Altersvorsorge

Acht Euro mehr Rente

Von Dyrk Scherff

10. April 2008 Freud und Leid sind oft dicht beisammen - manchmal sogar in einer Familie. Im kleinen Maß hat das die Regierung in den vergangenen Wochen mit ihrer Rentenerhöhung geschafft. Die beschert den Großeltern im Ruhestand bis 2012 etwas mehr Rente - dafür ärgern sich deren Kinder, weil ihre Beiträge zur Rentenversicherung nicht wie geplant sinken werden. Die Unternehmen ärgern sich auch, denn die zahlen den Beitrag mit.

Jetzt ist diese Gesetzesänderung vom Kabinett gebilligt worden (Außerplanmäßige Rentenerhöhung kommt). Der sogenannte "Riester-Faktor" wird für einige Jahre ausgesetzt. Er soll den Rentenanstieg dämpfen und damit die private Vorsorge der jungen Menschen honorieren. Hätte er wie gewohnt gegolten, wären die Renten im Juli nur um 0,46 Prozent gestiegen. Das ist nach den vergangenen Aufschwungjahren zu wenig, meint die Regierung. Daher steigen die Altersbezüge jetzt um 1,1 Prozent.

Rentner müssen´s zum Teil selbst bezahlen

Wer lieber in Euro rechnet, sieht: Die vermeintliche Wohltat für Rentner ist kaum der Rede wert. Die Bezüge für einen Durchschnittsverdiener, der 45 Jahre lang eingezahlt und damit sehr lange gearbeitet hat, erhöhen sich nun um etwa 13 Euro im Monat, nach bisherigem Recht wären es nur acht Euro weniger gewesen (siehe Tabelle). Das müssen die Rentner sogar teils selbst bezahlen. Von 2013 an steigen die Bezüge nämlich jetzt für viele Jahre weniger stark als ursprünglich geplant, im ersten Jahr zum Beispiel um 7,60 Euro weniger. Das sind natürlich nur Prognosen. Niedrigere Löhne und eine höhere Arbeitslosigkeit würden den Rentenanstieg weiter dämpfen.

Auf der anderen Seite sind Arbeitnehmer und Firmen jetzt verärgert, denn der Beitragssatz sinkt nun nicht schon 2011, sondern erst 2012 und dafür auch noch geringer als geplant. Wer 4000 Euro brutto verdient, muss dadurch 2011 zwölf Euro mehr in die Rentenkasse bezahlen als bisher geplant. Im Jahr 2013 sind es wieder genauso viel wie nach altem Recht, erst 2025 lockt eine kleine Entlastung.

Auch der Finanzminister ist nicht glücklich. Denn wenn die Beiträge sinken, wird auch der Bundeszuschuss nicht geringer, der an den Beitragssatz gekoppelt ist. Nach einer Faustformel zahlt die Regierung 235 Millionen Euro weniger an die Rentenkasse, wenn der Beitrag um 0,1 Prozentpunkte ermäßigt wird. Nach der Gesetzesänderung muss sie vor allem 2011 und 2012 mehr überweisen als geplant. Dann zahlt der Bund 1,5 Milliarden, eine Milliarde Euro mehr als bisher. Und für die Langzeitarbeitslosen muss er auch mehr ausgeben. Deren Hartz-IV-Bezüge sind an die Renten gebunden.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.

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