Aktienfonds

Neuer Quant-Fonds mit bewährter Strategie

Der Rechner wählt die Aktien aus

Der Rechner wählt die Aktien aus

26. Juli 2006 „Aus dem Bauch heraus“ entscheiden die Menschen in vielen Situationen häufig gar nicht so schlecht. An der Börse dagegen scheint es besser zu sein, sich auf den Kopf zu verlassen und nicht auf den Bauch zu hören. Das legt zumindest der Erfolg vieler Quant-Fonds nahe, deren Portfolio nach strengen Regeln vom Computer gemanagt wird. Das Fondsmanagement hat im Extremfall nichts mit den Anlageentscheidungen zu tun, sondern verbessert nur die Programme.

Seit gut einem halben Jahr ist das Spektrum um einen Quant-Fonds reicher. Der „Galiplan Aktien Global“ (Isin DE000A0F5HG0) wird „rein systematisch und unabhängig von emotionalen Entscheidungen“ verwaltet, heißt es im Informationsblatt der Fondsgesellschaft. „Das System erkennt wechselnde Marktzyklen und paßt die Strategie automatisch an.“ Der Ausgabeaufschlag beträgt fünf Prozent, an Managementgebühr fallen 1,4 Prozent an.

20 Prozent Wertzuwachs pro Jahr

Zwei Besonderheiten sprechen für den Fonds. Zum einen investiert der Fonds nicht nur Aktien, sondern auch in Indexfutures, um sich in Abwärtsphasen abzusichern. Zum anderen wurde der Fonds zwar erst Ende 2005 aufgelegt, die Quant-Strategie hat sich aber schon seit September 2001 im Echtgeldeinsatz bewährt: Seither hat der Fonds nach Angaben der Gesellschaft in jedem beliebigen Drei-Jahreszeitraum seinen Index MSCI-Welt deutlich geschlagen.

Im Schnitt stehe jährlich ein Plus von 20,8 Prozent, der MSCI-Welt komme nur auf 0,33 Prozent. Ziel sind künftig 10 bis 15 Prozent Wertzuwachs im Jahr. Von September 2001 bis Juni 2006 hat die Quant-Strategie insgesamt ein Plus von 138 Prozent gebracht, der MSCI-Welt dagegen nur 1,5 Prozent. Seit Fondsauflegung bis Ende Juni liegt der Vergleichsindex nach der heftigen Korrektur an den Märkten drei Prozent im Minus, das Galiplan-Produkt dagegen notiert immerhin noch auf dem Niveau des Ausgabepreises.

Vom Ingenieur zum Börsenprofi

Entwickelt hat das System Steffen Hauptmann, ein promovierter Ingenieur. Er arbeitete noch als Wissenschaftler bei Philips in Aachen, als er sich für die Börse zu interessieren begann. Er glaubte, an den Börsen Muster zu erkennen - und recherchierte zu dem Thema. Im Laufe der Jahre entwickelte Hauptmann eigene Formeln.

„Die meisten beruhen auf den Strategien erfolgreicher Investoren“, sagte der Mittvierziger kürzlich den VDI-Nachrichten. „Meistens geht es um die Suche nach Ineffizienzen des Kapitalmarktes, zum Beispiel durch Bilanzanalysen. Dabei wird dann sichtbar, ob ein Unternehmen nur zum Buchwert oder noch geringer bewertet wird.“ Am Ende der Fleißarbeit standen mehr als 300 solcher Regeln.

Jede Regeln wird zwei Jahre getestet

Neue Regeln testet er zwei Jahre in Simulationen, bevor er sie mit echtem Geld anwendet. Das hat seinen Grund: „Oft erweisen sich vermeintliche Gesetzmäßigkeiten als zufällige Muster“, sagte Hauptmann den VDI-Nachrichten. „Deswegen wenden wir in der jetzigen Marktphase auch nur etwa 70 Regeln an.“

1999 begann Hauptmann, mit der quantitativen Strategie sein Geld zu verwalten. 2001 konnte er es sich erlauben, seine Stelle bei Philips aufzugeben und davon zu leben, sein eigenes Vermögen zu verwalten. Der Einsatz des Systems beim Management des „Galiplan Aktien International“ bringe einfach einen „zusätzlichen Verdienst“.

Wahrscheinlich ist nur ein Computer konsequent genug

Hoffentlich rechnet sich die Quant-Strategie auch künftig nicht nur für ihn, sondern auch für die Fondsanleger. Denn wie schreibt die Fondsgesellschaft ganz richtig: „Ergebnisse in der Vergangenheit sind keine Garantie für eine zukünftige Gewinnentwicklung.“

Doch die Vergangenheit zeigt immerhin, daß die Anlagepolitik nicht ganz schlecht sein kann. Börsenregeln gibt es viele. Jeder kann sie befolgen. Doch wahrscheinlich ist nur ein Computer dazu in der Lage, immer konsequent nach ihnen zu handeln.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: @nav, FAZ.NET

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