Investmentfonds

Schwellenmarktfonds stehen unter Druck

07. Februar 2008 Auf den globalen Aktienmärkten ist seit Jahresbeginn einiges in Bewegung geraten. Inmitten dieser Korrekturphase können die gängigen Fondsranglisten nur eine Momentaufnahme sein, weil sich innerhalb weniger Tage das Bild komplett wandeln kann.

So findet derzeit beispielsweise in unserer Rangliste mit Aktienfonds, die sich in den vergangenen drei Jahren durch eine überdurchschnittliche Wertentwicklung bei gleichzeitig unterdurchschnittlichen Wertschwankungen in ihrer Vergleichsgruppe auszeichneten, ein Umbruch statt.

Langjährig Renditebringer mit hohen Wertverlusten

Obwohl die aufgeführten Fonds seit 2005 für ihre Anleger einen stabilen Ertrag erzielten, lässt sich dieser Erfolg nicht einfach in die Zukunft fortschreiben. Dafür genügt schon ein Blick auf die Wertentwicklung in den vergangenen sechs Monaten: Dort überwiegen die Minuszeichen.

In Einzelfällen ist sogar ein Verlust im zweistelligen Prozentbereich zu verzeichnen, der den Lorbeer der Vergangenheit rasch welken lässt. Dominiert wird die Spitzengruppe zwar immer noch von Schwellenmarktspezialisten mit einem Schwerpunkt auf den asiatischen Aktienmärkten. Angesichts der dort zunehmenden Schwankungsanfälligkeit sollte ein Favoritenwechsel aber nur noch eine Frage der Zeit sein.

Weniger Asien, mehr Lateinamerika

Trotz der verminderten Aussagekraft lässt die aktuelle Fondsrangliste einzelne interessante Entdeckungen zu. So hat beispielsweise der HSBC Bric Freestyle bewiesen, dass sich die Verluste trotz einer Spezialisierung auf Schwellenmärkte abmildern lassen. Mit einem Abschlag von rund 10 Prozent seit Jahresbeginn konnte sich Fondsmanager Nick Timberlake dem Kursrutsch nicht vollständig entziehen.

Über die vergangenen sechs Monate gleicht sich das Ergebnis jedoch wieder aus. Timberlake hatte rechtzeitig sein China-Engagement zurückgefahren. Auch indische Titel, die seit Jahresbeginn besonders unter Abgabedruck standen, spielen in seinem Portfolio nur eine Nebenrolle. Der Fondsmanager setzte stattdessen auf russische und brasilianische Aktien, was sich im Nachhinein als eine gute Mischung erwiesen hat.

Vorsicht bei Dollarfonds

Ein wenig beachtetes Produkt ist der HSBC-Fonds schon lange nicht mehr. Vor zwei Jahren hatte der Zuspruch der Anleger nach Ansicht des britischen Anbieters sogar einen kritischen Punkt überschritten, so dass die Ausgabe neuer Anteile bei einem Fondsvolumen von rund 4 Milliarden Euro vorübergehend eingestellt wurde.

Inzwischen hat sich das Geschäft aber wieder etwas beruhigt. Vor elf Monaten wurde deshalb die Schließung für neue Anleger wieder aufgehoben. Derzeit verwaltet Fondsmanager Timberlake im HSBC Bric Freestyle ein Kundenvermögen von insgesamt gut 2 Milliarden Euro. Bei einem Engagement müssen Anleger berücksichtigen, dass der Fonds in Dollar aufgelegt ist und sich deshalb eine weitere Abschwächung der amerikanischen Währung negativ auf die Wertentwicklung des Fonds auswirken würde.

Optimismus keimt wieder auf

Mit seiner positiven Einschätzung von Russland und Brasilien sowie dem skeptischen Blick auf China und Indien steht Timberlake nicht allein. Seine Kollegen vom britischen Vermögensverwalter Schroders kommen zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Während der HSBC-Fondsmanager jedoch kurzfristig mit weiteren Kursschwankungen rechnet, überwiegen bei Schroders schon wieder die optimistischen Töne.

„Angesichts der bereits eingetretenen großen Rückgänge wurde ein Gewinnschock in gewissem Maße schon deutlich eingepreist“, kommentiert Allan Conway, verantwortlich für die Anlage in Schwellenländeraktien bei Schroders, die jüngste Entwicklung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 12 seien die Schwellenmärkte „unter keinen Umständen teuer“. Er glaubt daher nicht, dass das aktuelle Geschehen den Start eines längeren Kursabschwungs bedeutet.



Text: F.A.Z., 07.02.2008, Nr. 32 / Seite 22
Bildmaterial: FAZ.NET

Überblick Wertentwicklung
Anlage-
schwerpunkt
Fond-
anzahl
Mon. Performance
Top %Flop %
Aktien 3.340 +13,99 -7,56
Andere 7.987 +4,77 +0,00
Derivative 53 +0,01 -1,87
Geldmarkt-/nahe 247 +4,56 -3,16
Gemischte 224 +5,99 -0,13
Renten 1.463 +5,04 -3,08
Quelle: Morningstar
Finden
NamePunkteProzent
Dax 7.003,17 -0,97
TecDax 835,29 -1,32
DowJones 12.745,88 -0,94
Nasdaq 2.445,52 -0,23
STOXX 50 3.801,59 -1,41
Nikkei 225 13.655,34 -2,06
S&P 500 Zert. 13,80 -1,08
Euro/Dollar 1,54 -0,56
Bund Future 115,07 +0,37
Gold 883,10 -0,22
Öl 122,46 +1,63
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