12. August 2005 Deutsche Anleger in geschlossenen Fonds setzen auf Containerschiffe: Während der Gesamtmarkt für geschlossene Schiffsfonds im vergangenen Jahr um rund sechs Prozent zulegte, haben Fonds, die in Containerschiffe investieren, ein Wachstum von rund 24 Prozent verzeichnet.
Reedereien nutzen verstärkt den deutschen Kapitalmarkt, um teure Großcontainerschiffe zu finanzieren, sagt Peter Kastell, Geschäftsführer des Analysehauses Fondsmedia. Der Marktanteil der Containerschiffe ist beachtlich: Dem Analysehaus Scope zufolge entfielen unter den Schiffsfonds im vergangenen Jahr rund 50 Prozent des plazierten Eigenkapitals auf Containerschiffe.
Verlustzuweisungen mittlerweile uninteressant
Seit dem Ende des sogenannten Kombi-Modells spielen Verlustzuweisungen bei Schiffsfonds mittlerweile kaum noch eine Rolle: Die Anleger verdienen ihr Geld aus den Objekten und vor allem dank der sogenannten Tonnagesteuer, die eine nahezu steuerfreie Ausschüttung zuläßt. Da die Tonnagesteuer eine Pauschalsteuer ist, die sowohl bei Gewinnen als auch bei Verlusten im Schiffsbetrieb anfällt, bekommt die Rendite der Schiffsbeteiligung ein völlig neues Gewicht: Je rentabler das Schiff ist, um so besser für den Anleger.
Und derzeit stimmt die Rendite am Markt für Containerschiffe: Dank der guten Konjunktur in Asien, vor allem auch in China, gibt es derzeit enormen Bedarf an Containerschiffen. In nahezu allen Segmenten sind die Charterraten seit dem Jahr 2003 deutlich gestiegen und liegen derzeit deutlich über ihrem langjährigen Durchschnitt.
Für die Schiffseigentümer - und damit die Anleger - bedeuten die steigenden Charterraten steigende Gewinne; denn das Risiko einer zu geringen Auslastung der Schiffe liegt bei den Charterern. In der Regel vereinbart man mit den Chartergesellschaften längerfristige Verträge, die den Anlegern Einnahmesicherheit bieten; im Gegenzug dafür wird eine niedrigere Charterrate vereinbart.
Allerdings besteht natürlich das Risiko, daß ein Charterer seine Verpflichtungen gegenüber den Schiffseignern nicht mehr halten kann - dann muß das Schiff erneut vermietet werden. Bisher haben wir allerdings kaum Ausfälle beobachtet, sagt Kastell. Ausschließen läßt sich das für schlechtere Zeiten allerdings nie.
Wiederverkaufswerte latent bedroht
Diese schlechten Zeiten - sprich: sinkende Charterraten - werden von der Branche allgemein spätestens für das Jahr 2007 erwartet, wenn dann auch das durch die hohen Charterraten induzierte Angebot an Schiffen fertig ist und an den Markt drängt. Das dürfte dann auch die Preise der Schiffe und damit auch deren Wiederverkaufswert drücken, was letztlich auch die Rendite der Fonds schmälern würde.
Wer also derzeit ein Schiff kauft, muß damit rechnen, daß der Wiederverkaufswert sinken kann. Erste Gesellschaften kaufen bereits keine Schiffe mehr, weil sie diese als zu teuer erachten, sagt Frank Heimsaat von Scope. Neben dem Risiko, zu teuer einzukaufen, käme im Falle einer Abkühlung des Containerschiffmarktes die Gefahr hinzu, daß Charterverträge ausfallen oder zumindest im Lichte der schlechteren Marktlage neu verhandelt werden müssen.
Ein weiteres Risiko für die Fonds liegt in der Entwicklung des Dollarkurses, da die Charterer die Charterraten in der Regel in Dollar bezahlen - sollte der Dollar weiter abwerten, so bleibt für die Anleger, in Euro gerechnet, weniger Ausschüttung hängen. Je mehr ein Fonds allerdings das Fremdkapital in anderen Währungen als dem Dollar, beispielsweise in Yen aufnimmt, um so mehr läßt sich der Anleger dann auch auf eine Währungsspekulation ein. Die spekulative Beimischung des Yen bei der Fremdkapitalfinanzierung wird von manchen Anbietern dazu genutzt, um auf dem Papier höhere Ausschüttungen auszuweisen, warnt Kastell.
Zweitmarkt noch in den Kinderschuhen
Die Kehrseite dieser höher ausgewiesenen Rendite ist allerdings auch ein höheres Währungsrisiko. Ein weiterer Risikopunkt für den Anleger ist die mangelnde Liquidität seiner Fondsanteile - Beteiligungen an geschlossenen Fonds lassen sich nicht ohne weiteres veräußern. Allerdings rückt ein funktionierender Zweitmarkt für Anteile an Schiffsfonds in greifbare Nähe. So sind in den vergangenen Monaten mehrere Zweitmarktmodelle und -fonds entstanden, die inzwischen für zahlreiche Beteiligungen einen Preisvergleich möglich machen.
Allerdings kostet auch dieser Zweithandel die Anleger Geld. Aber noch kann vom Verkaufen der Anteile keine Rede sein, die Stimmung am Markt ist prächtig: Für 177 Emissionen von Schiffsfonds, die nach dem Jahr 2001 aufgelegt wurden, liegen die derzeitigen Ausschüttungen bei rund fünf Prozent jährlich, rechnet Kastell vor. Für 631 Fonds, die vor dem Jahr 2001 als Steuersparmodelle aufgelegt wurden, betrage die jährliche Ausschüttung lediglich 2,5 Prozent - die Rendite wurde hier noch über Verlustzuweisungen erzielt. Auch Scope kommt auf ähnliche Werte: Die durchschnittliche prospektierte Nachsteuerrendite belaufe sich auf 7,1 Prozent, erklärt Heimsaat - eine tatsächlich erzielte Rendite zwischen 6 und 7 Prozent hält er für realistisch.
Allerdings ist das Ganze auch nicht so billig: Laut Scope belaufen sich die sogenannten Weichkosten, also alle Kosten, die nicht unmittelbar bei der Anfertigung des Schiffes anfallen, auf fast 25 Prozent der Eigenkapitalsumme. Den Anteil der Vertriebskosten - also das Geld, das der Kunde letztlich an den Vermittler zahlt, schätzt Heimsaat auf zwölf bis 15 Prozent.
Text: F.A.Z., 12.08.2005, Nr. 186 / Seite 21
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb
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