften nämlich nach 18 Monaten. Doch aus denen läßt sich nur schwer ein Wert ableiten. Ist das Patent leicht zu umgehen? Bietet sich ein Produkt dafür an? Welchen Erlös könnte das bringen? Das sind entscheidende Fragen. Aber die zu beantworten ist nicht leicht. Patentschriften sind in einer verklausulierten Fachsprache verfaßt, die nur Entwicklerkollegen verstehen. Doch die wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen: Rund 60.000 Patente sind 2005 allein in Deutschland angemeldet worden, mehr als 160 am Tag.
Die Hamburger Börse steht bereit
Dabei sind ordentlich bewertete Patente eine feine Sache. Nicht nur die Patentinhaber sind froh, wenn sie ihre Idee verkaufen können. Auch für Anleger ist das Patent interessant, weil es einen Hauch sicherer ist als das Unternehmen, dem es gehört: Denn wenn nur das Unternehmen schlecht wirtschaftet und deshalb bankrott geht, ist das Patent noch da, der Eigentümer kann es weiter verwerten.
Doch die Deutschen halten sich beim Handel mit Patenten zurück. Zwar zählen sie zu den aktivsten Erfindern der Welt, aber die Verwertung ist ihre Schwäche: Für Patente und Lizenzen zahlen sie ans Ausland mehr, als sie bekommen. Banken haben in den letzten Jahren immer wieder vorgeschlagen, Wertpapiere auf Patente zuzulassen. Die Hamburger Börse steht bereit, diese Papiere zu handeln. Aber weil der Wert der Patente so schwer festzustellen ist, hat sich noch niemand ernsthaft ans Werk gemacht.
Rendite aus den Lizenzgebühren
Inzwischen haben sich allerdings erste Unternehmen gegründet, die Patente bewerten: danach, wieviel Geld das Produkt einbringen kann, oder danach, was eine andere Technik für das gleiche Problem kosten würde. Das erleichtert das Leben der Leute, die Patente handeln - auf bekannten Internetbörsen wie yet2.com oder, seit einigen Wochen, per Auktion. In Deutschland findet die erste Versteigerung im März statt, in den Vereinigten Staaten lief in der vergangenen Woche schon die zweite (siehe auch:Patente Gebote: Wie Erfindungen versteigert werden). Auf solchen Auktionen werden Preise zwischen 500 und 1,4 Millionen Dollar pro Erfindung erzielt.
Zu den Patentkäufern gehören inzwischen auch Fondsgesellschaften. Sie sammeln vielversprechende Patente vor allem von kleinen Unternehmen und einzelnen Erfindern, kaufen sie auf und verkaufen sie nach einigen Jahren wieder zum höheren Preis. Ihre Rendite ziehen diese Fonds aus den Lizenzgebühren, die die Erfinder zahlen müssen, und aus dem Weiterverkauf der Patente.
Einige Fonds auch für Privatanleger offen
Die Erfinder machen das mit, weil sie von den Fonds Kapital für ihr Unternehmen und Hilfe bei der Verwertung erhalten - und weil die Erfinder selbst meist gar nicht feststellen können, was ihr Patent wert ist. Einige dieser Fonds sind auch für Privatanleger offen (siehe auch: Anlegen in Ideen: Diese Fonds verwerten Patente).
Geld läßt sich mit Patenten aber auch ganz anders verdienen. Das hat das amerikanische Patentverwaltungsunternehmen NTP gezeigt: Es verklagte den Handyhersteller Research in Motion (RIM) wegen einer angeblichen Patentverletzung - und erhielt 612 Millionen Dollar allein dafür, daß es die Klage zurückzog.
Ideen auf dem Markt: Diese Patente werden gehandelt
Golfplatz-Steuerung: Beim Golfen zu lange geschwatzt und die nächsten Spieler aufgehalten? Mit dieser Technik passiert das nicht mehr: Der Platzwart sieht ständig, wie weit die Spieler sind und ob ein Stau droht. Weil ein Funksignal der Spieler ihre Position auf dem Platz verrät.
Akku: Batterien haben einen Plus- und einen Minuspol. Diese Pole entstehen dadurch, daß es im Inneren positiv und negativ geladene Bereiche gibt. Eine ausgefeilte Trennschicht zwischen beiden Teilen sorgt dafür, daß damit ausgestattete Akkus mehr Strom speichern als andere aufladbare Batterien.
Anleitung: Computerprogramme sind oft schwer zu bedienen. Da braucht man gute Anleitungen. Die schreiben sich mit diesem Verfahren von selbst: Eine spezielle Software analysiert das Programm und verfaßt die Anleitung mit Hilfe passender Textbausteine.
Suchgerät: Wo ist denn jetzt schon wieder der Ball hin? Ein Laserstrahl hilft: Er sucht seine Umgebung ab und stellt fest, ob etwas in seinem Weg steht. Die Technik kann auch feststellen, was genau sie da aufgespürt hat - aber dazu muß das Objekt vorher markiert worden sein.
Flugzeug-Funk: Ein spezielles System sorgt dafür, daß die Geräte innerhalb eines Flugzeugs drahtlos Daten austauschen können. Dabei verbraucht es auch noch wenig Strom. Das System funktioniert übrigens auch in U-Booten und Torpedo-Geschossen.
Mikrochips: Halbleiter brauchen spezielle Materialteile, sogenannte dielektrische Schichten. Mit der hier vorgestellten Technik lassen sich Schichten produzieren, die Strom sparen und extreme Temperaturen aushalten.
Adreßbuch: Die Telefonnummern von Freunden und Bekannten kann man inzwischen in jedem Gerät speichern, das man am Körper trägt oder auf dem Schreibtisch hat - im Handy, im Festnetztelefon und auch auf dem Computer. Diese Listen alle aktuell zu halten, ist ziemlich aufwendig. Das übernehmen die Geräte in Zukunft automatisch.
Chip-Kontakt: Ein Mikrochip muß Daten mit seinen Kollegen austauschen können. Dazu sitzt er gemeinsam mit den anderen Chips auf einer Platine. Mit diesem Verfahren können Chiphersteller die Kontakte produzieren, die den Strom vom Chip zur Platine und zurück leiten.
Telefon-Virenscanner: Versteckt sich hinter dem Anruf ein Virus, das Telefone befallen will? Diese neue Technik findet das heraus und entfernt das Virus.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.10.2006, Nr. 43 / Seite 56
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