24. Juli 2008 Unter den wenigen Aktien, die in der ersten Jahreshälfte von Kursverlusten verschont blieben, waren vor allem die Titel von Rohstoffkonzernen zu finden. Sie profitierten von den historisch hohen Rohstoffpreisen und konnten sich somit der Finanzkrise weitgehend entziehen. Fonds mit einem Investitionsschwerpunkt in diesem Marktsegment stehen derzeit als die großen Gewinner des Jahres da. In unserer Rangliste mit Aktienfonds, die über die vergangenen drei Jahre vergleichsweise wenige Verlustmonate bei einer gleichzeitig überdurchschnittlichen Wertentwicklung aufwiesen, besetzen sie inzwischen die vorderen Ränge.
ETF profitieren von Kostenverteilen
In dem Anlageerfolg spiegelt sich nicht nur die Stabilität des Marktsegments wider. Ein näherer Blick macht zudem deutlich, wie sich börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF) im Wettbewerb mit klassischen Investmentfonds immer besser schlagen. Gerade in schwierigen Börsenzeiten kommt ihr Kostenvorteil offenbar entscheidend zum Tragen.
So wird für den führenden I-Shares-Fonds vom ETF-Marktführer Barclays Global Investors (BGI), der passiv die Wertentwicklung des europäischen Stoxx-Branchenindex für Rohstoffwerte nachvollzieht, eine Verwaltungsgebühr von lediglich 0,5 Prozent im Jahr fällig. Für einen aktiv von einem Fondsmanager geführten Rohstofffonds müssten Anleger mindestens das Dreifache zahlen.
Das Angebot an börsengehandelten Indexfonds fächert sich zwar auf immer mehr Vermögensklassen auf. Fonds, die einen Aktienindex nachvollziehen, machen aber nach einer Übersicht des Fondsanalysehauses Lipper immer noch drei Viertel des Geschäfts aus. Europaweit hat das in den Indexfonds verwaltete Vermögen im zweiten Quartal dieses Jahres erstmals die Schwelle von 100 Milliarden Euro überschritten.
Privatanleger mit Nachholbedarf
Der enorme Schub im Neugeschäft ist vor allem auf den Zuspruch dieser noch vergleichsweise jungen Anlageprodukte durch institutionelle Großanleger zurückzuführen. Nach einer in diesem Frühjahr durchgeführten Untersuchung von BGI hat inzwischen schon jeder zweite professionelle Anleger die Vorzüge von börsengehandelten Indexfonds erkannt und nutzt sie in der Portfoliozusammenstellung.
Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund der gleichbleibend geringe Anteil von Privatanlegern, obwohl diese zu den gleichen günstigen Bedingungen einen Zugang erhalten. Der Grund dafür liegt paradoxerweise ausgerechnet in den niedrigen Gebühren. Diese lassen den Fondsanbietern keinen Raum für Provisionszahlungen. Da in Deutschland jedoch die Anlageberatung überwiegend auf Provisionsbasis erfolgt, bieten Banken und Sparkassen ihren Kunden börsengehandelte Indexfonds nicht aktiv an. In der Anlageberatung auf Honorarbasis wiederum haben sich die Fonds schon durchgesetzt.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.