Private Altersvorsorge

Finanzbranche klagt über „Vorsorge-Muffel“

20. Juni 2008 Die größte Befürchtung der Finanzbranche in Bezug auf die private Altersvorsorge scheint Wirklichkeit zu werden: Die Deutschen legen weniger Geld für das Alter beiseite. Sogar einen leichten Rückgang der Sparerquote von 0,3 Prozentpunkten, hat die Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management in Frankfurt nun in einer Untersuchung ausgemacht.

Der Anteil derjenigen, die monatlich Geld für ihren Ruhestand zurücklegen, habe sich mit 41,9 Prozent über der Marke von 40 Prozent stabilisiert, hebt die Fondsgesellschaft der amerikanischen Großbank hervor.

Für das Alter soll jeder selbst sorgen, meint die Finanzbranche. Manche Rentnerinnen versuchen, ihre Altersbezüge durch Protest aufzustocken

Für das Alter soll jeder selbst sorgen, meint die Finanzbranche. Manche Rentnerinnen versuchen, ihre Altersbezüge durch Protest aufzustocken

„Die weiterhin turbulenten Märkte haben anscheinend neue Vorsorgesparer abgeschreckt“, lässt sich der Marketingleiter der Fondsgesellschaft, Jean Guido Servais, zitieren. Immerhin beruhigt es ihn, dass die Sparer bisher noch nicht in größerem Umfang bestehende Sparpläne oder Versicherungen aufgelöst haben.

Einige sparen für ihr Eigenheim

Es ist weniger die Sorge um eine möglicherweise ungenügende Finanzausstattung, die den Vertrieb umtreibt. Vielmehr haben sich Versicherer, Fondsgesellschaften und Banken von der privaten Altersvorsorge über Jahre hinweg ein Milliardengeschäft versprochen. Doch viele Deutsche betrachten lieber ganz traditionell die Ratenzahlungen für ihr Eigenheim als ihr Beitrag zur Altersvorsorge.

Anderen wiederum gelingt es nicht, neben all den anderen Belastungen auch noch regelmäßige Sparraten für das Alter aufzubringen - oder es ist ihnen im Vertrauen auf die vermeintliche Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung schlicht gleichgültig.

Viele fühlen sich sowieso gut versorgt

„Ein Teil fühlt sich durch Staat und Betriebsrenten gut versorgt und ist der Meinung, nicht zusätzlich sparen zu müssen“, heißt es in der Studie. „Ein weitaus größerer Teil sieht die Notwendigkeit zur Vorsorge, gibt jedoch an, dafür kein Geld übrig zu haben“, schreiben die Autoren weiter. 28,6 Prozent der Befragten könnten es sich demnach nicht leisten zu sparen. „Das ist ein bedeutsamer Anstieg um 2,8 Prozentpunkte im Vergleich zur letzten Befragung und macht fast ein Drittel aller Befragten aus“, heißt es weiter.

Ein solches Verhalten ist auch nicht völlig irrational. Denn was die Vertreter der Finanzbranche ungern in den Vordergrund ihrer Werbebemühungen rücken, sind die finanziellen Lasten, die auf die Sparer schon nach bisher geltender Regelung in der Auszahlungsphase zukommen. So müssen Sparer im Rentenalter auf die Beträge, die sie jahrelang durch Konsumverzicht angespart haben, zum Teil Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung einzahlen. Dies schmälert die Rendite solcher Sparpläne enorm.

Wo die „Vorsorge-Muffel“ leben

Diejenigen Anleger, die sich dem Trend zur privaten Altersvorsorge bisher besonders standhaft verweigern, leben laut JP Morgan vor allem im Norden. Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Brandenburg, aber auch in Sachsen-Anhalt, hat JP Morgan die meisten ausgemacht und bezeichnet diese Menschen als „Vorsorge-Muffel“. Dabei scheint den Autoren der Untersuchung entgangen zu sein, dass gerade in diesen Bundesländern auch die Einkommen der potentiellen Vorsorgesparer besonders niedrig sind und dass es vielen Menschen dort schwerer fällt, monatlich auf das Alter zu sparen, wenn das Geld schon in der Gegenwart knapp ist.

Besonders fleißig zeichnen laut der Studie die Sparer in Baden-Württemberg die Vorsorgeprodukte der Finanzbranche. Bei 51,9 Prozent liegt dort die Quote, während sie in Thüringen und Sachsen sogar 55,5 Prozent erreicht. In diesen drei Bundesländern hat sich laut JP Morgan „ein ordentlicher Zuwachs“ ergeben.

Niedrige Sparbeträge

Insgesamt seien die Sparbeträge „weiterhin auf niedrigem Niveau“, heißt es in der Studie. Mehr als die Hälfte der Beträge liegt bei maximal 149 Euro monatlich.

Durchgeführt wurde die Umfrage von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg. Befragt wurden repräsentativ 1900 Frauen und Männer. Allerdings wurde die Zusammensetzung in dieser Umfrage gegenüber den vorherigen verändert. Bisher standen Sparer zwischen 14 und „70 plus“ Jahren im Mittelpunkt. Dieses Mal wurde das Startalter der Befragten auf 20 Jahre erhöht.

Text: hlr.
Bildmaterial: ddp, JP Morgan

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